Knockout-Power: Youngster Rolle und Strehse siegen vorzeitig
Von Oliver RastDas sieht gut aus: Er tänzelt locker durch die Halle, Shadowboxing beim Einlaufen – im goldenen Ringwalk-Outfit. Ein souveräner Auftritt schon vor dem ersten Gong. Deutschlands jüngster Boxprofi Arminius Rolle steht vor seinem dritten Fight, am vergangenen Sonnabend abend in Bad Hersfeld im Nordosten Hessens – beim Event »I HEF a Dream II – The Last Dance« von Promoter und Hauptboxer Artur Mann. Der bestreitet an diesem Abend seine letzten Runden als aktiver Boxer und verabschiedet sich erfolgreich als WBF-Doppelweltmeister im Cruiser- und Bridgergewicht.
Die Schilde-Halle, eine Location mit Industriecharme: viel Backstein, hohe Wände, große Fensterflächen – eine rauhe Atmosphäre, wie geschaffen für Boxabende. Für den 15jährigen Berliner passt dieses Setting perfekt, auch wenn die vergangenen Wochen für den Gymnasiasten alles andere als einfach waren. Mitte Januar musste er seinen Kampf bei »Flensburg boxt 2.0« von Freddy Kiwitt wegen einer Bindehautentzündung absagen.
Die Option, nun in Bad Hersfeld zu fighten, ergab sich kurzfristig, sagte Artur Mann auf jW-Nachfrage. »Ich freue mich sehr, diesen ambitionierten Jungprofi auf meiner Fightcard zu haben.« Doch selbst damit war noch nicht alles fix, denn der ursprüngliche Gegner von Arminius Rolle, Marcel Kemnitz, musste krankheitsbedingt knapp 48 Stunden vor dem ersten Rundengang passen. »Ein kleines Drama«, so Vater, Trainer und Manager Robert Rolle.
Gameplan umgesetzt: Feuer mit Feuer bekämpfen
Aber ein Stück mit gutem Ausgang. Der Matchmaker engagierte ad hoc den erfahrenen Nika Kokaschwili (23-30-1) aus Georgien. Ein Haudegen – keiner, der sich nach der ersten Windböe ohne Schlagwirkung theatralisch auf die Bretter legt. Im Gegenteil. Kokaschwili hatte bereits die ehemaligen Europameister Karim Guerfi und Jérémy Parodi vor den Fäusten – und ging über die Runden. »Das wird Arminius’ schwerster Kampf, definitiv«, betonte Robert Rolle im Vorfeld des Kampfes gegenüber jW. Ein echter Härtetest.
Zum Kampfreport im Schnelldurchgang: Die ersten anderthalb Minuten in Runde eins typisches Abtasten. Beide studieren jeweils ihr Gegenüber, analysieren Bewegungen und Kampfverhalten. Rolle hält mit seiner linken Führhand Kokaschwili konsequent auf Distanz, der duckt sich, macht sich klein, bietet kein Ziel. Ein Routinier durch und durch. Rolle drückt nun stärker, plaziert die ersten Schlagkombinationen. »Jawoll!« schallt es sofort seitens des Vaters aus der Ringecke. Kokaschwili versucht nun seinerseits, Akzente zu setzen, prescht 30 Sekunden vor Rundenschluss nach vorne; Schläge, die in Rolles Deckung hängenbleiben oder als Luftlöcher verpuffen.
Runde zwei: Kokaschwili agiert zunächst offensiver, Rolle holt sich aber rasch die Ringmitte zurück und verschärft das Tempo. Der 32jährige Georgier kann dem Druck nicht standhalten, weicht zurück. »Hinterher!« ruft Robert Rolle lauthals durch das Seilgeviert. Sein Sohn und Schützling befolgt die Order – und macht kurzen Prozess. Ein, zwei satte Links-rechts-Kombinationen zum Körper und Kopf hinterlassen Spuren. Kokaschwili sackt zusammen und wird vom Ringrichter ausgezählt. Knockout in Runde zwei – und damit dritter Sieg im dritten Profifight von Rolle.
Und was sagt er selbst zum Kampfverlauf? »Wir haben unseren Gameplan umgesetzt. Ich habe meinen Gegner lang gehalten, damit er nicht in den Infight kommen konnte. Denn wir wussten, er hat einen starken rechten Haken«, erklärt der junge Rolle im jW-Gespräch. Als Kokaschwili dann härter attackierte, hätten die Rolles entschieden, »mitzuschlagen – Feuer mit Feuer zu bekämpfen«. Und genau das habe prima funktioniert.
Unter dem Strich hat Superleichtgewichtler Arminius Rolle eine starke Performance im Ring gezeigt, passend zu seinem goldfarbenen Entrance Costume mit den langen weißen Fransen.
