Gegründet 1947 Sa. / So., 07. / 8. Februar 2026, Nr. 32
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Aus: Ausgabe vom 07.02.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Uberausgebeutet

Zu jW vom 2.2.: »Taxinotruf«

Seit Redaktionsschluss erhalte ich unter der Telefonnummer des Taxisoziallotsen Hilferufe von Kollegen, die Opfer von Identitätsdiebstahl durch mittlerweile geschlossene Uber-Partnerbetriebe geworden sind.

Die Taxifahrer wurden ohne ihr Wissen in der Uber-App als Uber-Fahrer angemeldet. Unbekannte haben dann unter ihrem Namen Aufträge für Uber und die kriminellen Mietwagen-Chefs ausgeführt. Die konnten so die Ärmsten der Armen auch ohne Papiere als Fahrer zu extremen Dumpinglöhnen ausbeuten. Der Umstand, dass diese illegalen Fahrer nicht für die Drogenmafia als Verkäufer arbeiten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, macht die Sache nicht besser.

Monate und Jahre später werden nun Fahrer, die nie einen Uber-Auftrag ausgeführt oder nicht einmal als Taxifahrer für den kriminellen Chef gearbeitet haben, wegen Sozialbetrug verfolgt. Das Jobcenter und Agentur für Arbeit fordern von ihnen Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld II zurück, auf das sie zu Recht Anspruch hatten.

Die vom Uber-Konzern und anderen Vermittlungsplattformen ermöglichten Betrügereien zerstören so die letzten ehrlichen Taxibetriebe und führen gleichzeitig zur Kriminalisierung unbescholtener, unschuldiger Kollegen. (…)

Klaus Meier, Berlin

Inselbegabung

Zu jW vom 3.2.: »Insel des Widerstands«

Solidarität war ein Wesensmerkmal der Rostocker Seeleute während der Existenz der Deutschen Seereederei Rostock (1952–1990). Von den Besatzungen der Schiffe wurden beachtliche Beträge für das kämpfende Vietnam gespendet. Nach dem Sieg Vietnams rückte Kuba immer mehr in den Fokus der früheren Seeleute. Das hat sich bis heute nicht geändert. Meine Reisen mit der »Heinrich Heine«, der »Freundschaft«, der »Quedlinburg« und der »Schwerin« nach Kuba habe ich nicht vergessen. In keinem der angelaufenen Länder war ich den Menschen so nah. Ungeachtet ihres bescheidenen Lebensstandards waren sie einzigartige Gastgeber. Das haben wir vor allem in Tanamo und Casilda gemerkt. Die »Schwerin« war 439 Tage in Havanna. So viele Tage hatte sie nicht einmal in ihrem Heimathafen Rostock verbracht.

Wir haben nicht nur die Gastfreundschaft der Kubaner genossen, wir haben ihnen auch im Rahmen unserer Möglichkeiten geholfen. Zum Ende des letzten Jahres, als die Nachrichten zu Kuba immer bedenklicher wurden, machte ich mir Gedanken darüber, wie ich helfen kann. Ich habe mich für den Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e. V. (Karen) entschieden und 100 Euro gespendet. Das habe ich meinen Freunden und Mitkämpfern mit folgenden Worten mitgeteilt: »Die Kubaner haben es verdient, dass sich die Gerechten und Hilfreichen aufraffen, und ihnen in dieser unglaublich schwierigen Situation helfen. Denkt an das wunderbare Lied Guantanamera: ›Mit den Ärmsten der Erde / will ich mein Glück machen. / Der Bach des Gebirges / erfreut mich mehr als das Meer. / Rafft euch auf, bevor es zu spät ist.‹ Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Solidarität mit Kuba nicht verstärkt, werden sich die Kubaner entscheiden müssen, ob sie Che Guevaras Losung ›Patria o muerte‹ folgen. Ich wünsche den Kubanern von ganzem Herzen, dass sie ihren Weg friedlich weitergehen können.«

Ein ehemaliger Typ-IV-Fahrer, der mit der »Freundschaft« in Kuba war, schrieb mir: »Als mein jüngerer Bruder noch lebte, wollte er nach der Wende keine Geschenke, sondern wünschte sich, dass seine Geschwister für Kuba unter dem Motto ›Milch für Cuba‹ (von der jungen Welt initiiert) spenden.« Weitere Informationen waren: »Beim Verein ›DSR-Seeleute‹ wurde für die kubanische Band Saoco gespendet und noch einmal extra, als die Sängerin verstarb. Beim Klönsnack in Berlin wurde mehrfach für Kuba gespendet. Ein Mitglied hatte eine Lehrerin in Kuba kennengelernt, die zweimal Gast beim Klönsnack war.«

Ein Schiffsingenieur schrieb an den Verein Seeleute Rostock: »Solidarität mit Kuba und den Kubanern ist für mich eine Herzenssache. Deshalb habe ich an diversen Projekten mitgearbeitet – sozusagen als ›Brigadist‹. Jeweils im März 1997, 2003 und zuletzt 2026 als Vereinsmitglied der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba (FBK).«

Der Verein »Seeleute Rostock« hat seine Mitglieder mit einem Aufruf auf der Webseite des Vereins aufgerufen, für Kuba zu spenden. Der Vorsitzende teilte mir mit, dass sie 615 Euro gesammelt haben, die an Karen überwiesen werden.

Hans-Hermann Diestel, per E-Mail

Planungsprobleme

Zu jW vom 3.2.: »Universale Verblendung«

Wunderbar. Endlich wieder ein Kannapin im Blatt, und zwar erwartbar marxistisch scharfzüngig, solide quellenbegründet, die entscheidenden Fragen herausarbeitend und bei allem in der Kritik fair und zum Weiterlesen anregend. Vielen Dank! Beispielhaft der folgende Befund, wonach im besprochenen Buch »vor allem eine Erörterung derjenigen Publikationen (unterbleibt), die sich auch im Anschluss an Pollock mit Planungsproblemen über rechnergestützte Ordnungsgrößen für alternative oder sozialistische Wirtschafts- und Sozialsysteme auseinandergesetzt haben«. Das sei »befremdlich, weil eine kritische Theorie des digitalen Medienkapitalismus an Planungsfragen größtes Interesse haben müsste«. Da ließen sich nun mancherlei Überlegungen zu Planungssystemen und -ideen im offenbar immer noch fernen China anfügen und auch dazu, was es für die Welt bedeutet, wenn die westlicherseits beschworene »Systemrivalität« tatsächlich in den Kampf zweier KI’n miteinander mündet. Danke für soviel aufstörende Anregung!

Wolfram Adolphi aus Potsdam

Zum Ende des letzten Jahres, als die Nachrichten zu Kuba immer bedenklicher wurden, machte ich mir Gedanken darüber, wie ich helfen kann. Ich habe mich für den Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e. V. entschieden und 100 Euro gespendet.

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