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14.01.2026, 10:26:09 / Sport
Boxen

Ziel: Doppeltriumph

Zweiter Anlauf für Freddy Kiwitt: Superweltergewichtler will in Flensburg seine WBF-WM-Krone verteidigen und den WBO-Global-Gürtel erobern
Von Oliver Rast
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Voll unter Adrenalin – und immer Lücken in der Deckung im Visier: Freddy Kiwitt

Zweiter Anlauf. Auf großer Bühne. In der GP JOULE Arena, der »Hölle Nord«, der Bastion der Handballer der SG Flensburg-Handewitt. Für Freddy Kiwitt (28/3/18 KOs). Der Weltmeister nach Version der World Boxing Federation (WBF) will am Samstag seinen Titel verteidigen, den Gürtel im Superweltergewicht – und den der WBO Global hinzugewinnen.

Der Kampfabend »Flensburg boxt 2.0« hätte bereits Ende November stattfinden sollen. Kiwitt musste eine Woche vor seinem Main Event passen – krankheitsbedingt. Ein Virus hatte zugeschlagen, mit voller Wucht. »Ich musste zuvor noch nie eine Veranstaltung absagen, aber es ging nicht anders«, erzählt der Lokalmatador im Gespräch mit jW. Nun läuft aber alles nach Plan. Lange sei er nach dem Infekt im Trainingslager gewesen, er werde superfit in den Ring steigen – »und danach auch ein bisschen urlaubsreif sein«, sagt er augenzwinkernd. Boxen ist schließlich ein Knochenjob.

Robuster Kontrahent mit Deckungslücken

Kiwitts Kontrahent heißt – wie im November – Suleiman Jafaru. Der Nigerianer ist in robuster, druckvoller Fighter, der den Vorwärtsgang schätzt. Und dabei offene Flanken und Punkte bietet, kurz: Ziele. Kiwitt: »Ich werde Lücken, ich werde Löcher in seiner Deckung finden.« Dafür müsse er im Kampfverlauf fokussiert bleiben, die Linie behalten, den Gameplan umsetzen. Klappt das, klappt es auch mit dem Doppeltriumph, ist sich der »Pretty Boy« sicher.

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Aus der Distanz Kopftreffer setzen: eine Spezialität des »Pretty Boys« aus Flensburg

Bis zum ersten Gong ist noch viel zu tun, vieles streng durchgetaktet. »Stress pur«, wie Kiwitt sagt. Denn er ist nicht nur Hauptkämpfer. Der 35jährige ist zugleich Promoter (PWR Box Promotion) und Matchmaker, alles in Personalunion. Nebenbei organisiert er auch noch den Kampfabend vor heimischer Kulisse in Kooperation mit »Claussen Events« von Sebastian Claussen. Intensiv hat Kiwitt auf sein Ziel hingearbeitet. Jahrelang – und einige Rückschläge verkraften müssen. Gesundheitlich, sportlich. Dazu gleich.

Rückschläge – sportlich, gesundheitlich

Kiwitt wurde 1990 während des Bürgerkriegs im westafrikanischen Liberia geboren und kam wenig später nach Deutschland. Aufgewachsen ist er bei seinem deutschen Vater und seiner liberianischen Mutter in Flensburg. Der Spross begann mit dem Boxen beim DGF Flensborg, einem Klub der dänischen Minderheit. Als Spätstarter mit 18 Jahren. Nach mehrjähriger Amateurlaufbahn folgte der Wechsel auf die Insel, nach England – und ins Profilager. 2013 war das. Kein leichter Weg, einer mit vielen Hürden. Vom ersten Manager abgezockt, von Matchmakern als »White Fighter« auf Undercards gesetzt. »Ich kam, um zu verlieren, ich habe Kämpfe trotzdem gewonnen«, sagt er stolz.

Auf der Stelle treten ist nicht Kiwitts Sache. Nach und nach kamen die ersten Erfolge, etwa 2019 der WBO-EM-Titel und der der African Boxing Union (ABU). Ein Novum, Europa- und Afrikameister geworden zu sein. Der Durchbruch auf internationaler Ebene war es dennoch nicht. Die Coronakrise durchkreuzte weitere Pläne. Dazu eine folgenschwere Diagnose: Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. »Meine Ärzte meinten, dass war es für mich mit dem Boxen«, erinnert er sich. Der Schock saß tief, er habe bisweilen ans Aufhören gedacht. Aber Kleinbeigeben? Niemals. Kiwitt, physisch ein Wrack, mental ein Kraftpaket. Der Modellathlet mit dem Knacks arbeitete sich aus dem Tief. Und wie. Im November 2023 holt sich Kiwitt den vakanten WBF-Titel gegen den Venezolaner Luis Enrique Romero – vorzeitiger Sieg in Runde zehn. Eine starke Performance mit präzisen Treffern und stabiler Defensive. Im März 2025 folgte die erfolgreiche Titelverteidigung gegen Romeros Landsmann Evander Castillo – TKO in Runde neun.

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Boxer, Promoter und Matchmaker zugleich: Freddy Kiwitt ist ein Dauerbrenner

Rückenwind durch WM-Spektakel von Agit Kabayel

Und nun am Samstag? Ein Satz nach vorne, ein Sprung gen Spitze soll es werden. Statt wie sonst vor einigen Hundert nun vor einigen Tausend Zuschauern. »Die Tickets vom November bleiben gültig, der Run hält an«, betont Kiwitt. Wohl auch eine Folge des WM-Spektakels von Agit Kabayel vor ein paar Tagen in der ausverkauften Rudolf-Weber-Arena in Oberhausen.

Was steht in Flensburg auf dem Programm? »Fifty-Fifty-Fights vor allem«, sagt Kiwitt. Beispielsweise das Ringgefecht zwischen Menal Topcu (8/0) und Darian Yasar (14/1/1) um den WBF-EM-Titel im Weltergewicht. Vielversprechend dürfte auch der Auftritt von Supermittelgewichtler Alexander Chupil (15/0) sein, der den Tansanier Ajemi Amani Jr (22/7/2) zum Clinch erwarten wird. Arminius Rolle, Deutschlands jüngster Profiboxer aus Berlin, hat sich gleichfalls angesagt. Das 15jährige »German Wunderkind« will zum dritten Mal überzeugen, diesmal gegen den 46jährigen Routinier Marcel Kemnitz. Auf der Fightcard steht zudem das Schwergewicht Victor Faust (16/1/10 KOs). Der taktisch clevere Hühne vom Hamburger Promoter Erol Ceylan (EC Boxing) soll um den WBO-Interconti-Gürtel kämpfen.

Also: Kiwitt hat viel vor – in seiner Vielfachrolle. »Wir wollen in Flensburg kräftig Wind machen, Boxsport bestmöglich, erstklassig präsentieren.« Und das gelte nicht zuletzt für seinen eigenen Kampf. Im zweiten Anlauf. Wie geht’s aus? »Vorzeitig.« Denn schneller, stärker, selbstbewusster sei er als sein Gegenüber. Und: »Wenn ich ihn erst einmal richtig erwische, dann heißt es: Gute Nacht!«

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