Aus Leserbriefen an die Redaktion
Schauprozesse
Zu jW vom 5.2.: »Politischer Prozess«
»International beachtet«, so die jW, war der Prozess in Ungarn, den die jW als »Gesinnungsprozess« kennzeichnet. International unbeachtet ist der Umstand, dass es auch in anderen Mitgliedsländern der EU um die »europäischen und westlichen« Werte keineswegs gut bestellt ist. Die Praktiken der Justiz z. B. in Lettland zeigen deutliche Auffälligkeiten. Infolgedessen gibt es zahlreiche politische Gefangene in Riga, die zumeist Angehörige der verhassten ethnisch-russischen Minderheit Lettlands sind. Maja T., so der Vater, sei als »Staatsfeind Nummer eins in Ungarn« behandelt worden.
Was für eine Parallele: Die Studentin Tatjana Andrijeca in Riga ist ebenfalls 25 Jahre alt. Sie gilt als »Staatsfeindin«. An ihr soll brutal ein Exempel statuiert werden. Nach einer »verwarnenden« Haftstrafe von acht Monaten im Jahre 2023 greift der allmächtige Staatssicherheitsdienst VDD zu härteren Mitteln. Seit April 2025 läuft eine Farce von einem Gerichtsverfahren gegen Tatjana, ihr wird lebenslange Haft angedroht. Tatjanas Freundinnen und Freunden sowie ihren Anwältinnen schwant, wie Maja T.s Vater in Budapest: »dass das Urteil, ein überhartes Urteil, längst feststeht.«
Die junge Welt hat europaweit als einziges Presseorgan am 2. September 2025 über diese Existenzbedrohung Tatjanas berichtet. Warum schweigen Nachrichtenagenturen, Abgeordnete in Berlin und Brüssel, Menschenrechtsorganisationen, Stiftungen, Juristenvereinigungen, europäische Institutionen? Ich habe zig Briefe geschrieben. Ganz einfach, sie folgen der biedermännischen Logik: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das Baltikum ist Aufmarschgebiet der NATO. In Estland »herrschen« die Briten, in Lettland die Kanadier, Litauen ist deutsche Militärkolonie. Da kann man »kriegstüchtig« schon mal ein Auge zudrücken, was Menschenrechte und anderen »romantischen Kram« angeht.
Klaus Schittich, Freiburg
Falsche Kompromisse
Zu jW vom 9.2.: »Den Heiligenschein herunterreißen«
Ich möchte mich für diese hervorragende Themaseite bedanken. Günseli Yilmaz’ Ausführungen erweisen sich für mich als äußerst aufschlussreich und verdeutlichen die marxistische Position in prägnanter Weise. Meines Erachtens wird dieser Artikel nicht die Zustimmung aller finden, die sich dem linken Spektrum zugehörig fühlen, da diese allzu oft zu unvorteilhaften Kompromissen neigen, insbesondere gegenüber religiösen Organisationen, die sich vordergründig als sozial darstellen (Caritas, Diakonie, Islamic Relief, Wort des Lebens u. s. w.). Ein großer Dank geht an Yilmaz und die Mitarbeiter von der Zeitung junge Welt.
Uwe Fromm-Wiesmann, Hamburg
Des Spiels ernster Kern
Zu jW vom 6.2.: »Krieg spielen«
Die Simulation eines Kriegsszenarios ist begleitet vom real laufenden Kriegsmanöver »Quadriga 2026« unter deutscher Führung. Die Bundeswehr gibt an, dass »Quadriga 2026« nicht mehr als reine Übung, sondern als einsatznahe Operation angelegt ist. Ihre Spezialkräfte trainierten im Rahmen des Manövers mit Blick auf einen Krieg gegen Russland »urbane und maritime Spezialoperationen«, heißt es auf der Website der Bundeswehr. Im Fokus steht die »kurzfristige Verlegung unmittelbar kampfbereiter Einsatzkräfte auf allen Transportwegen« nach Litauen und damit in Richtung russische Westgrenze. Es geht um die »sofortige Erprobung der Einsatzbereitschaft als Kampfverband« sowie die Rückverlegung von Verwundeten von der Ostfront nach Deutschland ins zivile Gesundheitssystem.
Erinnern möchte ich in diesem Zusammenhang an die Äußerung eines hochrangigen US-Militärs in Deutschland, der kürzlich bemerkte, dass Kaliningrad für die NATO ein leicht zu nehmendes Gebiet ist, um Russland zum Einlenken zu zwingen. Eine Sperrung des Landzugangs nach Kaliningrad durch baltische Staaten würde eine militärische Reaktion Russlands hervorrufen. Dann könnte man von einem russischen Angriff auf die NATO sprechen.
Die Kriegsspiele und Manöver bereiten solche Szenarien vor. Sie könnten aber einen direkten Krieg auslösen, was unseren Politikern wohl nicht bewusst ist.
Horst Neumann, Bad Kleinen
Solidarität mit Kuba
Zu jW vom 2.2.: »Erklärung der Regierung Kubas gegen das vollständige Ölembargo durch die USA«
Das, was jenes US-Regime unter Machthaber Trump aktuell gegen Kuba auf den Weg gebracht hat, ist nicht weniger als eskalierender Staatsterrorismus. Die bisherige Blockade (El Bloque) genannter sozialistischer Republik seitens jener dunklen Seite der Macht (faktisch seit 1960) verstieß bereits bisher gegen das Völkerrecht. Jetzt geht Trump, faschistoider Präsident des Imperiums, noch einen Schritt weiter, bzw. ging er ihn schon mit einer berufsverbrecherähnlichen Entführung des Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela. Bezeichnend ist, dass man von »unserer« angeblich menschenrechtsorientierten BRD-Regierung oder jener »wertebasierten« EU dahingehend nichts hört. Keine Proteste, keine Empörung, keine Sanktionen. Hauptsache, man unterstützt mit fraglichen Milliardenbeträgen, sekundiert von heuchlerischen Völkerrechtsargumenten, die Ukraine und ihr in nicht unwesentlichen Teilen faschistisches Bandera-Militär. So funktioniert er, der »demokratische« Westen. Angesagt ist: Uneingeschränkte Solidarität mit Kuba!
Frank Lukaszewski, Oberhausen
Die Bundeswehr gibt an, dass »Quadriga 2026« nicht mehr als reine Übung, sondern als einsatznahe Operation angelegt ist. Ihre Spezialkräfte trainierten im Rahmen des Manövers mit Blick auf einen Krieg gegen Russland »urbane und maritime Spezialoperationen«.
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