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Aus: Ausgabe vom 24.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Zugunglücke in Spanien

Lokführer kündigen Streik an

Spanien: Nach mehreren schweren Zugunglücken wird mehr Sicherheit des teilprivatisierten Eisenbahnnetzes gefordert
Von Carmela Negrete
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Zusammenstoß mit umgestürzter Mauer: Das zweite Zugunglück in einer Woche im Land (Gelida, 21.1.2026)

Die Katastrophen in Spaniens Eisenbahnverkehr häufen sich. Am vergangenen Sonntag prallten zwei Schnellzüge in Südandalusien – einer des privaten Bahnunternehmens Iryo, der andere von der Staatsbahn Renfe – folgenschwer ineinander. 45 Menschen kamen zu Tode, mehr als 120 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Ursache des Unfalls in der Nähe des Dorfs Adamuz war für die Behörden zunächst unklar – die Züge waren relativ neu, die Strecke gerade und erst vor kurzem gewartet worden. Eine offizielle Untersuchungskommission nannte in einer ersten vorläufigen Einschätzung den Bruch einer Schiene als mögliche Ursache.

Am Dienstag abend gab es den nächsten heftigen Unfall, drei Tage war der Nahverkehr in Katalonien praktisch lahmgelegt. Diesmal waren die Insassen eines Nahverkehrszugs bei Barcelona betroffen. Der Zug war gegen auf den Gleisen liegende Trümmer einer eingestürzten Mauer geprallt. Dabei kam der Lokführer ums Leben, 37 Fahrgäste wurden verletzt. Viele Eisenbahner weigerten sich daraufhin, zur Arbeit zu gehen: Innerhalb von nur drei Tagen waren in Spanien drei ihrer Kollegen im Führerstand bei Unfällen ums Leben gekommen. In Barcelona bildeten sich in der Folge auf den Straßen lange Staus, denn die Züge transportieren bei normalem Verkehrsaufkommen rund 400.000 Menschen täglich, wie die katalanische Regierung am Donnerstag informierte. Die Gleise werden nach einer Überprüfung mittlerweile wieder befahren. Ein weiterer Crash auf der Schiene ereignete sich am Donnerstag – diesmal krachte ein Zug gegen einen Kran. Cartagena im Südosten Spaniens war der Unfallort, es gab mehrere Leichtverletzte.

Unbestritten ist, dass die Teilprivatisierung der staatlichen Bahngesellschaft Renfe in den letzten Jahren zu einer Verschlechterung des Serviceangebots, der Sicherheit und der Arbeitsbedingungen geführt hat. Ursprünglich verfügte Spanien über das größte und modernste Netz von Hochgeschwindigkeitszügen Europas, und bisher war dessen Ruf gut. Passagiere schätzen die Pünktlichkeit, auch für die Angestellten sind die Karrierechancen als Beamte vielversprechend.

In einigen Regionen, die von der konservativen Partido Popular regiert werden, ist der öffentliche Nahverkehr in einem schlechten Zustand. Täglich bilden sich lange Schlangen auf den Bahnsteigen, die Menschen müssen an vielen Haltestellen geduldig warten. Doch anstatt mehr Züge einzusetzen, gibt es seit Oktober rund 120 Mitarbeiter, deren Aufgabe es ist, die Passagiere in die Waggons zu drücken – nach dem Vorbild Japans. »Man kann in den Hauptverkehrszeiten in vielen Zügen gar nichts mehr machen, weder lesen noch auf das Handy schauen, weil wir regelrecht zusammengequetscht werden. Und so verbringe ich mehr als eine Stunde jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und zurück mit den Achseln anderer Fahrgäste vor meiner Nase«, erklärte eine Einwohnerin Madrids gegenüber jW.

Ab 2021 wurde der Eisenbahnfernverkehr Spaniens für private Anbieter geöffnet. Es kamen mehrere Billiggesellschaften hinzu, darunter Avlo, Ouigo España oder Iryo. Das führte zu einem höheren Passagieraufkommen, nicht nur wegen der niedrigeren Preise. Auch aufgrund eines veränderten Umweltbewusstseins sind viele Reisende von Inlandsflügen auf Züge umgestiegen. Für die Instandhaltung des Streckennetzes ist weiterhin der spanische Staat zuständig.

Sicher ist: Mit einer weiteren Privatisierung werden prekäre Arbeitsverhältnisse überall in der Branche zum Regelfall. Ab dem 9. Februar wird es einen dreitägigen landesweiten Lokführerstreik in Spanien geben, falls es bis dahin nicht zu einer Einigung zwischen dem Verkehrsministerium und dem Berufsverband der Lokführer gekommen ist. Dabei fordern die Selbstverständliches: mehr Sicherheit für ihre Jobs und ihre Fahrgäste.

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