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Aus: Ausgabe vom 07.02.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Venezuela

Ringen um Selbständigkeit

Venezolanische Übergangspräsidentin verhandelt mit europäischen Ölkonzernen. Zunahme der Öllieferungen bringt US-Raffinerien unter Druck
Von Knut Mellenthin
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Ölproduktion in Arbeiterhand. So ist es nicht mehr (San Diego de Cabrutica, 16.4.2015)

Delcy Rodríguez, die nach der Verschleppung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Truppen am 3. Januar dessen Amtsgeschäfte übergangsweise führt, verteidigt die »Energiesouveränität« ihres Landes. Damit stellt sie sich öffentlich gegen Donald Trump, der Venezuela beständig öffentlich demütigt und auf den Status einer klassischen Kolonie drücken will. Die staatliche Erdölgesellschaft Petróleos de Venezuela S. A. (PDVSA) teilte am Mittwoch im Onlinedienst Telegram mit, dass Rodríguez Gespräche mit Vertretern des spanischen Unternehmens Repsol und der französischen Firma Maurel & Prom geführt habe, um die »für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit zu stärken« und »strategische Allianzen zu festigen«. Beide Unternehmen sind seit vielen Jahren durch gemeinsam mit der PDVSA betriebene Joint Ventures in Venezuela tätig. Ähnlich dem US-Konzern Chevron gehören Repsol und Maurel & Prom zu der Minderheit westlicher Unternehmen, die nach der Teilverstaatlichung der venezolanischen Erdölindustrie im Lande geblieben sind.

Selbstbewusstsein gegenüber Trumps Ansprüchen, Venezuelas Wirtschaft im Alleingang herumzukommandieren, zeigt die Interimsregierung in Caracas auch im Umgang mit der Volksrepublik China. In einer Pressekonferenz widersprach Venezuelas Botschafter in Beijing, Remigio Ceballos, am Dienstag Berichten, dass die US-Regierung Einfluss auf den Preis nehmen wolle, den China für venezolanisches Rohöl bezahlt. Der Sinn dieser angeblichen Beruhigung offenbart sich allerdings nicht: Trump drängt auf niedrigere Preise. Dagegen können die chinesischen Käufer eigentlich nichts haben.

Logisch ist hingegen, dass Venezuela seinen chinesischen Geschäftspartnern versprochen hat, dass deren dortige Finanzanlagen sicher seien. China hat nach divergierenden Expertenschätzungen in den vergangenen 20 Jahren bis zu 60 Milliarden US-Dollar Kredite und Investitionen an Venezuela vergeben – weit mehr als irgendein anderes Land. Teilweise sollte Caracas die Kredite durch die Verrechnung mit Erdöllieferungen zurückbezahlen, doch war es bei krisenhafter und sinkender Produktion dazu nur eingeschränkt imstande.

China war bis zur Verschleppung Maduros Venezuelas wichtigster Kunde. In den Jahren 2023 und 2024 gingen nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 70 und 85 Prozent des venezolanischen Erdölexports in die Volksrepublik. An zweiter Stelle lagen die USA mit 23 Prozent, die in den vergangenen Jahren trotz politischer Gegensätze und Konflikte verstärkt Erdöl aus Venezuela importierten. Drittgrößter Käufer war Indien, dessen Anteil nach dem Willen der US-Regierung künftig weiter zunehmen soll.

Es hat sich herumgesprochen, dass auf Venezuelas Territorium die größten nachgewiesenen Erdölreserven, etwa 17 bis 20 Prozent der globalen Gesamtmenge, liegen. Es nimmt aber in der Rangliste der Förderländer nur ungefähr Platz 17 ein. Mit durchschnittlichen Mengen zwischen 800.000 und maximal 960.000 Barrel pro Tag war es in den letzten Jahren an der globalen Förderung mit einem bis 1,3 Prozent beteiligt. Wegen der Benachteiligung durch die westlichen Sanktionen legt die OPEC für ihre Mitglieder Venezuela und Iran keine Obergrenzen fest. Den gleichen Status hat Libyen wegen seiner innenpolitischen Unstabilität. Auf ihrem Höchststand lag die venezolanische Erdölproduktion Ende der 1990er Jahre bei 3,5 bis 3,75 Millionen Barrel pro Tag.

Bei den Vorkommen in Venezuela handelt es sich größtenteils um sogenanntes Schweröl, das aufgrund seiner hohen Dichte und seiner Zähflüssigkeit besonderen Aufwand bei der Förderung und Verarbeitung erfordert. Für einige Anwendungen, hauptsächlich für die Herstellung von Schiffstreibstoff, ist Schweröl spezifisch geeignet, aber für die meisten Bereiche der Ölverarbeitung ist es eher problematisch. Deshalb wird es unterhalb der normalen Preise, mit Abschlägen von etwa sechs bis 7,50 US-Dollar pro Barrel, verkauft. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 3. Februar zahlen US-Kunden für Öl aus Venezuela gegenwärtig 9,50 US-Dollar pro Barrel weniger als den Brent-Preis. Schweröl aus Kanada wird angeblich sogar mit Abschlägen von 10,25 US-Dollar in die USA geliefert.

In diesem Zusammenhang berichtet Reuters, dass die rasante Zunahme der Öllieferungen in die USA nach dem militärischen Handstreich am 3. Januar die Raffinerien am Golf von Mexiko unter Druck bringe, da die Mengen die Nachfrage überschreiten. Ein Teil dieses Erdöls werde als einstweilen nicht verkäuflich eingelagert. Die importierte Menge habe sich gegenüber Anfang Januar verdreifacht.

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