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Aus: Ausgabe vom 30.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Finanzwirtschaft

Geldwäsche und Rekordgewinn

Razzia bei Deutscher Bank wegen Verdachts auf Geldwäsche. Institut fungierte bereits oft als »Korrespondenzbank« bei fragwürdigen Geschäften
Von Gudrun Giese
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Am Mittwoch durchsuchten Ermittler auch den Hauptsitz des Konzerns in Frankfurt am Main

Zum wiederholten Mal steht die Deutsche Bank unter dem Verdacht der Geldwäsche. Am Mittwoch ließen die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Frankfurt am Main und das Bundeskriminalamt die Frankfurter Zentrale sowie einen Standort der Bank in Berlin durchsuchen. Die Razzien fanden einen Tag vor der Veröffentlichung der Bilanzen am Donnerstag statt. Der Aktienkurs des Geldinstituts gab nach Bekanntwerden des neuerlichen Geldwäscheverdachtes zeitweise um rund drei Prozent nach, meldete die dpa.

Zu den exakten Gründen für die Durchsuchungen äußerten sich weder die Staatsanwaltschaft noch die Bank selbst. Doch nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom Mittwoch soll es um Geschäfte des russischen Unternehmers Roman Abramowitsch aus den Jahren 2013 bis 2018 gehen. Die Bank hätte den Verdacht einer ein- oder mehrmaligen Geldwäsche im Zusammenhang mit dessen Firmen zu spät an die zuständigen Behörden gemeldet, hieß es. Abramowitsch selbst ließ über einen Anwalt mitteilen, dass er von keinen Ermittlungen deutscher Behörden in diesem Kontext wisse. Er habe immer im Einklang mit den jeweils geltenden nationalen und internationalen Vorschriften agiert. Gegenteilige Behauptungen seien falsch und rufschädigend.

Laut früher erschienenen Berichten soll die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main seit einiger Zeit gegen Abramowitsch ermitteln. 2025 habe sie bestätigt, so die SZ, ein Ermittlungsverfahren »gegen einen 58jährigen Unternehmer aus der Russischen Föderation« wegen des Verdachts einer Straftat nach dem Außenwirtschaftsgesetz zu führen. Dieses Verfahren sei weiter aktuell, erklärte die Behörde.

In den zurückliegenden Jahren ist die Deutsche Bank wiederholt verdächtigt worden, bei mutmaßlicher Geldwäsche nicht allzugenau hinzusehen und Verdachtsanzeigen zu spät abzugeben. Das Gesetz verpflichtet Banken, mögliche Anhaltspunkte für Geldwäsche unverzüglich zu melden. Das betrifft laut dpa auch Geschäfte, bei denen die Deutsche Bank wegen ihrer internationalen Vernetzung lediglich die Abwicklung des Zahlungsverkehrs unterstütze. Im aktuellen Fall soll es um Zahlungen gehen, die über eine russische Korrespondenzbank an die Deutsche Bank gelangten, ferner um eine frühere Geschäftsbeziehung mit Firmen von Abramowitsch.

In den vergangenen Jahren waren der Deutschen Bank mehrere Male Bußgeldzahlungen wegen zu später Verdachtsmeldungen zu Geldwäsche auferlegt worden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schickte laut SZ von 2018 bis Ende 2024 sogar einen Sonderbeauftragten in die Bank, der die Einhaltung der Vorgaben bei den Themen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen sollte.

Ein Bußgeld in Höhe von sieben Millionen Euro musste die Deutsche Bank wegen Transaktionen eines Verwandten des früheren syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad zahlen. In diesem Fall hatte das Geldinstitut einmal mehr als »durchleitende Bank« (Korrespondenzbank) fungiert. Mit rechtskräftigem Bescheid vom März 2023 teilte die Bafin mit, dass sie gegen die Deutsche Bank fünf Bußgelder in Höhe von insgesamt 170.000 Euro auf der »Grundlage des Gesetzes über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten« festgesetzt habe.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass das größte Geldhaus der Republik 2025 erheblich mehr Gewinn verbuchen konnte als im Jahr zuvor. Mit rund 9,7 Milliarden Euro habe der Frankfurter Dax-Konzern das beste Vorsteuerergebnis seiner Geschichte erzielt, meldete das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Überschuss lag nach Mitteilung der Bank bei 6,1 Milliarden Euro, wodurch Konzernchef Christian Sewing das Institut »auf dem Weg zu unserem langfristigen Ziel, der europäische Champion zu werden«, sieht. In den nächsten Jahren strebt der Vorstand nach noch besseren Zahlen. Mit deutlich höheren Erträgen und weiteren Einsparungen soll die Eigenkapitalrendite auf mehr als 13 Prozent erhöht werden. 2025 lag dieser Wert bei 10,3 Prozent.

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