Unsozial, klimaschädlich
Von Wolfgang Pomrehn
Jetzt kommt er tatsächlich, der sogenannte Heizhammer, mit dem Deutschlands Verbraucher in die fossile Kostenfalle getrieben und das Klima noch möglichst lange weiter geschädigt werden soll. Offen ist nur noch, nach wem er benannt werden soll. Vielleicht nach dem Blackrock-Kanzler, dem Freund aller Milliardäre Friedrich Merz? Oder doch eher nach der ehemaligen Eon-Managerin und jetzigen Gas- und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche? Die Fraktionsspitzen von Union und SPD haben am späten Dienstag Eckpunkte für ein Gebäudemodernisierungsgesetz vorgelegt. Zunächst geht es einmal um die Umbenennung des Gebäudeenergiegesetzes, das bereits 2020 unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeführt worden war, das aber unter der nachfolgenden Regierung zum Ziel heftiger Kampagnen der Rechten und ganz Rechten wurde. Die Ampelkoalition hatte ein langfristiges Verbot von neuen Gas- und Ölheizungen und die Förderung von Wärmepumpen eingebaut – Wärmepumpen übrigens, die sich nicht zuletzt in Skandinavien zunehmender Beliebtheit erfreuen.
Nun sollen neue Gas- und selbst Ölheizungen wieder möglich sein, wenn ein bisschen Wasserstoff, Biogas oder -öl beigemischt wird. Energetisch ist das eher eine aberwitzige Verschwendung und volkswirtschaftlich Unfug, aber es hält das Gasgeschäft von Eon, RWE und Konsorten möglichst lange am Laufen. Dass eine solche Regelung trotz Beimischung schlecht fürs Klima ist, liegt auf der Hand. Sie würde darauf hinauslaufen, dass auch zur Mitte des Jahrhunderts noch weiter Treibhausgase in die Luft gepustet werden. Ein nicht nur für künftige Generationen, sondern auch für den Steuerzahler teures Vergnügen. Denn Deutschland hat sich im Rahmen der EU verpflichtet, seine Emissionen aus dem Gebäudesektor deutlich schneller zu reduzieren, als es bisher geschieht. Schuld trägt nicht zuletzt die rechte Kampagne gegen Wärmepumpen. Der Rückstand ist bis 2030 kaum noch aufzuholen – schon gar nicht durch das jetzt beabsichtigte Aufweichen der gesetzlichen Vorgaben. Also wird die Regierung ab 2030 Emissionszertifikate von anderen EU-Ländern erwerben müssen, um sich sozusagen freizukaufen. Das wird einige Milliarden Euro kosten. Geld, das man besser in den rascheren Ausbau der Fernwärme stecken sollte.
Aber auch auf Hausbesitzer kommt eine Kostenlawine zu. Klar ist nämlich nun mal, dass der Trend vernünftigerweise zu Fernwärme und Wärmepumpen geht. Die Zahl der Gaskunden, die sich die Kosten für das Netz teilen müssen, wird also abnehmen. Das wiederum bedeutet, dass der einzelne immer mehr wird hinlegen müssen. Das Gesetzesvorhaben der Berliner Koalition ist also nicht nur hochgradig klimaschädlich, sondern auch – mal wieder – extrem unsozial. Getroffen werden vor allem kleine Hausbesitzer und Mieter, die den Heizungstypenentscheidungen ihrer Vermieter ausgeliefert sind.