Gegründet 1947 Dienstag, 3. Februar 2026, Nr. 28
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.02.2026, Seite 16 / Sport
Handball

Es wird enger

Die Dänen sind zum dritten Mal Handballeuropameister, die Deutschen schauen mal wieder in die Röhre
Von Ken Merten
16.jpg
Irgendwie fanden sie immer einen Weg: Simon Pytlick trifft für Dänemark (1.2.2026)

Es war der erwartete Ausgang des Turniers in Dänemark, Norwegen und Schweden: Zum dritten Mal nach 2008 und 2012 ist die dänische Auswahl Europameister im Herrenhandball. Das Team von Trainer Nikolaj Bredahl Jacobsen schlug am Sonntag abend vor heimischer Kulisse in Herning die deutsche Auswahl mit 34:27 (18:16).

»Im Vergleich zu Olympia können wir uns jetzt erhobenen Hauptes verabschieden«, sagte kurz nach Spielende DHB-Kapitän Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt) dem ZDF. Auch bei den Olympischen Spielen 2024 standen die Deutschen den Dänen gegenüber und wurden im Spiel um Gold 26:39 (12:21) deklassiert. Demgegenüber sahen die dänische Thronfolgerin und ein faul herumlungernder, selbstdiagnostizierter Mittelständler mit der Berufsbezeichnung deutscher Bundeskanzler eine weitestgehend ausgeglichene erste Hälfte. Die DHB-Auswahl setzte viel auf ihre starke Defensive, zumal der Innenblock im Halbfinalspiel gegen Kroatien (31:28; 17:15) den Sieg garantiert hatte. Auch war Abwehrspezialist Tom Kiesler (VfL Gummersbach) nach Krankheit zurück auf der Platte. Dagegen musste Dänemark auf Simon Hald (Aalborg Håndbold) verzichten, der im Halbfinale gegen Island (31:28; 14:13) am Kopf getroffen worden war.

Trotz dessen biss sich Juri Knorr (Aalborg Håndbold), der den Deutschen durch eine starke Leistung im Hauptrundenspiel gegen Frankreich (38:34; 19:15) erst den Halbfinaleinzug ermöglicht hatte, wiederholt in der dänischen Defensive fest. Die halblinke Wurfkuh Julian Köster – noch in Gummersbach, ab Sommer beim THW Kiel – fand statt dessen die Lösungen aus dem Rückraum. Knorrs Tempohandball wurde von den Dänen durch eine sehr offensiv interpretierte Abwehrarbeit unterbunden und somit die personelle Schwäche im eigenen Mittelblock kompensiert. Hinzu kam die rote Karte für Kiesler in der 14. Minute. Letztlich brachten die Dänen eine 18:16-Führung in die Halbzeitpause.

Aus der kam eine zwar gewillte, aber letztlich klar unterlegene deutsche Mannschaft. Coach Alfreð Gíslason sah einen starken Andreas Wolff (THW Kiel) im Tor, der 14 Paraden beisteuerte, darunter eine spektakuläre, als er in der 50. Minute von der Bank zurück zum Tor spurtete und den Ball nach dänischem Wurfversuch vom Anwurfkreis per Grätsche klärte. Ungewöhnlich für Gíslason, hatte dieser im Ballbesitz den Torwart für einen siebten Feldspieler gebracht. Die Dänen – grundsätzlich gut auf das deutsche Team abgestimmt – gerieten nur kurz ins Wanken und siegten letztlich souverän mit 34:27. Als der deutsche Kreisläufer Jannik Kohlbacher in der 57. Spielminute am dänischen Kreis seinen Gegenspieler versehentlich mit dem ausgestreckten Arm im Gesicht und am Hals traf und dafür wie Kiesler mit Rot von der Platte musste, war die Partie längst entschieden. Auch dank eines glänzend aufgelegten Kevin Møller (Flensburg), hinter Emil Nielsen (FC Barcelona) die Nummer zwei im dänischen Kasten, der zur Spielmitte kam und acht Bälle hielt.

Welthandballer Mathias Gidsel (Füchse Berlin) versenkte im Endspiel sieben Kugeln, wurde mit insgesamt 68 Treffern Torschützenkönig und stellte damit einen neuen Rekord für Europameisterschaften auf. Das Turnier hat gezeigt: Die Spitzenmannschaften im Nationalmannschaftshandball rücken enger zusammen, das Leistungsniveau steigt. Die dominanten Dänen mussten sich in vielen Begegnungen durchbeißen und eine Vorrundenniederlage gegen Portugal hinnehmen. Titelverteidiger Frankreich schaffte es nicht über die Hauptrunde hinaus. Die isländische Auswahl, mit den Magdeburger Stars Gísli Þorgeir Kristjánsson und Ómar Ingi Magnússon, schaffte es bis unter die letzten vier und unterlag am Sonntag nachmittag den Kroaten im Spiel um Platz drei knapp mit 33:34 (14:17).

Kroatiens Trainer Dagur Sigurðsson hatte vor dem verlorenen Semifinale gegen die Deutschen am Freitag bei einer Pressekonferenz ob der Ansetzungen vor Wut geschäumt: Die europäische Handballföderation (EHF) sei ein »Zirkus« und eine »Fast-Food-Firma«. »Sie haben uns heute abend in einen kalten Bus gepackt wie gefrorenes Hühnchen«, so der Isländer. Die Kroaten hatten nicht nur nach der Hauptrunde keinen Regenerationstag, sie mussten auch über Nacht von Malmö nach Herning reisen. Die EHF gelobte Besserung für kommende Turniere.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.