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21.01.2026, 19:10:33 / Inland

Debatte über Abzug der deutschen Goldreserven aus den USA

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Goldbarren in der Zentrale der Bundesbank (Frankfurt am Main, 23.8.2017)

Berlin. Im Umfeld der Bundesbank und in der deutschen Politik werden Forderungen laut, die deutschen Goldreserven im Wert von 164 Milliarden Euro aus New York abzuziehen. Der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, sagte am Mittwoch dem Handelsblatt: »Angesichts der geopolitischen Situation scheint es aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern.« Im Sinne einer »größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken«. Auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, brachte eine Verlagerung ins Spiel. Die Goldreserven seien »ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker«, sagte sie dem Handelsblatt. Sie dürften nicht »zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden«. Solange US-Präsident Donald Trump im Amt sei, sei ein solches Szenario wohl am sichersten auszuschließen, »wenn die Goldreserven ab jetzt in Deutschland verwahrt werden«. Die Bundesbank lagert 1.236 Tonnen Gold bei der US-Notenbank Fed in New York.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel lehnt eine Verlagerung allerdings ab. Unterstützung erhält er von den Regierungsfraktionen im Bundestag. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), sagte der Zeitung, es sei weiter sinnvoll, einen Teil der Reserven in den USA zu lagern: »In der aktuellen Lage öffentlichkeitswirksam über einen Abzug der Goldreserven zu spekulieren, ist dagegen nicht förderlich.« Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Frauke Heiligenstadt, kann Sorgen um die Goldreserven nach eigenen Angaben zwar nachvollziehen, rät aber von »Panik« ab: »Die deutschen Goldreserven sind gut diversifiziert angelegt.« Die Hälfte liege in Frankfurt, »so dass unsere Handlungsfähigkeit sichergestellt ist«. (AFP/jW)

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