Reiche treibt Gaskraftwerke voran, Energiekonzerne lechzen
Berlin. Die Bundesregierung macht Ernst mit neuen Kraftwerken zur Verbrennung fossiler Energieträger. »Wir werden noch in diesem Jahr mit zwei bis drei Ausschreibungsrunden zwölf Gigawatt Kraftwerksleistung ausschreiben«, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Dienstag auf dem »Handelsblatt Energiegipfel 2026« in Berlin. 2027 und 2029 werde es weitere Runden geben. Im laufenden Jahr gehe es vor allem um Gaskraftwerke. Die Ampel-Regierung hatte ähnliche Pläne, die allerdings nicht mehr umgesetzt wurden. Energiekonzerne wie RWE, EnBW oder Uniper wollen sich an den Ausschreibungen beteiligen.
Vor dem Neubau von Gaskraftwerken sei eine ganze Reihe von anderen Maßnahmen notwendig, betonte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner: »Der weitere und regional gesteuerte Ausbau der erneuerbaren Energien, der Ausbau von Übertragungs- und Verteilnetzen, die bessere Vernetzung mit europäischen Nachbarn, der Anschluss von (Batterie-)Speichern sowie die Flexibilisierung der Nachfrage«. Erst am Ende dieser Kette stünden als »Notnagel« die Gaskraftwerke.
Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kommentierte, für die Versorgungssicherheit seien neue fossile Gaskraftwerke nicht grundsätzlich notwendig: »Ein großflächiger Neubau würde neue fossile Abhängigkeiten schaffen und ist klimapolitisch wie ökonomisch problematisch.« Versorgungssicherheit lasse sich kostengünstiger und klimafreundlicher erreichen – etwa durch Stromspeicher, Netzausbau, europäische Vernetzung und nachhaltiges Biogas. (Reuters/dpa/jW)
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