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Gabriel T. aus Berlin (26. Februar 2026 um 08:32 Uhr)Das eine wie das andere war ökonomischer und klimatechnischer Unsinn, bei denen jeweils versucht wurde/wird die Kosten für den Klimaschutz auf die Individuen umzulegen. Vernünftig wäre ein Ausbau der Fernwärme, wobei dort vor allem industrielle Abwärme genutzt werden muss. Noch immer blasen die Mehrzahl der deutschen Industriebetriebe ihre Abwärme in die Luft etc.pp. Dies würde allerdings hohe Investitionen des Staates in die Infrastruktur erfordern. Diese Investitionen, ca. 1000 Mrd. Euro, stünden dann allerdings für den Krieg nicht mehr zur Verfügung. Dass diese Investitionen natürlich etwas nachhaltiger wären, da sie eben nicht nur für den Aufbau Arbeitsplätze schaffen, sondern eine Infrastruktur errichten, auf der effizienterer Kapitalismus möglich ist, sei nur nebenbei angemerkt. Allerdings ist dies bei Planungshorizonten von zwei bis drei Jahren, wie sie derzeit in Mode sind, natürlich obsolet.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (26. Februar 2026 um 10:27 Uhr)Sehr gut, Herr T.! Es bleibt dann noch die Frage, ob wir weniger Betriebe brauchen, die weniger Produkte herstellen, die dann nicht überall rumstehen. Ich führe 1 Beispiel an: Unser Nachbarhausarzt hat 1 Auto gekauft. Steht Tesla drauf. Weil ich wieder 800 neue Tabletten brauchte, bin ich also hin zu ihm. Er besteht darauf, mal einen Blick auf jede/jeden zu werfen. Feiner Zug! In der nächsten Woche fliegen seine Liebste und er für eine Woche nach Portugal. Ich: Sie kommen abba beide wieder? – Das Nicken war nicht überzeugend. Denn sie sind doch seit Jahrzehnten im Recht.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (25. Februar 2026 um 20:59 Uhr)Frage an Google: »energiekosten wärmepumpe gasheizung 20000kWh«, KI-Antwort: »Bei einem jährlichen Bedarf von 20.000 kWh Wärme belaufen sich die Kosten für eine Gasheizung (ca. 10 ct/kWh) auf etwa 2.000–2.400 € inkl. Grundpreis. Eine Wärmepumpe (JAZ ca. 3,5–4) benötigt nur ca. 5.000–6.500 kWh Strom, was bei ca. 25–30 ct/kWh zu niedrigeren Kosten von etwa 1.300–1.950 € führt. Hier ist der detaillierte Vergleich: Gasheizung (20.000 kWh Energiebedarf) Verbrauch: ~20.000 kWh Gas Gaspreis: ca. 9,93 - 10,4 Cent/kWh Jährliche Kosten: ca. 2.000 € - 2.400 € (inkl. Grundpreis) Wartung: ca. 230 - 300 € Wärmepumpe (entspricht 20.000 kWh Wärmebedarf) Stromverbrauch: ~5.000 - 6.500 kWh Strom (abhängig von Jahresarbeitszahl, JAZ) Strompreis (WP-Tarif): ca. 23 - 30 Cent/kWh Jährliche Kosten: ca. 1.300 € - 1.950 € (inkl. Grundpreis) Wartung: ca. 360 - 400 € (niedrigerer Wartungsaufwand als Gas) Fazit: Mit einer Wärmepumpe lassen sich bei 20.000 kWh Wärmebedarf die Energiekosten im Vergleich zur Gasheizung signifikant senken, oft um mehrere hundert bis zu 1.000 € pro Jahr. Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe liegt typischerweise bei etwa einem Viertel bis einem Drittel des Gasverbrauchs.« Für Häuslesbesitzer, die bald eine neue Heizung brauchen und keinen Fernwärmeanschluss bekommen können, dürfte die Entscheidung für eine Wärmepumpe leicht fallen, Subventionen dafür bleiben ja vorläufig erhalten. Die Gaspreise dürften bis 2035 erheblich stärker steigen (22-30 Cent/kWh) als die Strompreise (36-50 Cent/kWh). Wie Immobilienkonzerne mit dem Thema umgehen, ist eine andere Frage. In diesem Falle könnte die unsichtbare Hand des Marktes eine positive Wirkung für das Klima entfalten.
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