Aus Leserbriefen an die Redaktion
»Hinterlässt eine Lücke«
Zu jW vom 24./25.1.: »André Scheer verstorben«
Dass André Scheer nicht mehr lebt, so jung verstorben ist, ist unglaublich traurig und unfassbar! Sehr gerne habe ich seine Beiträge in der jW gelesen, vor allem natürlich die über Venezuela. André war ein Vorkämpfer, er ist vorangegangen und hat immer nach dem klassenkämpferischen Weg gesucht. Er war ein ganz toller, ehrlicher und standhafter Genosse, Vorbild für viele andere. André wird uns sehr fehlen; er hinterlässt in unseren Reihen eine Lücke, die nur sehr schwer zu schließen sein wird. Ich werde ihn in ehrender Erinnerung behalten.
Steffen Weise, Berlin
Mut zusammennehmen
Zu jW vom 13.1.: »Auftrag erfüllt«
Millionen, Milliarden für die Rüstung, für die Aktionäre der Waffenschmieden. Und im Gegensatz dazu leiden Zehntausende Menschen als Obdachlose unter der derzeitigen grimmigen Kälte, gehen Rentner Flaschen sammeln oder containern. Für diese Menschen ist kaum Geld da oder noch schlimmer: An diesen Menschen wird auch noch weiter gespart. Eine »Armee«, der das Notwendigste fehlt – kein Dach über dem Kopf, Hilfe bei Bahnhofsmissionen oder bei anderen auf Spenden angewiesenen Hilfsorganisationen suchen und hoffentlich finden. Künstler wie Frank Zander organisieren Weihnachtsessen für Bedürftige. Und alles unter Regierungsparteien, die entweder »christlich« oder »sozial« im Namen führen. Diese Begriffe werden durch dieses Politikversagen zur Worthülse. Dafür wird ein großer Teil des Staatshaushaltes für zukünftigen Schrott ausgegeben. In den Chefetagen und bei den Aktionären von Rheinmetall, KMW und anderen knallen die Champagnerkorken. Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen? Wir brauchen keinen Winter, um diese Regierung und ihre Hintermänner an diesem Raubbau am Sozialsystem zu hindern. Wir brauchen den Mut der Verzweifelten und deren Wut auf dieses System. Georg Büchner im Hessischen Landboten von 1834: »Friede den Hütten – Krieg den Palästen«. Nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand, es ist endgültig Zeit.
Andreas Eichner, Schönefeld
Mehr Weiss wagen
Zu jW vom 27./28.12.2025: »Götter gegen Giganten«
Schade! Ein wenig mehr Ästhetik des Widerstands wäre dem Thema angemessen gewesen. »… seine Götter. Die hat sich der Mensch erfunden, um all den Horror der realen Welt zu ertragen.« Klar, Kunstinterpretation ist immer subjektiv. Trotzdem stört es mich, wenn in einer marxistischen Zeitung ein Subjekt wie »der Mensch« Religion »erfindet«.
»Die Begünstigten wussten, dass es keine Götter gab, denn sie, die sich deren Maske aufsetzten, kannten sich selbst. Desto mehr drängten sie darauf, sich mit Pracht und Würde zu umgeben. Die Kunst diente ihnen dazu, ihrem Rang, ihren Befugnissen den Anschein des Übernatürlichen zu verleihen. (…) Doch gehörte dem Werk immer noch derselbe Zwiespalt an, der zu der Zeit galt, als es entstanden war. Dazu berufen, königliche Macht auszustrahlen, konnte es gleichzeitig befragt werden nach seinen Eigenarten des Stils, nach seiner plastischen Überzeugungskraft. Pergamon war zu seiner Glanzzeit, ehe es im Byzantinischen Reich verfiel, berühmt für seine Gelehrten, seine Schulen und Bibliotheken, (…) Das Verstummen, die Lähmung derer, deren Los es war, in die Erde gestampft zu werden, war weiterhin spürbar. Sie, die eigentlichen Träger des ionischen Staats, des Lesens und Schreibens nicht kundig, ausgeschlossen vom künstlerischen Wirken, taugten nur dazu, einer kleinen Schicht von Begünstigten den Reichtum und der Elite des Geistes die notwendige Muße zu schaffen. (…), in den knienden vertierten Wesen aber konnten sie sich erkennen. Diese trugen, in Grobschlächtigkeit, Erniedrigung und Geschundenheit, ihre Züge. Dass die Darstellung des Götterflugs und der Vernichtung andrängender Gefahr nicht den Kampf des Guten gegen das Böse zum Ausdruck brachte, sondern den Kampf zwischen den Klassen, wurde nicht nur in unserer heutigen Betrachtung, sondern vielleicht auch schon von manchem geheimen Blick damaliger Leibeigner erkannt.« So weit Peter Weiss in »Die Ästhetik des Widerstands«, Band I, S. 10–13.
Kunibert Erbel, Frankfurt am Main
Involution 47
Zu jW vom 23.1.: »Daddy will Eis«
Trump ist Präsident Nr. 47. Boeing hat das Flugzeug entsprechend nummeriert, um ihm zu huldigen (und also im Geschäft zu bleiben). Vielleicht muss man sich doch mit Überlegungen befassen, die eine refeudalisierende Involution der kapitalistischen Gesellschaftsformation postulieren. Alle bitte auch unbedingt Daniel Bratanovics scharfsinnige Medienschau vom 23. Januar lesen.
Christoph Heuke, per E-Mail
Erinnerung am Bau versiegt
Zu jW vom 23.1.: »›Das SEZ ist der sportliche kleine Bruder des Palastes der Republik‹«
Mit dem Abriss des SEZ im heutigen Ostteil Berlins soll ein weiteres Stück DDR-Geschichte verschwinden. Nichts soll mehr an die DDR erinnern. So, als hätte es die Deutsche Demokratische Republik niemals gegeben.
Joachim Becker, Eilenburg
Junge Musiker gesucht
Zu jW vom 24./25.1.: »Der Hase schlägt Haken«
Ach, was hat Gerd Schumann für einen schönen Artikel geschrieben. Man ist erfreut, gerührt zugleich, hat Tränen in den Augen und ballt die Faust. Ja, wirklich: Nachfolger gesucht. Nicht nur für Floh de Cologne, denn die im Artikel genannten Barden sind entweder tot oder haben abgeschworen und sind im Bürgertum gelandet. Der einzige noch ist Konstantin Wecker. Der reicht nicht. Die »objektive Lage« verlangt junge, den Kapitalismus krass entlarvende und aufrüttelnde Sänger bei den Demos. Die brauchen Mut, denn die »Profitgeier« verschärfen gerade die Gesetze zur Sicherung ihrer Macht und zur Manipulation der Massen.
Wolfgang Schlenzig, Berlin
André Scheer war ein ganz toller, ehrlicher und standhafter Genosse, Vorbild für viele andere.
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