Müllwerkern stinkt’s gewaltig
Von Dieter Reinisch
Auch nach über 13 Monaten gibt es keine Lösung für den Streik der Müllentsorgung in der zweitgrößten britischen Stadt Birmingham. Die Labour-Stadtverwaltung verweigert weiterhin, auf die Forderungen der Gewerkschaft Unite einzugehen. Nun haben die kämpfenden Angestellten der städtischen Müllentsorgung das im März auslaufende Streikmandat um sechs Monate verlängert. Gibt es bis dahin keine Einigung, würde die Arbeitsniederlegung dann über 20 Monate dauern. Auch andere Branchen und Gewerkschaften führen den Kampf gegen die Labour-Regierung fort.
Im Arbeitskampf geht es um die für das Recycling zuständigen Beschäftigten. Ihre Posten wurden nach einem Streik im Jahr 2017 geschaffen. Die Labour-Stadtverwaltung hat diese Stellen gestrichen, »um ungerechte Überbezahlung zu vermeiden«. Unite widerspricht und betont, dass durch Kündigungen und Wiedereinstellungen in anderen Gehaltsstufen rund 150 Angestellte jährlich mehr als 8.000 Pfund Sterling (9.300 Euro) verlieren.
Im Januar 2025 hatte die Gewerkschaft zunächst eintägige Streiks begonnen. Der unbefristete Streik begann am 11. März. Nach britischem Recht müssen alle sechs Monate neue Streikmandate ausgestellt werden. Dabei müssen mehr als die Hälfte der betroffenen Gewerkschafter einer Verlängerung zustimmen. Das Ergebnis der aktuellen Abstimmung gab Unite am Dienstag bekannt. Die Stadtverwaltung bezeichnete es als »enttäuschend«, versicherte den Einwohnern jedoch, sie werde »an Verbesserungen der Dienstleistungen« arbeiten. Die Stadtverwaltung setzt derzeit Personalagenturen ein, um alle paar Wochen den Müll entsorgen zu lassen. Die Kosten dafür übersteigen laut Berechnungen des Rathauses die finanziellen Forderungen der Gewerkschaft bereits deutlich.
Doch durch die Abstimmung erlitt die Stadtverwaltung hier eine herbe Klatsche. Denn auch die Arbeiter der Müllentsorgung der Personalagentur Job & Talent stimmten für die Fortsetzung des Streiks. Sie berichteten von »Mobbing, Belästigung und der Drohung mit einer schwarzen Liste« in der städtischen Müllabfuhrabteilung, so Unite in einer Aussendung vom vergangenen Dienstag. Unite-Generalsekretärin Sharon Graham erklärte: »Unsere Mitglieder sind entschlossener denn je, eine faire Einigung zu erzielen, und sie haben die uneingeschränkte Unterstützung.« Der Stadtrat müsse sich wieder an den Verhandlungstisch setzen, denn die Streiks würden erst enden, wenn »wir eine faire Lösung für die Arbeiter in Birmingham gefunden haben«. Labour-Stadtrat Majid Mahmood, der für öffentlichen Verkehr und Umweltmaßnahmen zuständig ist, sagte gegenüber der BBC: »Alle 170 ehemaligen Mitarbeiter der Abfallwirtschaft wurden wieder eingestellt oder gingen in Rente.«
Laut BBC-Informationen soll die Mehrheit der 144 betroffenen Fahrer der Neuanstellung zu schlechteren Bedingungen mit einer sechsmonatigen Gehaltsgarantie zugestimmt haben. Andere hätten freiwillig gekündigt oder alternative Positionen innerhalb des Unternehmens angenommen. »Angesichts dessen ist es schwer nachzuvollziehen, warum der Streik andauert«, so Mahmood. Von Unite und den Betroffenen werden diese Angaben jedoch nicht bestätigt. Der Sprecher der Streikenden, John Cotton, erklärte gegenüber der BBC, es sei töricht, ein Ende der Streiks zu fordern, da ein Eingehen auf die Forderungen der Gewerkschaft vom Stadtrat nicht gewünscht sei. Obwohl seit Monaten nicht ernsthaft verhandelt wurde, gab ein Sprecher des Stadtrats bekannt, er sei weiterhin offen für eine Lösung.
Auch sonst wird in Großbritannien vielerorts gestreikt. Jüngst legten die Unite-Mitglieder des Krankenhauslabors in Steeton drei Tage lang ihre Arbeit nieder. Zwei Tage lang wurde von der UCU-Gewerkschaft an der Universität Southampton gegen Kürzungen der Rentenvorsorge gestreikt. Die Londoner Museumsmitarbeiter der Gewerkschaft Prospect werden am 19. Februar die Arbeit niederlegen. Bei der Bahn sind die Arbeitskämpfe, die im Juni 2022 begannen und die größte Streikwelle des Landes seit den 1980er Jahren auslösten, inzwischen beendet worden: Die ASLEF-Mitglieder von Hull Trains streikten vergangene Woche erneut, bis am Freitag endlich eine Einigung im Tarifstreit erzielt wurde.
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