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Aus: Ausgabe vom 23.02.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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»Schnelle und wirksame Hilfe«

Zu jW vom 14./15.2.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Bezugnehmend auf die kubathematischen Leserbriefe auf der Seite vom 14./15. Februar. Wer solche Freunde hat: Der moralische Zeigefinger der besserwisserischen, rechthaberischen Linken soll es richten. Fehlt nur noch, dass sie dafür den Dank der Kubaner einfordern. Die aber brauchen jetzt nur eines: schnelle und wirksame Hilfe, uneigennützig und freundschaftlich. Selbst wenn es mal wehtun sollte. Wir sind doch »wohlversorgt«. Meine erste Soliaktion war es, Schulmaterial für die kubanischen Kinder zu spenden, gekauft vom Altstoffgeld. Also weniger Eis oder Limo für mich, aber ich war stolz auf meine gute Tat. Dieser Solidaritätsgedanke hat sich eingeprägt, ist von der DDR geblieben. Auch wenn ich heute nur Armutsrentner bin, kann ich auf meinen kleinen Beitrag nicht verzichten, ob für Kuba, Palästina oder die RLK. Gegen die geballte Macht der alle so auskömmlich wohlversorgenden Kapitalisten hilft letztlich nur die Solidarität der Betroffenen.

Werner Liebrenz, Coburg

Vierte Gewalt

Zu jW vom 17.2.: »Warum sollten Reporter nur im Team arbeiten?«

Nach dem Lesen dieses Interviews reibt man sich irritiert die Augen und schaut noch mal nach, ob man gerade wirklich die junge Welt in der Hand hat und nicht doch die Taz, die SZ oder die Frankfurter Rundschau. Bei all dem Gerede über »Extremisten«, der Verteufelung der Palästina-Solidarität und dem Russland-Bashing, übersieht man fast, dass der hier interviewte Mika Beuster vor allem auf eines hinauswill: (noch) stärkere Kooperation zwischen deutschen Journalisten und deutscher Staatsgewalt. Als wäre das nicht mit ein Grund, weshalb so viele Menschen in diesem Land »den« Medien nicht mehr trauen. Und als hätten sich diese Medien die Anfeindungen etwa seitens der Palästina-Solidarität und anderer linker Bewegungen in den vergangenen Jahren nicht genau mit dieser Haltung eifrig erarbeitet. Medien sind nicht neutral, sondern die »vierte Gewalt«, und Journalisten müssen sich aktiv entscheiden, in wessen Dienst sie diese Gewalt stellen. (…)

Thomas Zmrzly, Duisburg

Stoß- und Druckwellen

Zu jW vom 7./8.2.: »Der Algorithmus des Krieges«

Vorab entschuldige ich mich bei allen Freunden der Strategiespiele Schach und Go, die seit jeher mit ihrer magischen Vielfalt und Tiefe faszinieren. Aber so ist es nun mal: Schach trägt den Geist klassischer Manöverkriege in sich, in denen feindliche Truppen unterschiedlicher Gattungen in Stoßwellen übereinander herfallen, um gegnerische Linien zu durchbrechen und Kommandozentralen auszuschalten, eine Schlacht wie eine Schachpartie nach der anderen. Auf moderne, kybernetische Kriegsformen, die in Druckwellen verlaufen, lässt sich das Schachmodell nicht übertragen. Hier bietet sich das Go‑Modell als eine Art gegenseitige Regulation zweier kybernetischer Systeme an. Diese versuchen auf dem gesamten Feld, über Eingriffe mit gleichwertigen Spielsteinen eigene Gruppen zu verbinden und in raumgreifenden, globalen Gebietsmustern zu stabilisieren. Gegnerische Gruppen hingegen sollen geschnitten und destabilisiert werden. Ziel ist der Gewinn von kontrolliertem Gebiet. Dabei geht es um Leben (生, sheng) und Tod ( 死, si) der Spielsteine in komplexen, zirkulären und daher nichtlinearen Zusammenhängen. Die wettstreitenden Systeme bilden im Verlauf eines Go‑Spiels langsam ein stabiles Verhältnis an Gebietspunkten aus.

Wahrhaftige Go‑Meister spielen nicht, um den Stärkeren zu bestimmen, und schon gar nicht, um den Schwächeren zu vernichten. Sie spielen, um die Schönheit des Go‑Spiels und die Ausbildung von Gebietsmustern in Balance zu genießen. Und das wiederum hat nichts zu tun mit einer Form kybernetischer Kriegführung, die auf langwirkende Druckwellen, großflächige Zerstörungen und Systemresilienz setzt, falls diese Lesart des Vorgehens von Russland in der Ukraine zutrifft. Dafür sprechen allerdings viele Anzeichen und gute Argumente von Lars Lange.

Joachim Fröhlich, per E-Mail

Schulsterben

Zu jW vom 12.2.: »Auf Remigrationskurs«

Die Kürzungspolitik im Bereich der Sprachkurse (Deutsch als Fremdsprache, DaF) hat bereits früher angefangen, nämlich schon unter der Ampel. Dies betraf zunächst einzelne Kursmodelle (Wiederholerkurse, reine Frauen- bzw. Jugendkurse). Die bereits damals begonnene und durch den Regierungswechsel nochmals verschärfte Asylpolitik führte natürlich auch zum Rückgang an (potentiellen) Kursteilnehmern. Das Schulsterben hat daher schon längst begonnen: So ist der Träger, bei dem ich gearbeitet habe (Fits Job-Konzepte), bereits im Mai 2025 in die Insolvenz gegangen und wurde zum Oktober 2025 abgewickelt. Bei aller berechtigten Kritik an dem bisherigen Sprachvermittlungsmodell (ein Integra­tionskurs besteht aus 600 Stunden, ein Zweitschriftlernerkurs aus 900 Stunden, unabhängig von der einzelnen zu schulenden Person, ihrer Lernfähigkeit oder auch Lernsituation; DaF-Lehrkräfte, die quasi »schnell besohlt wurden« – man wurde vom BAMF noch vor ein paar Jahren regelrecht angefleht, diese Ausbildung zu machen; private Träger, die die Sprachkurse durchführen, und bisweilen auf Masse statt Klasse achteten etc.) war es doch ein weitgehend funktionierendes, flächendeckendes System der Sprachvermittlung. In einem Vierteljahr wird es Geschichte sein! Kleine skurrile Randnotiz: Die Kosten für die Ausbildung zur DaF-Lehrkraft hat das BAMF bzw. das Arbeitsamt übernommen – und übernimmt sie zum Teil jetzt noch. Da weiß die eine berühmte Hand wieder nicht, was die andere berühmte Hand macht!?

Monika Meinecke, Hamburg

Meine erste Soliaktion war es, Schulmaterial für die kubanischen Kinder zu spenden, gekauft vom Altstoffgeld. Also weniger Eis oder Limo für mich, aber ich war stolz auf meine gute Tat.

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