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Aus: Ausgabe vom 06.02.2026, Seite 3 / Ausland
Kambodscha

Wie kann das Bildungssystem verbessert werden?

Mangelnde Mittel: Kambodschanische Schulen müssen mehr als nur das Alphabet vermitteln, erklärt Ok Aing Kim
Interview: Thomas Berger
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Zahlreiche Schulkinder werden in einem halb offenen Bau in Kampong Tralach unterrichtet

Der Verein Samaky ist in der kambodschanischen Küstenstadt Kampot und der Umgebung schon lange aktiv. In welchen Bereichen sind Sie tätig?

Wir haben seit unserer Gründung vor 25 Jahren verschiedene Projekte umgesetzt. Aktuell geht es vor allem um drei Sektoren. Neben Küstenschutz und einem maritimen Artenschutzprogramm mit einem Partner ist das vor allem lokales Engagement im Bildungswesen. Wir vermitteln dabei an Schulen das Unterrichtsfach Life Skills (deutsch etwa: Lebensfertigkeiten, jW), unter dessen Dach wiederum ganz verschiedene Themen zusammengefasst sind. Das reicht von Kursen zur Geschlechtergerechtigkeit bis zur Hygieneerziehung.

An wie vielen Schulen läuft das?

Bis zum vergangenen Jahr haben wir schon 26 Grund- und vier weiterführende Schulen erreicht. Unser Ziel für 2026 ist nun, das Programm auf 55 Grundschulen und 14 weiterführende Schulen auszudehnen. Punktuell geht es auch um Kindergärten. Die gibt es aber nicht in allen Orten, weil sich die Dorfgemeinschaften nicht immer das Gehalt der Betreuungskraft leisten können.

Was ist das Besondere am Life-Skills-Angebot von Samaky?

Zunächst einmal, dass wir diese Bildungseinheiten tatsächlich real durchführen. Das Programm gehört zwar regulär zum Lehrplan. Doch in vielen Schulen steht das nur auf dem Papier oder läuft ganz minimalistisch mit irgendwelchen Materialien, die online verschickt werden. Bei uns hat das eine andere Qualität. Das sind richtige Lehrgänge, sowohl direkt mit den Schülern als auch in der Qualifizierung von Lehrkräften. Denn diese wissen oft selbst gar nicht, wie sie die Themen vermitteln sollen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Unter anderem üben wir in Kleingruppen mit etwa sechs Kindern, wie man Seife richtig benutzt. Hygienekurse sind wichtig. Man darf nicht vergessen, dass einige Schulen noch nicht mal über getrennte Toiletten für Mädchen und Jungen verfügen. Auch um Aufklärungsunterricht geht es. Doch ebenso dafür brauchen die Lehrkräfte das nötige Rüstzeug und methodische Hilfestellung. Zum Beispiel ist vorgesehen, dass die Lehrerinnen, um etwa über Menstruation zu sprechen, den sogenannten Girls Council nutzen, bei dem sich die Mädchen treffen. Bei etlichen Schulen findet dies aber effektiv gar nicht statt. Und weil es an geeigneten Lehrkräften mangelt, kann es in diesem Bereich ein Ersatz sein, wenn auch Ärzte einspringen und solche Themen in Klassenstufe sechs oder sieben behandeln.

Woran mangelt es dem kambodschanischen Bildungssystem generell?

Wir haben zweifellos Fortschritte erzielt, auch mit unseren Programmen. Aber das Bildungsministerium hat generell zuwenig Geld zur Verfügung. Mangelnde Qualifikation des Personals ist ein anderes Problem. Die Leute mit dem besten Abitur wollen eher nicht Lehrer, sondern etwa Ingenieur werden, weil sich damit mehr verdienen lässt als im Schuldienst. Zudem müssen wir dringend das Schulmanagement verbessern. In dem zuständigen Gremium, dem School Management Committee, sitzen der Dorfvorsteher, der Schulleiter und noch zwei, drei weitere Personen. Die Rückkopplung in die Gemeinden als Träger funktioniert aber oft nur ungenügend. Die Gesellschaft muss da aktiver werden. Und auch diese Teams leiden unter Geldmangel. Selbst wir bestreiten das Life-Skills-Programm nicht aus eigenen Ressourcen, sondern sind auf Hilfe der NGO Action Aid angewiesen. Doch wir machen weiter, denn eine gute Schule muss mehr als nur das Alphabet vermitteln.

Wie wurde Ihre Organisation überhaupt ins Leben gerufen?

Nachdem ich als leitender Mitarbeiter im Gesundheitsministerium aufgehört habe, weil ich mit der Politik des langjährigen Regierungschefs Hun Sen (jetzt Senatspräsident, jW) nicht mehr richtig einverstanden war, habe ich die Organisation gegründet. 2000 ging es los, doch damals gab es noch nicht mal ein richtiges Regelwerk für NGOs. Die offizielle Registrierung beim Innenministerium nach dem neuen Gesetz haben wir im Folgejahr nachgeholt. Noch immer sind wir eher klein. Nur acht Leute gehören zum Kernteam.

Ok Aing Kim ist ausgebildeter Arzt sowie Gründer und Vorsitzender des Vereins Samaky in Kampot

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