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Aus: Ausgabe vom 14.02.2026, Seite 3 / Inland
Umwelt

Warum muss die »grüne Lunge« erhalten bleiben?

Der Erhalt der Frankfurter Frischluftschneise ist Teil des Kampfes gegen unbezahlbaren Wohnraum, sagt Alexis Passadakis
Interview: Gitta Düperthal
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Sie demonstrieren erneut für den Erhalt der »grünen Lunge«, der Frischluftschneise am Günthersburgpark im Osten Frankfurts. Denn diese kann die Mainmetropole in Hitzesommern kühlen. Im Koalitionsvertrag zwischen Frankfurts noch regierenden Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Volt war der Erhalt vereinbart. Warum ploppt dieses Thema im aktuellen Kommunalwahlkampf wieder auf?

Im letzten Kommunalwahlkampf 2021 war der Kampf um den Erhalt des biodiversen Naturareals ein wichtiges Thema. Der Druck der sozialen Bewegungen hatte dazu geführt: Die Grünen vollführten damals in ihrem Wahlprogramm eine Wende und sagten zu, unversiegelte Flächen dort nicht bebauen zu wollen. Nur für bereits versiegelte am Rande sollte das nicht gelten. Im Koalitionsvertrag wurde das verankert. Deshalb sahen viele den Konflikt für beendet an. Weil die Koalition das aber nie rechtssicher umgesetzt hatte, könnten durch die kommende Wahl am 15. März mit möglicherweise veränderten Mehrheiten wieder alte Bebauungspläne reaktiviert werden.

Wie sind die einzelnen Parteien aufgestellt? Werben sie offensiv mit den Bebauungsplänen der Grünfläche?

CDU, SPD, FDP und Volt sind für den Bau der sogenannten Günthersburghöfe. Die Grünen, Die Linke und Ökolinx positionieren sich dagegen. Jetzt rächt es sich, dass der Baustopp nicht rechtssicher durchgesetzt wurde. Zu erinnern ist dabei, dass dieser Beschluss von der grünen Parteibasis gegen die Parteiführung durchgesetzt wurde. Letztere hat den Konflikt aber einfach ausgesessen. Deshalb sind wir mit dieser unsicheren Lage erneut konfrontiert.

Sie sind engagiert bei der Kampagne »Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen!« Machen Sie sich damit auch unbeliebt, weil Wohnungsnot in Frankfurt am Main ein großes Thema ist?

Klar sagen einige angesichts der Notlage, dass wir jetzt bauen müssen. Man muss sich aber anschauen, wer da für wen baut: Instone Real Estate Group SE ist an der Börse und bei Sdax notiert. Sie sind dafür bekannt, hochpreisig zu bauen, und alles auszureizen. Das heißt: Jetzt, wo es vielen Menschen den Schlaf raubt, dass sie keine Wohnung finden, wird sich daran nichts ändern. Zwar soll 30 Prozent geförderter Wohnraum gebaut werden, die große Menge aber wird für normale Bürgerinnen und Bürger nicht erschwinglich sein. Hauptanteilseigner ist Activum SG Capital Management mit knapp 26 Prozent und Sitz auf der Steueroase Jersey Islands; der zweitgrößte Hussain Sajwani mit über zehn Prozent, Immobilienmagnat und Milliardär aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und enger Kumpel von Donald Trump. Man feiert gern gemeinsam in dessen prunkvollem Mar-a-Lago-Resort in Florida. In Frankfurt wurde in den zurückliegenden Jahren so viel gebaut wie noch nie. Nur: Dort zu wohnen kann sich halt niemand leisten.

»Bauen, bauen, bauen«: Wie schätzen Sie die Stimmung in der Frankfurter Bevölkerung ein, könnte sie solche Coups mit Risikokapital durchschauen?

Ich meine, dass viele zu verstehen beginnen, dass Immobilienaktiengeschäfte nichts mit Wohnen zu tun haben. An den Rändern der »grünen Lunge«, wo sich ein alter Bauhof befindet, hätte man längst Sozialwohnungen bauen können – hat das aber gerade nicht getan. Die Stadt hat es also unterlassen, das Problem der Wohnungsnot anzugehen.

2019 war die Schulstreikbewegung »Fridays for Future« zur Klimakrise aktiv. Meinen Sie, dass ähnlich große Proteste noch mal möglich sind, wenn Sie für den 7. März erneut zur Demo gegen die »Politik der Kettensäge« aufrufen, da wieder Bäume gefällt werden sollen?

Ob dieser Konflikt ein zweites Mal gewonnen werden kann, ist eine offene Wette. 2019 triumphierte die Klimagerechtigkeitsbewegung. Der Hambacher Wald konnte gerettet werden, über die dort von Aktivisten errichteten Baumhäuser haben alle gesprochen. Das war eine andere Lage. Klar ist aber, dass die unteren 85 Prozent der Frankfurter Stadtbevölkerung von diesen Bauplänen nichts haben werden.

Alexis Passadakis ist Sprecher der Kampagne »Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen!« und Kandidat der Partei Die Linke zur Kommunalwahl in Frankfurt am Main

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