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Aus: Ausgabe vom 11.02.2026, Seite 1 / Ansichten

Trump gewinnt

NATO-Kommandotausch
Von Jörg Kronauer
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NATO aufm Arsch: Präsentation eines Wagens mit Trump als Motiv für den Kölner Rosenmontagsumzug (10.2.2026)

Nein, sie ist kein klarer Erfolg für die machtbewussten NATO-Staaten Europas, die künftige Neuverteilung der NATO-Kommandoposten, die am Montag abend bekannt wurde. Zwar stimmt es: Die USA treten zwei Führungsstellen an Militärs aus Europa ab. So werden das Joint Force Command in Neapel sowie das Joint Force Command in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia in Zukunft von einem Italiener bzw. einem Briten geleitet, nicht mehr von US-Amerikanern. Das dritte Joint Force Command im niederländischen Brunssum untersteht schon heute dem deutschen General Ingo Gerhartz, der sich den Posten in Zukunft mit einem polnischen Offizier teilen soll. Damit werden die drei NATO-Kommandos für den Atlantik (Norfolk), für die Südflanke (Neapel) und für die Ostflanke (Brunssum) alle von Europäern geführt – ein Beleg dafür, dass die USA entlastet werden, wie Trump erklärt, oder dass Europa vom US-Einfluss unabhängiger werde, wie es europäische Stellen jetzt stolz behaupten.

Das Problem: Die beiden neuen Posten für europäische Militärs sind nur die eine Seite der Münze. Die andere: Die Vereinigten Staaten stellen nicht nur weiterhin den Oberbefehlshaber des Bündnisses im belgischen Mons, also den Saceur, zudem die Kommandeure der NATO-Luft- und Landstreitkräfte in Ramstein bzw. Izmir. Sie erhalten den Kommandeursposten der NATO-Seestreitkräfte im britischen Northwood hinzu, den bisher ein britischer Vizeadmiral innehat. Damit haben sie künftig die komplette Kontrolle auf der Streitkräfteebene inne. Dort sind sie ohnehin tief verankert; einen Eindruck davon bietet die Tatsache, dass die NATO im vergangenen Jahr das Maven Smart System von Palantir erworben hat, das für KI-gestützte Operationen auf dem Schlachtfeld verwendet wird; die US-Streitkräfte nutzen es ebenfalls.

Die Konzentration auf die Streitkräfteebene erlaubt es den USA, die Kontrolle über das faktische militärische Geschehen in Europa zu behalten, zugleich aber Truppen abzuziehen; für Trump ist das günstig. Für die Pläne in Europa, die eigene Stellung in den NATO-Strukturen zu stärken, den US-Einfluss zurückzudrängen und das Bündnis vielleicht einmal mehr oder weniger zu übernehmen, ist der Kommandotausch einigermaßen ambivalent.

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