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Aus: Ausgabe vom 19.01.2026, Seite 16 / Sport
Boxen

Handballhölle wird Boxtempel

Flensburg: Lokalmatador Freddy Kiwitt triumphiert doppelt im Superweltergewicht
Von Oliver Rast
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Fest im Visier: Freddy Kiwitt (l.) setzt Akzente gegen Suleiman Jafaru aus Nigeria (Flensburg, 17.1.2026)

Volle Distanz, volle Power – und doppelter Triumph. Kurz: Freddy Kiwitt ist am Ziel. Der Superweltergewichtler (unter 70kg) verteidigte am Sonnabend abend seinen WBF-WM-Titel und holte sich den WBO-Global-Gürtel dazu. In der GP Joule Arena vor 1.500 Zuschauern, dort, wo sonst die Spieler der SG Flensburg-Handewitt auf Torejagd gehen. Die Handballhölle als Boxtempel.

Der 35jährige Lokalmatador (29–3) hatte Suleiman Jafaru (18–1) aus Nigeria vor den Fäusten. Es war das Main Event von »Flensburg boxt 2.0«. Der Doubleheader über zwölf Runden stand bereits Ende November vergangenen Jahres auf dem Programm. Kiwitt musste damals aber absagen – krankheitsbedingt. Nun gab es die Neuauflage.

Und was für eine. Ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Jafaru agiert druckvoll, sucht den Infight – und schlägt aus einer stabilen Deckung. Kiwitt dominiert optisch von der Ringmitte mit seiner linken Führhand, hält seinen Kontrahenten auf Distanz, zielt vereinzelt mit der Rechten auf den Körper. Aber Jafaru antwortet. Etwa mit Uppercuts und knackigen, explosiven Schlagsalven. Einige Hände kommen durch, bisweilen kann Jafaru Kiwitt an den Seilen stellen – allerdings ohne Wirkungstreffer.

Die ersten sechs Runden gleichen sich. Kiwitt kommt aktiver aus der Ringecke, verliert nach anderthalb Minuten aber die Initiative an Jafaru, der seinerseits zu punkten versucht. Ab der siebten Runde liegen dann die Vorteile bei Kiwitt. Jafarus Nasenbein scheint gebrochen, Blut rinnt über Lippen und Kinn. Dennoch, Jafaru bleibt gefährlich, ist stets zu einem Konter fähig. Kiwitt boxt taktisch diszipliniert, lauert mit hängenden Händen auf Lücken in Jafarus Deckung – und zieht seine Rechte als Gerade oder Haken durch. Das Heimpublikum goutiert die Aktionen mit »Freddy, Freddy«-Rufen, während Kiwitts Mutter ihren Sohn – deutlich über die Außenmikros hörbar – aus der ersten Reihe anfeuert: »Pass’ auf, Freddy!« Oder: »Zack, zack, Freddy!« Oder: »Freddy, hau’ auf die Nase!« Eine Extramotivation.

In den letzten vier Runden mobilisiert Kiwitt seine Reserven, boxt variabel, setzt Akzente, ist präsenter. Das überzeugt. Schlussgong. Der Heimfavorit reißt die Arme nach oben. Kiwitts irischer Trainer Ciaran Duffy klettert in den Ring, packt seinen Schützling an den Hüften und reckt ihn in die Höhe. Zu Recht – Ergebnis: einstimmiger Punktsieg (118:110, 117:111, 117:110).

Wie hat der Champion nach seinem Doppeltriumph reagiert? Überlegt, verhalten. Als der Ringsprecher ihm das Mikro unter die Nasenspitze hält, rückt Kiwitt seinen WBO-Gürtel über der linken Schulter gerade und sagt: »Es war eine harte Schlacht, schwerer als gedacht.« Mit Mitte 30 falle auch das Gewichtmachen nicht mehr so leicht. »Ich überlege, eine Gewichtsklasse höherzugehen.« Und nach der Zukunft befragt: Er müsse gucken, »was geht«. Im Moment könne er nicht sagen, wie lange er noch im Ring stehen werde. Schließlich sei er auch Manager, Promoter, Matchmaker und Inhaber eines Gyms. Nun gilt aber erst einmal: den Coup feiern – und anschließend durchatmen, verschnaufen.

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