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Aus: Ausgabe vom 23.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Romantik hat ihren Preis

Du kannst ihr vertrauen: Courtney Marie Andrews’ Album »Valentine«
Von Frank Schwarzberg
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»Don’t make yourself small baby, take up space« – Courtney Marie Andrews

Singen sei die direkteste Verbindung zu deinem Herzen, sagt Courtney Marie Andrews. Es sei wie Malen, hat Farbe und Textur. Andrews singt, dichtet und malt, sie muss es wissen. Wie also singt sie?

Auf dem neuen Album »Valentine« mit kräftigem und mit ganz feinem Strich. Kurzes Pianointro, dann die ersten zwei Zeilen von »Pendulum Swing«: »Man, I love a heart / With one foot out the door.« Die Stimme kraftvoll, (alt-)sopranhaft schmetternd, die Band setzt ein mit vollem Sound und nimmt sich danach sofort zurück. Andrews’ Tonlage wird leiser, nachdenklicher: »One that leaves me hungry / Coming back for more.« Das ewige Pendeln zwischen Loslassen (geh ruhig, geh raus) und Festhalten (komm zurück, gib mir mehr). Andrews’ Gesang zeichnet die Pendelbewegung nach, sie ist das verbindende Thema des Albums. Der Titel »Valentine« klingt harmlos, aber die Romantik hat ihren Preis.

Ist das wichtig? Ja, und hier wird es kurz politisch. »Cons and Clowns« heißt das dritte Lied, ohne Namen zu nennen. Die Trumps kommen und gehen, die Hochstapler und Opportunisten bleiben oder wachsen nach. Wichtiger ist etwas anderes: »Don’t make yourself small baby, take up space / I always wanna hear what you have to say.« Mach dich nicht klein, nimm dir deinen Raum, ich gebe ihn dir und höre zu. Man kann sich auch an Mobbing am Arbeitsplatz erinnert fühlen, sobald der Refrain einsetzt: »It’s a scary world full of cons and clowns / A lot of bad people will tear you down / Not me, no way, / I only wanna hear you play.«

Man möchte Andrews glatt in seiner »corner« haben. Die Metapher aus dem Boxen verwendet Stevie Chick vom Mojo-Magazin in seiner Besprechung des Albums. Stimmt ja auch: Dieser Mensch wird dich nie hängen lassen, ihrer Stimme darfst du vertrauen. Wenn du sie findest.

Courtney Marie Andrews, wohnhaft in Nashville, sucht schon ihr ganzes Leben. »Valentine« ist das neunte Album der 35jährigen, ihr fünftes, »Honest Life« (2016), war ein kleiner Durchbruch, da jobbte sie noch als Barkeeperin, Kellnerin, in Plattenläden. »Sensitive and stubborn«, sensibel und stur sei sie, heißt es in einem früheren Song, und so hat sich auch ihre Kunst entwickelt: Noch einfühlsamer ist sie geworden, noch direkter. »›Honest Life‹ war das Kind, das langsam zur Frau wird«, erzählte sie jW in einem Interview anlässlich ihres 2020 erschienenen Albums »Old ­Flowers«. Sie sagte: »›Old Flowers‹ zeigt die Frau, die nichts und niemandem mehr hinterherlaufen muss. (…) Es ist wie eine Reise dahin, Humanität durch meine Songs auszudrücken. Ich versuche, diesem Ziel immer näher zu kommen.«

Die Reise, die Suche dauert an. In »Best Friend« wünscht sie sich diese eine vertraute Person. »Wish I had a best friend / Someone to talk to / To tell my deepest thoughts to / (…) / Someone free / A freak like me / A best friend.« Jemand, mit dem man über schlechte Insiderwitze lachen kann, die nur sie verstehen. Es sind diese kleinen, dahingetupften Situationsbilder, die Andrews’ Poesie so anziehend machen.

Ähnlich dahingetupft wirkt die Musik. Die Melodien sind eher einfach gehalten, während die subtilen Arrangements der live eingespielten Tracks sich, je öfter man sie hört, zunehmend entfalten, etwas anderes werden als Country oder Americana.

Apropos Insider. Einmal singt Courtney Marie Andrews: »How could I be an insider / When I don’t fit in.« Der Song heißt »Outsider«.

Courtney Marie Andrews: »Valentine« (Thirty Tigers)

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