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Aus: Ausgabe vom 09.02.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Berechtigte Bedrohung

Zu jW vom 5.2.: »Kuba ist nicht allein«

Um den Entwicklungsstand eines Landes zu beschreiben, bedient sich die Soziologie sogenannter Sozialindikatoren, als da sind Analphabetenquote, Säuglingssterblichkeit, Ärztedichte und ähnliches. Vergleichen wir einmal Kuba mit den USA. Zunächst die Analphabetenquote: Auf Kuba können um die ein Prozent nicht lesen oder schreiben. In den Vereinigten Staaten schätzt die SZ die Zahl der Analphabeten auf 20 Prozent, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Halbalphabeten, also diejenigen, die gerade mal ihren Namen schreiben können, in dieser Angabe enthalten sind.

Auch was die Säuglingssterblichkeit betrifft, hinken die USA Kuba hinterher. In der Rubrik »Ärzte und Lehrer pro tausend Einwohner« ist Kuba Weltspitze. Dasselbe gilt für Bildungsausgaben. Die Lebenserwartung ist inzwischen höher als in den Vereinigten Staaten. Ein weiterer Indikator ist der sogenannte Gini-Koeffizient, der die Einkommensverteilung beschreibt. Natürlich geht es in den USA ungerechter zu, auch wenn es in Kuba wenig zu verteilen gibt. Die Inselrepublik ist ein armes Land und wird es erst mal bleiben. Das Deutsche Ärzteblatt hatte seinerzeit den kubanischen Anticoronaimpfstoff, ich habe vergessen, welcher es war, als weltweit den besten bezeichnet.

Nun stellen Sie sich einmal vor, 160 Millionen US-Bürger und -bürgerinnen, also die Hälfte der Bevölkerung, sagen: Das wollen wir auch, Bildung, Gesundheit und ein langes Leben. Und deswegen hat Präsident Trump völlig recht, wenn er Kuba als Bedrohung empfindet. Und deswegen wird dieser reiche, gehässige und bigotte Staat die Schlinge enger ziehen. Solche Indikatoren nach 65 Jahren Wirtschafts- und Finanzblockade hinzubekommen, das muss ein Land erst einmal schaffen. Glückwunsch Kuba!

Heinz Oskar Pohlmann, per E-Mail

Draußen in Britz

Zu jW vom 31.1./1.2.: »Der letzte Reggae«

Mit Interesse habe ich in der jW-Wochenendbeilage den ausführlichen Beitrag über den herausragenden linken Schriftsteller Pater-Paul Zahl gelesen, der zu den Hochzeiten der Westberliner Außerparlamentarischen Opposition nach 1968 die linke Anarchopostille agit 883 gedruckt hat. Jahrgang 1949, war ich damals nämlich wie beispielsweise auch der SDS-Mitgenosse Tilman Fichter ein sogenannter Sitzredakteur mit Namensnennung im Impressum der Zeitung. (…)

Weder Zahls Wohnung noch die 883-Druckerei befanden sich an der genannten Adresse in der Uhlandstraße, wo ja ein reines Wohngebäude steht. Vielmehr war das die Adresse der Wohngemeinschaft des damaligen Publizistikstudenten Dirk Schneider und seiner Lebensgefährtin. Dort residierte auch das erste von mehreren 883-Redaktionskollektiven. Zahls Druckerei lag im entfernten Neuköllner Stadtteil Britz (vgl. der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung mitfinanzierte Sammelband: agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969–1972. Hg. Rotaprint 25; Knut Andresen/Markus Mohr/Hartmut Rübner, Assoziation A, Hamburg/Berlin 2006).

Der in Rostock geborene Dirk Schneider, mit dem zusammen ich nach der bewegten 883-Zeit im Rahmen eines Redaktionskollektivs noch zeitweise die sozialistische APO-Zeitung radikal betreute, soll der genannten Publikation zufolge 1975 vom DDR-Auslandsgeheimdienst als sogenannter informeller Mitarbeiter angeworben worden sein. Wie ein derartiger Anwerbeversuch später bei mir als freien Taz-Lokaljournalisten in der Endphase des DDR-Realsozialismus ablief und scheiterte, wäre eine Extrastory, die zu erzählen den platzmäßigen Rahmen eines jW-Leserbriefs bei weitem sprengte. Leider ist auch der Genosse Schneider wie PPZ, so das Akronym für den Tausendsassa Zahl, schon lange verstorben.

Thomas Knauf-Lapatzki, Berlin

Zivilcourage

Zu jW vom 31.1./1.2.: »Hitlers fünfte Kolonne«

Wie immer in der jW ein hervorragender Hintergrundbericht. Bei der Lektüre kam mir Johann Georg Elser, der Hitlerattentäter von 1939, in den Sinn. Nach dem Lesen des jW-Hintergrundberichts wurde mir klar, dass Elser davon ausgehen musste, dass die angeblich neutrale Schweiz – wäre seine Flucht nach der Explosion seiner Bombe im Bürgerbräukeller in München in die Schweiz gelungen – ihn möglicherweise den Nazischergen ausgeliefert hätte. D. h., sein frühes Attentat hätte auch beim Gelingen eventuell die Auslieferung und seinen Tod bedeutet. Dies macht seine Zivilcourage noch größer und ist ein weiterer Beleg dafür, dass Elsers Widerstandstat weit höher eingeschätzt werden muss als die von Stauffenberg, der als glühender Hitleranhänger militärische Karriere machte.

Gerhard Oberlader, Mössingen

Praxisnahe Übung

Zu jW vom 21.1.: »Fanhilfe Hertha BSC: Polizeigewaltexzesse gegen Fußballfans«

Es gibt wohl keine bessere Gelegenheit, die Polizei auf Künftiges vorzubereiten, als Fußballspiele: So kann man schon praxisnah üben, wie man in den kommenden Jahren eventuell zu erwartende Massenproteste mit größter Härte niederschlagen könnte. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

Joachim Seider, Berlin

Zahnlose Christen

Zu jW vom 3.2.: »Es muss wehtun«

Damit liefert die »christliche Partei« nach der verfassungswidrigen Totalsanktionierung des Bürgergeldes einen weiteren Beitrag zur staatlich organisierten Sterbehilfe. Mit Karies, der keine Zahnschmerzen verursacht, könnte man lange leben. Im schlimmsten Fall folgt eine Myokarditis mit lebensbedrohlichen Folgen. Auch andere Krankheiten im gesamten Körper sind kausal auf unbehandelte Zahndefekte zurückzuführen. Es ist unwahrscheinlich, dass der Wirtschaftskommission diese Folgen ihres schändlichen Verhaltens nicht bekannt sind.

Gerhard Keller, Witten

Auch andere Krankheiten im gesamten Körper sind kausal auf unbehandelte Zahndefekte zurückzuführen. Es ist unwahrscheinlich, dass der Wirtschaftskommission diese Folgen ihres schändlichen Verhaltens nicht bekannt sind.

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