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Aus: Ausgabe vom 13.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Arbeitskampf international

Lokführerstreik in Spanien

Nach Unfällen mit Todesfolge Forderung nach mehr Sicherheit im Zugverkehr
Von Carmela Negrete
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Trauer und Streik vor dem Bahnhof Puerta de Atocha – Almudena Grandes in Spaniens Hauptstadt (Madrid, 9.2.2026)

Von Montag bis Mittwoch wollten Mitarbeiter spanischer Bahnunternehmen sowie Lokführer drei Tage lang streiken. Am Montag nachmittag gab es dann eine Einigung mit dem Transportministerium, aber manche Fahrer streikten dennoch, da kleinere Gewerkschaften weiterhin dazu aufriefen.

Ihnen reicht die Vereinbarung zwischen dem Transportministerium und den drei größten Gewerkschaften des Sektors – SEMAF, CCOO und UGT – nicht aus. Am Mittwoch wurden deshalb unter anderem vier Fahrten des Hochgeschwindigkeitszugs AVE zwischen Madrid und Barcelona sowie weitere Züge zwischen Alicante und Barcelona abgesagt. Zwischen Madrid und Murcia fehlten am Mittwoch ebenfalls mehrere Lokführer, ebenso auf Strecken zwischen Madrid und Kastilien und León.

Offenbar war die Regierung überrascht, dass so viele Züge ausfielen, denn in den kleineren Gewerkschaften CGT, SF-Intersindical sowie Alferro sind angeblich nur wenige Mitarbeiter organisiert. Deshalb gab es auch keine Vereinbarung über Mindestleistungen. Das staatliche Bahnunternehmen Renfe sprach in bezug auf Mittwoch von rund zwei Prozent der Züge, die ausgefallen seien. Bei der anarchosyndikalistischen CGT klang es gegenüber der Onlinetageszeitung 20 Minutos jedoch ganz anders: Dort war von »Dutzenden Zügen« die Rede, die am Mittwoch nicht fahren würden. Das Medium nannte das Beispiel Málaga, wo im Nahverkehr angeblich rund 20 Lokführer nicht zur Arbeit erschienen seien.

Minister Óscar Puente von der sozialdemokratischen PSOE hatte versprochen, dass 3.600 neue Stellen in den beiden staatlichen Unternehmen Adif und Renfe geschaffen sowie eine zusätzliche Milliarde Euro für die Erneuerung der Infrastruktur bis 2033 bereitgestellt würden – eine Erhöhung um 40 Prozent.

An den Protesten beteiligten sich auch Lokführer privater Anbieter, denn Spanien verfügt nach der Teilprivatisierung des Sektors über ein gemischtes System. Die Firma Ouigo meldete am Mittwoch elf ausgefallene Züge, Iryo informierte über 28 Züge, die landesweit wegen des Streiks nicht fahren sollten. Auch die privaten Güterverkehrsunternehmen Medway, Captrain, Transervi, Redalsa sowie Tracción Rail waren vom Streik betroffen.

In Katalonien fand zudem am Sonntag eine Demonstration statt, um gegen den mangelhaften Service im Zugverkehr des regionalen Unternehmens Rodalies zu protestieren. »Ohne Züge gibt es keine Zukunft«, lautete das Motto des Protests, der von rund 150 Organisationen getragen wurde. Viele davon waren Unabhängigkeitsbefürworter wie die Assemblea Nacional Catalana (ANC) oder der Consell de la República, weshalb auch zahlreiche katalanische Flaggen zu sehen waren.

Der spanischen Zentralregierung wurde eine mangelhafte Finanzierung vorgeworfen. Dies ist eines der zentralen Themen der katalanischen Bewegung: Katalonien zahle angeblich »zuviel« und bekomme »zuwenig« von Spanien zurück. An der Demonstration nahmen laut den Organisatoren rund zehntausend Menschen teil. An einer zweiten Demonstration, ebenfalls in Barcelona, beteiligten sich laut der Tageszeitung El Mundo rund 3.000 Menschen, hauptsächlich Kunden von Rodalies.

Am 3. Februar hatten rund 3.000 Mitarbeiter der Bahnunternehmen vor dem Transportministerium in Madrid protestiert, wie die Tageszeitung El País berichtete. Sie forderten mehr Sicherheit und bessere Wartung. Die Gewerkschaften betonten, dass das System überwiegend sicher sei, doch alle Fehler müssten behoben werden. Mehr Investitionen und bessere Planung forderte die Sektorsekretärin der kommunistisch geprägten Gewerkschaft CCOO, Pepa Páez, bei der Demonstration. Sie rief dazu auf, Zustände wie Verspätungen, Schäden oder Stornierungen nicht zu normalisieren.

Die Proteste hatten begonnen, nachdem innerhalb weniger Tage drei Unfälle, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen, darunter drei Lokführer, stattgefunden hatten. Beim schwersten Unfall im Dorf Adamuz bei Córdoba in Andalusien starben 46 Menschen. Eine kaputte Schiene und der Zufall, dass ausgerechnet in diesem Moment ein Zug in der anderen Richtung durchfuhr, führten zu dem schweren Unfall. Auch in der Ortschaft Gelida in Katalonien starb am 20. Januar ein Zugführer bei einem Unfall.

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