Der Löwe und der Bär
Von Andreas Müller
Welch ein Feiertag fürs Eishockey. Mehr als 32.000 Zuschauer verfolgten am Sonnabend im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion beim diesjährigen »Winter Game« der Deutschen Eishockeyliga (DEL) die Begegnung zwischen den gastgebenden Eislöwen und den Berliner Eisbären.
Der Liganeuling aus Dresden ist aktuell das Schlusslicht der Tabelle und unterlag nach großem Kampf dem elfmaligen DEL-Champion und Titelverteidiger aus Berlin bei Frostgraden unter freiem Himmel mit 2:3. Liam Kirk besorgte nach 14 Sekunden in der Overtime den Siegtreffer. Zuvor hatte es für den Außenseiter gegen die Berliner in der Hauptstadt zwei Niederlagen gesetzt, ein 2:6 gleich zum Saisonauftakt im September und eine 1:5-Pleite Anfang Dezember.
Nun im dritten Ostderby der Saison der dritte Sieg für die Eisbären, die derzeit jeden Punkt dringend benötigen. Nach drei Vierteln der Hauptrunde stehen sie nur auf Rang sieben, mit fünf Punkten hinter Bremerhaven, und müssen um ihre direkte Qualifikation für die Playoffs fürchten. Den Eislöwen indes, mit Rang 14 dauerhaft am Tabellenende und satte zwölf Zähler hinter dem 13. aus Frankfurt, droht der sofortige Wiederabstieg. Das »Winter Game« war für die Sachsen vermutlich der Höhepunkt eines nur kurzen Gastspiels in der höchsten Liga. Zwar gewannen sie zu Beginn des neuen Jahres sensationell mit 5:2 beim Titelaspiranten in Mannheim, der Abstand zum rettenden Ufer wollte sich jedoch nicht verringern. Auch das »Winter Game« gab von der sportlichen Misere Zeugnis. Bis zwei Minuten vor Ende noch mit 2:1 in Führung, standen die Dresdner am Ende mit nur einem Pünktchen da.
»Die Idee, dieses besondere Match in Dresden auszutragen, haben die Eislöwen sehr schnell an uns herangetragen, nachdem feststand, dass sie in die DEL aufsteigen. Sämtliche Tickets waren binnen kurzer Zeit weg«, so der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gegenüber jW. »Und mit den Eisbären hatten sie den attraktiven Gegner dafür gleich mitgebracht.« Genau wie ihre Erfahrung, das Fußballstadion von Dynamo Dresden in eine Eishockeyarena zu verwandeln. Es war bereits das dritte Mal, dass dieses Open-Air-Ereignis im Rudolf-Harbig-Stadion stattfand. Die Premiere hatte Dresden im Januar 2016 erlebt, als in der DEL 2 die Eislöwen und die Lausitzer Füchse aus Weißwasser aufeinandertrafen.
Premiere in der DEL feierte das »Winter Game« am 5. Januar 2013 vor 50.000 Zuschauern im Fußballstadion von Nürnberg mit den Ice Tigers und den Berliner Eisbären als Gästen. Anschließend duellierten sich jeweils zu Beginn des Jahres unter freiem Himmel zunächst 2017 die Schwenninger Wild Wings und die Adler Mannheim, 2019 die Kölner Haie mit dem Lokalrivalen aus Düsseldorf sowie im Dezember 2022 Köln und Mannheim und vor Jahresfrist die Löwen Frankfurt mit den Adlern.
An die 800.000 Euro soll der Umbau des Rudolf-Harbig-Stadions für das Event samt Nebenkosten diesmal gekostet haben, und dennoch soll eine sechsstellige Summe als Gewinn übriggeblieben sein. »Das wirtschaftliche Risiko liegt immer beim Veranstalter, der zwar mehr Tickets als normal verkaufen kann, wegen des großen Aufwandes allerdings auch immense Mehrkosten zu bestreiten hat«, erklärt Gernot Tripcke. »Das nächste ›Winter Game‹ wird 2028 stattfinden. Das passt uns ganz gut in die Planung, weil wir damit den Sportkalender 2027 etwas entzerren. Im Januar findet ja die Handball-WM der Männer in Deutschland statt und im Mai in Düsseldorf und Mannheim die WM im Männereishockey.«
Das Vorbild fürs Open-Air-Spektakel als Reminiszenz an alte Zeiten, da dem Puck fast ausschließlich unter freiem Himmel nachgejagt wurde, stammt aus Übersee. In der nordamerikanischen Profiliga NHL hatten im September 1991 auf dem Parkplatz des Caesars Palace in Las Vegas die Los Angeles Kings und die New York Rangers vor rund 13.000 Zuschauern ein Vorbereitungsspiel für die anstehende neue Saison bestritten. Danach sollten über 16 Jahre vergehen, bis der »Winter Classic« regelmäßig zu Neujahr auf dem Spielplan stand. Zur Open-Air-Premiere 2008 trafen die Buffalo Sabres auf die Pittsburgh Penguins. Es dauerte noch sechs weitere Jahre, bis mit den Toronto Maple Leafs erstmals ein kanadisches Team bei diesem NHL-Ereignis dabei war. Am Neujahrstag 2014 strömten trotz Eissturm und Temperaturen von -11 Grad Celsius bei Spielbeginn 105.491 Zuschauer ins Footballstadion der University of Michigan, um dort den Sieg der Maple Leafs im Penalty Shootout gegen den alten Rivalen Detroit Red Wings zu erleben. Der bis heute gültige Weltrekord für ein Eishockeyspiel.
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