Kriegsfreiwilliger des Tages: Joschka Fischer
Von Nico Popp
Wäre Joschka Fischer 2026 noch darauf angewiesen, seine Brötchen im politischen Betrieb zu verdienen, würde er mit Strack-Zimmermann, Roth und Kiesewetter eine Partei gründen. Einziger Programmpunkt: liberaler EU-Imperialismus mit deutscher »Führungsrolle«, jeweils abgeleitet aus »der Geschichte« höchstpersönlich. In vielen Redaktionen wäre diese Truppe die beliebteste Partei und schon deshalb ein Sprung über die fünf Prozent sicher drin.
Aber Fischer schwebt längst über diesen Dingen. Hier ein Buch und dort ein Interview, dazu irgendwas mit »Beratung« – das langt. Im Mai kommt wieder ein Buch raus, und da muss die Trommel gerührt werden. Bzw. die Bombe gezündet – via Tagesspiegel hat Fischer am Donnerstag eine atomare Bewaffnung auf »europäischer« Ebene gefordert. »Europa muss das machen, denn die amerikanische Schutzgarantie ist ab sofort ungewiss.« Nicht gut fände es der erste Grünen-Außenminister, würde dieses schöne Projekt als »nationale Herausforderung« verstanden: Deutschland habe nach 1871 »alleine« dagestanden, und »das war ein großes Unglück«.
Soso. Aber die deutsche Debatte ist – »Druck durch die Realität!« – reifer geworden. Haben die Deppen nicht vor ein paar Jahren noch diskutiert, ob Drohnen bewaffnet sein dürfen? »Und heute …« Läuft doch. Aber warum will der Kanzler nicht rundheraus zusagen, deutsche Soldaten als Teil einer »Friedenstruppe« nach einem Waffenstillstand in die Ukraine zu schicken? Fischer tadelnd: Das »große Deutschland« kann sich nicht »irgendeine kleine Rolle am Rande erlauben«.
»Wir« müssen, wegen 1871 ff. jetzt aber als »Europa«, »ein machtpolitischer Faktor werden. Dass ich das mal sage, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Meine ganze politische Karriere weist eher auf das Gegenteil.« Witze erzählen kann er auch. Hier ist noch einer: »Als junger Mann würde ich mich freiwillig melden.«
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Leserbrief von Roland Weinert (31. Januar 2026 um 09:09 Uhr)»Als junger Mann würde ich mich freiwillig zum Wehrdienst melden.« Schön für Fischer, wissend, dass dieses Statement unsinnig ist und rein demagogischer Natur. Er reiht sich damit ein in die »verwunderbare« Phalanx von KriegstreiberInnen. Darf ich einen Vorschlag machen? Spenden sollte er sein gesamtes Vermögen der Ukraine. Und unterlassen sollte er es, geschichtsvergessen Dritte für Kriegsdienst motivieren zu wollen. Ferner: Möge er sich zur Verwundetenpflege freiwillig im Kriegsgebiet Ukraine an vorderster Front melden – pflegen unter Anleitung könnte sogar er, trotz seiner (politischen) Kurzsichtigkeit! Alter schützt eben nicht vor Torheit, gelinde formuliert. Sodann sind Herrn Fischers Atomwaffen-/Atombombeneinlassungen schon recht wirr-irre Gedanken-Spiel-Absonderungen. Ich nenne derlei psychopathologische Emanationen. Dann das Berufen auf irgendwelche Verträge, die schneller obsolet werden können, als sich der Schall überhaupt bewegen kann: Realitätsferne in nuce. Auf die Vorgeschichte zum Ukraine-Krieg – sagen wir einmal seit dem Jahre 2001 – geht Herr Fischer mit keinem Wort ein; auf die aggressive Expansion der USA (weltweit über 800 Militärbasen) wie der NATO ebenso wenig. Auch nicht erwähnt er die systematische Aushebelung und Relativierung der Menschenrechte wie der UNO samt deren Institutionen durch sämtliche Großmächte/EU-/NATO-Staaten. Ferner unterschlägt dieser gute Mann Deutschlands besondere Verantwortung gegenüber Russland insgesamt (ca. 27 Mio. Weltkriegsopfer!). Ferner bin ich der Auffassung: Kein deutscher Staatsbürger sollte sich für diesen Staat oder die sog. Westliche Unwertegemeinschaft zu welchem Dienst auch immer zur Verfügung stellen – womöglich noch sein Leben riskieren, welches u. a. deutsche Politik leichtfertigst aufs Spiel setzt seit dem Jahre 2001 bzw. dem 24.02.2022. Wo sind die Proteste für Frieden in diesem sauberen, moralinsauren Lande? Wo sind die Omas?
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich Hopfmüller aus Stadum (30. Januar 2026 um 16:47 Uhr)Solche Turnschuhpolitiker hat man früher mit dem Katapult zur Abschreckung in die belagerte Festung geworfen. Er müsste sich also nicht melden und wäre auch so brauchbar.
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Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (30. Januar 2026 um 10:05 Uhr)Eine nationale Schande, dass so einer noch immer frei rumläuft und auf Kosten des Steuerzahlers weiter rundum gehegt und üppig gemästet wird. Dabei müssten der und seinesgleichen - wie z. B. der Erfinder des seinerzeitigen »Hufeisenplans«, Rudolf Scharping – doch schon seit mindestens zwanzig Jahren hinter Gittern sitzen.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Stephan Krüger aus Neumarkt i.d.OPf. (30. Januar 2026 um 06:55 Uhr)Atombomben für den Frieden? Die Atombombe ist in jedem Fall und immer abzulehnen. Es wird mit jedem Tag und jeder neuen Atommacht wahrscheinlicher, dass sie (die, die sie »nutzen«) das Ende der Menschheit einleiten und abschließen wird. Vielleicht tut sie für die Reste des Lebens auf der Erde auch was »Gutes«, wenn sie den nuklearen Winter einleitet. Wobei, das Leben wird mit der laufenden (vergleichsweise langsamen) Klimaveränderung sehr viel besser umgehen können, als mit einer extrem schnellen Veränderung aller Lebensbedingungen oder Sterbensbedingungen durch einen Nuklearkrieg. Nein, die Atombombe an sich ist abzulehnen. Der nukleare Zufallskrieg wird immer wahrscheinlicher, mit jeder neuen Atommacht, mit jedem technologischen Sprung. Verschärfend hinzu kommt der Geisteszustand und die Gesellschaftssysteme der Menschen, in deren Händen Atomwaffen sind. Joschka Fischer hat nicht die geringste Ahnung von Gegenwart und Geschichte. Nicht nur das Russell-Einstein-Manifest und die Ostpolitik scheinen aus seinem Bewusstsein gelöscht, auch seine Interpretation der deutschen Geschichte ab 1871 sehr eigenwillig. Deutschland stand nicht allein, es konnte seit der Reichsgründung nicht mehr ernsthaft bedroht oder erfolgreich angegriffen werden. Deutschland könnte mehr als 150 Jahre Frieden hinter sich haben, wenn nicht der deutsche Imperialismus immer wieder seine Joschkas gefunden hätte.
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