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Aus: Ausgabe vom 19.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Südostasien

Die Gestrandeten

Tausende aus kambodschanischen Onlinebetrugszentren vor einer schwierigen Heimkehr
Von Thomas Berger
Scam-Zentren in Kambodscha - O'Smach.jpg
Medienvertreter besichtigen in einem kambodschanischen Onlinebetrugszentrum die Attrappe einer Polizeistation (2.2.2026)

Zumindest vor der indonesischen Botschaft im Herzen Phnom Penhs herrscht Bewegung. Menschen mit einem Koffer neben sich oder nur dem, was sie auf dem Leib tragen, warten auf konsularischen Beistand. Es geht um Hilfe bei der Rückkehr in die Heimat. Es sind zumeist jüngere Männer und Frauen. Glücklich ist, wer schon zu denen gehört, die als Kleingruppe einen Bus besteigen dürfen, während einige kambodschanische Polizisten die Szenerie überwachen. Bei denen im Bus handelt es sich augenscheinlich um jene, bei denen der Fall bereits geklärt ist.

Dies ist das gängige Bild seit Ende Januar. Die Betroffenen konnten im Zuge einer Kampagne der kambodschanischen Ermittler gegen Onlinebetrugszentren aus ihrer Gefangenschaft fliehen. Zunächst stehen sie vor dem Nichts, da ihnen ihre Ausweispapiere und Wertsachen abgenommen wurden. Allein 3.800 Indonesier als größte nationale Gruppe, wie die Botschaft kürzlich mitteilte, sind betroffen. Eine erste Gruppe von 743 soll am vergangenen Wochenende ausgeflogen worden sein. Beim Rest, so Vertreter der Botschaft, werde sich der Prozess voraussichtlich noch bis zum 4. März hinziehen.

Mit dieser zügigen Abarbeitung sind die Heimkehrwilligen aus Indonesien klar im Vorteil. Staatsangehörige vieler anderer Länder können bislang kaum auf solch wohlwollende Hilfe hoffen. Ein Mitarbeiter einer kambodschanischen Menschenrechtsorganisation, der sich intensiv mit dem Thema Cybercrime beschäftigt, berichtete, dass auch vor der pakistanischen und der vietnamesischen Botschaft Menschen in der Hoffnung auf Unterstützung campieren.

Gegenüber Reuters hatte Chhay Sinarith, ranghohes Mitglied der Regierung und Leiter der Commission for Combating Online Scams, die seit Ende 2025 die Kampagne gegen die Betrugszentren führt, von mittlerweile 190 durchsuchten und daraufhin geschlossenen Einrichtungen gesprochen. Etwa 11.000 Ausländer sollen dort festgehalten und bereits deportiert worden sein. Wie belastbar diese Angaben sind, ist unklar. Der Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation merkte an, es sei auffällig, dass einige Netzwerke bei den Razzien bisher unbehelligt geblieben seien.

Dass staatliche Akteure offenbar ungern beobachtet werden, zeigt der Fall des Journalisten Mech Dara, der eine Razzia direkt miterlebte. Er sei von Militärpolizisten festgenommen und erst nach einer Stunde freigelassen worden, nachdem man Bilder von seinem Telefon gelöscht und ihn gewarnt habe, mit niemandem zu sprechen, sagte der 36jährige Investigativreporter am 13. Februar gegenüber dem Newsportal Kiripost.

Doch wie geht es den Geflohenen? Ivan Franceschini, Dozent an der University of Melbourne, sowie seine Koautorinnen Charlotte Setijadi (Melbourne) und Ling Li (Venedig), die seit einem Jahr das Innenleben der Betrugszentren untersuchen, haben mit Betroffenen gesprochen. In einem Beitrag auf der Plattform The ­Conversation lassen sie beispielhaft Eric zu Wort kommen, der aus einem zentralafrikanischen Land stammt. Er berichtet, dass sich die Befreiten nach dem Massenexodus aus plötzlich unbewachten Zentren als Illegale durchschlagen müssen. Viele leben in Gruppen in Behelfsunterkünften – immer in Sorge, ohne Pass der Polizei ins Netz zu gehen. Neben Indonesien soll nur China seine Staatsbürger geordnet zurückholen, berichten Franceschini und Li. Es gebe zudem jeweils etwa 300 »Gestrandete« aus Uganda und Ghana sowie rund 200 aus Kenia. Sie seien ganz auf sich gestellt.

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