Boxnacht im Berliner Titanic-Hotel
Szenenwechsel – ebenfalls Sonnabend abend. Das Titanic-Hotel in der Chausseestraße in Berlin-Mitte ist ein modernes Stadthotel mit ruhiger, internationaler Atmosphäre. Die Mischung aus Businesshotel und urbanem Rückzugsort wirkt besonders am Abend. Die Umgebung eignet sich überraschend gut als Rahmen für Boxveranstaltungen. So auch an diesem Abend bei der Kuc Boxing Promotion, der »Kuc Boxing Ringside Dinner Night Vol. 9«. Auf der Undercard: der Berliner Jungprofi Darian Strehse, erstmals unter dem Signet von Promoter Almin Kuc. Und dieser Auftritt ist – im besten Sinne – perfekt inszeniert.
Ein professionell produzierter Push-Clip heizt das Publikum an: Szenen aus den ersten beiden Aufbaukämpfen des 17jährigen Leichtgewichtlers, Sequenzen eines explosiven Starters, der nicht lange fackelt. »Born for Battle« – mehr Motto als Slogan, ein klares Versprechen.
Strehse hält vom ersten Gong an das Tempo hoch, schlägt schnelle Hände, marschiert nach vorn – als wolle er den 41jährigen Tschechen Pavel Herman (2-48-1) regelrecht auspowern. Bisweilen agiert der dynamische Jungspund zu offen in seinen Offensivaktionen. Herman – »ein abgewichster alter Boxer«, wie Kokommentator Axel Schulz im Livestream bemerkte – kann seine vereinzelten Konterversuche aber nicht entscheidend plazieren. In Runde zwei setzt Strehse sofort schlagkräftig nach, ist konditionell überlegen – und siegt im dritten Profikampf das dritte Mal vorzeitig.
Vielseitig, athletisch und schlagstark
Beachtenswert: Strehse bringt einen ungewöhnlich breiten Kampfsport-Background mit. Bevor er sich ganz dem Boxen widmete, sammelte er Erfolge quer durch viele Disziplinen: als Mitglied der deutschen Ju-Jutsu-Nationalmannschaft jüngster WM-Teilnehmer, Berliner Meister und Deutscher Vizemeister im Brazilian Jiu-Jitsu, EM-Starter, dazu brauner Gürtel im Taekwondo und Bronzeabzeichen im Ringen – ein Profil, das seine vielseitige athletische Klasse eindrucksvoll belegt.
Trainiert wird Strehse von seinem Vater Carsten Strehse und vor allem von Michel Trabant, einst jüngster deutscher Profi und späterer Europameister. Wie fällt das Trainerfazit zum Erfolg des Youngsters aus? »Der Junge wird immer besser, immer stabiler«, sagt Trabant im Ring auf Nachfrage der Moderatorin. Man dürfe nicht vergessen, dass Darian erst seit wenigen Monaten im Profigeschäft ist – sein Debüt gab er im vergangenen Oktober. Strehse hat den Amateurbereich bewusst übersprungen und wird von Trabant von Beginn an als Profi aufgebaut. Defizite? »Natürlich gibt es immer Luft nach oben«, sagt der Coach. In der Defensive seien die Lücken noch zu groß, das habe auch der heutige Gegner ein-, zweimal genutzt. »Wenn man da eine Schrumme kriegt, wird der vielleicht noch mal mutiger.« Letztlich aber habe Darian mit seinem aggressiven Vorwärtsgang und seiner flinken Distanzüberbrückung den Kampf kontrolliert.
Und was sagt derjenige, der einen routinierten Faustkämpfer in den Ringstaub geschickt hat? »Wir haben für sechs Runden trainiert und sind davon ausgegangen, dass ich über die volle Distanz gehen werde«, erklärt Strehse gegenüber jW. Um so glücklicher sei er gewesen, dass alles schneller endete als geplant. War es der erwartete Prüfstein? »Schon in der ersten Runde habe ich gespürt, dass heute über Körpertreffer etwas gehen könnte.« Er habe einige harte Treffer gesetzt, »und genau das hat mir mein Trainer für die zweite Runde mitgegeben«. Kurz: Die Taktik sei perfekt aufgegangen.
Was bleibt? Eine Menge. Arminius Rolle und Darian Strehse zeigen, dass in Berlin eine neue Generation junger Profiboxer heranwächst – talentiert, diszipliniert und erstaunlich abgeklärt im Ring. Beide entwickeln sich rasant, und ihre makellose Bilanz von drei Siegen in drei Duellen deutet eines an: Ihre Karriere als Knockouter im Profizirkus fängt gerade erst an.
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