Aus Leserbriefen an die Redaktion
Geht auch ohne
Zu jW vom 24./25.1.: »Rom ist das neue Paris«
Achse Berlin–Rom: Hoffnung in dunkler Zeit aus dunkler Zeit? Vielleicht entsteht bald das Matriarchat Paris–Rom–Berlin. Muss ich Namen aufschreiben?
Heinrich Hopfmüller, Stadum
Strikt getrennt
Zu jW vom 23.1.: »Weiße Freiheit«
Ein sehr guter Artikel von Gerhard Weiß, super informativ, mit vielen Neuigkeiten, die in die Tiefe des Themas gehen und es voll ausleuchten. Dank an die junge Welt, die solche Artikel möglich macht. Übrigens ist die ganze Zeitung ein Vorbild für angehende Journalisten: In allen Artikeln wird die Trennung zwischen Information und Meinungsäußerung strikt durchgehalten. Hier z. B.: Nur Infos, so dass sich die eigene Meinung dazu frei in einem selbst entwickeln kann! Das findet man so in keiner anderen Zeitung, überall sonst wird die Meinung anderer, die man nicht unbedingt teilen möchte, in mehr oder weniger großen Teilen in die Informationsartikel eingerührt und zu einer Soße verkleistert. Das ist in der jungen Welt nicht der Fall: Meinungsartikel sind deutlich als Kommentare schon in der Überschrift oder Dachzeile markiert, man kann sie weglassen oder gut finden, man muss sie aber nicht lesen, wenn man sich erst mal nur informieren möchte. Genau das erwartet man gar nicht von einer linken Zeitung, wo auch eine bestimmte Meinung vermittelt werden soll: Für mehr Gerechtigkeit zum Beispiel! Aber genau das ist der innere Kern einer echten sozialgerechten Einstellung, als Grundlage linker Ideologie: Hier sind die Fakten, bildet euch selbst ein Urteil! Ihr braucht nicht bevormundet zu werden, ihr könnt selber denken!
Anja Röhl, Berlin
Auf geheimer Mission
Zu jW vom 27.1.: »Überprüfung unmöglich«
Dieser Artikel konnte aus meiner Sicht zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen: Ich hatte nämlich gerade an meinem Briefkasten einen Aufkleber mit folgenden anklagenden Worten angebracht: »Hallo, zum letzten Mal war die Post am Donnerstag hier.« Kurze Zeit später konnte ich die vier bislang vermissten Exemplare der jW aus dem Briefkasten entnehmen und den Artikel »Überprüfung unmöglich« lesen. Nun ließe sich bezüglich meines Aufklebers bemängeln, dass nur gerade diejenigen, die ebenfalls zu den Leidtragenden der Post-Misere gehören – die Beschäftigten – diese Anklage zu lesen bekamen. Dazu möchte ich bemerken: Seit Jahren kämpfe ich dagegen, von der Post unzuverlässig mit der jungen Welt beliefert zu werden. Ich habe inzwischen eine ganze Reihe von Schilderungen erhalten, die die Verspätungen der Zustellung begründen: Hier kommen Schwierigkeiten der Orientierung der Beschäftigten, Begrenzung der Arbeitszeit, die den Abbruch der Zustellung erzwingt, und manch andere Gesichtspunkte zur Sprache – all dies auf hochwertigem Papier geschrieben und mit der Post (!) zugestellt. Ich habe nicht aufgegeben, aber doch partiell resigniert, indem ich – die jW wird es freuen – zum regulären noch ein Onlineabo gebucht habe. Ich bin mit dem bisherigen Zustand aber nicht zufrieden, wenn ich mich auch bisweilen über Gratiszusendungen von Briefmarken freuen durfte. Unzufriedenheit stellt sich bereits immer dann bei mir ein, wenn ich mich gezwungen sehe, die jW auf meinem Laptop zu lesen. Um diesen Frust ein wenig zu mildern, schicke ich meine Beschwerden auch an die Bundesnetzagentur. Ich erhalte regelmäßig eine Bestätigung meiner Eingabe; das ist es dann aber auch gewesen. Ich komme mir vor, wie ein Geheimagent, der erfolglos einen toten Briefkasten beliefert. Ich fürchte: Auch wenn die Bundesnetzagentur die Brieflaufzeiten wieder überwachen dürfte, würde sich an der Post-Misere kaum etwas ändern.
Lothar Zieske, Hamburg
Solidarität
Zu jW vom 26.1.: »Kuba-Konferenz der jungen Welt: Die Paypal-Compliance-Abteilung schaltet sich ein«
Liebe junge Welt, ihr hättet meinen Namen ruhig ausschreiben können, denn ich stehe öffentlich zu meiner Solidarität mit allen Menschen, die sich gegen dieses imperialistische System international und national wehren. Es ist für mich bezeichnend, dass sich dieses System, das sich als »Hüter« der Demokratie und Meinungsfreiheit (selten so gelacht) bezeichnet, auf diese Art und Weise in die solidarische Bewegung mit den unterdrückten Menschen in der Welt einmischt. Es passt zu den Vorfällen um Jaques Baud, Alina Lipp, Thomas Röper und Hüseyin Doğru, um das Debanking der DKP und der Roten Hilfe. Uns muss endlich klar sein, dass wir dieser, die Grundrechte der Menschen extrem einschränkenden bzw. unterdrückenden Machtelite, »den Stecker« ziehen müssen. Wer wird sonst der Nächste sein? Ich werde meine Konsequenzen ziehen – es wird von mir ein Gespräch mit dieser Abteilung von Paypal geben, und dann werde ich das Konto kündigen. Ich hoffe, mir folgen viele, sehr viele Friedensfreundinnen und Friedensfreunde nach. Und wir sehen uns am 11. April 2026 im Kino Babylon.
Andreas Eichner, Schönefeld
Rechtsstaat im freien Fall
Zu jW vom 26.1.: »Maßanzüge und Milliarden«
Das Cum-Ex-Verfahren gegen Bankchef Christian Olearius wurde nach jahrelanger Verschleppung eingestellt. Es ging nicht um den Betrugsfall eines Kassenangestellten. Cum-Ex-Betrug hat seit Jahren dem deutschen Haushalt 30 bis 50 Milliarden Euro entzogen. (…) Hut ab vor Anne Brorhilker, die als Oberstaatsanwältin aus Protest wegen der Verschleppungstaktik der Justizbehörden ihre Arbeitsstelle in Köln aufgegeben hat. Ihr jüngstes Buch sollte Pflichtliteratur für Jurastudenten werden. Ein Vorschlag an die Kultusministerkonferenz.
Günter Buhlke, Berlin
Hut ab vor Anne Brorhilker, die als Oberstaatsanwältin aus Protest wegen der Verschleppungstaktik der Justizbehörden ihre Arbeitsstelle in Köln aufgegeben hat. Ihr jüngstes Buch sollte Pflichtliteratur für Jurastudenten werden.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.