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Aus: Ausgabe vom 05.02.2026, Seite 3 / Ansichten

Gelöschtes Gesicht des Tages: Giorgia Meloni

Von Marc Bebenroth
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Der »Meloni-Engel« in der Basilika San Lorenzo in Lucina (3.2.2026)

Theokratische Despoten, mörderische Judenhasser und fanatische Frauenfeinde in die katholische Hall of Fame zu befördern, ist gute Tradition in Rom. Da ist die Empörung über die malerische Erhebung einer weiblichen säkularen Amtsträgerin zur Gottesbotin nur allzu verständlich. Horden von Blasphemikern zog es in eine der ältesten Kirchen in der »ewigen Stadt«, was den geordneten Ablauf des Gottesdienstes verunmöglichte.

Die Schaulustigen wollten bestaunen, was Bruno Valentinetti dem Inneren der Basilica di San Lorenzo in Lucina angetan hatte. Eigenmächtig hatte der Restaurator einer Engelsfigur das Antlitz der »postfaschistischen« Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verliehen. Nachdem Valentinetti die Tat zunächst leugnete, gestand er letztlich auch ohne peinliches Verhör. Es sei tatsächlich Melonis Gesicht, »aber es ähnelt dem vorherigen Gemälde«, sagte er der Zeitung La Repubblica vom Mittwoch.

Damit ist nun Schluss. Pfarrer Daniele Micheletti bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA am Mittwoch die Entfernung des Gesichts. Die Entscheidung sei »auf höchster Ebene« getroffen worden. Wie La Repubblica berichtete, soll das ursprüngliche Engelsgesicht wiederhergestellt werden.

Geweiht ist die Basilika dem Heiligen Laurentius. Dieser wurde der Sage nach im Jahr 258 hingerichtet, da er sich als Verwalter des örtlichen und opulenten Kirchenvermögens weigerte, dieses dem Staat zu übergeben. Eine von ihm laut Ambrosius von Mailand – Best Buddy mit den Reichen und Mächtigen sowie bekennender Synagogenverbrenner – erbetene Frist von drei Tagen ließ er verstreichen und führte den Behörden eine Gruppe von Armen vor, denen er die Vermögenswerte illegal übereignet haben soll. Der Hauptmann, vor dem Laurentius dafür erschienen war, ließ ihn foltern und auf einem glühenden Eisenrost hinrichten.

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