Aus Leserbriefen an die Redaktion
Gute Argumente
Zu jW vom 15.1.: »Kollektivsingular Marxismus«
Dem Argument wünsche ich bei der Fortführung unter neuer Leitung natürlich alles Gute! Stellt sich die Frage »Was tun?«, wird manchem nach der Lektüre sicherlich schwindelig. Mit Zuversicht entnehme ich der jW, dass sich der Anteil junger Revoluzzer an Demonstrationen und z. B. der Rosa-Luxemburg-Konferenz stetig erhöht. Was kann das Rüstzeug sein, das genug Stabilität gibt, um zu kämpfen und nicht gleich beim ersten Gegenwind umzufallen – und das man sich (unter Anleitung) in relativ kurzer Zeit aneignen kann? Ich empfehle das »Kommunistische Manifest« für unsere Geschichte und »Das Kapital. Erster Band«, um wissenschaftlich zu verstehen, dass das (Groß-)Kapital der Todfeind der Menschheit ist (täglich werden Leichenberge produziert): »Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt; die Erde und den Arbeiter.« Die heute wichtige nationale Frage/der Kolonialismus sind angelegt (Irland/Polen/Indien). Stößt man im Kampf auf Probleme, sucht man natürlich, sie zu verstehen/aufzulösen – so erweitern sich Blickfeld und Wissen (und man stößt evtuell auf das Argument). Anfangen, machen, tun, weitermachen!
Walter Lambrecht, Rostock
Mundtot
Zu jW vom 14.1.: »Warum wurde Ihr Konto gesperrt?«
»… und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens.« Während dieses Zitat aus der Apokalypse, das bei Marx im ersten Band von »Das Kapital« wohl für das Ende jeglicher Subsistenzwirtschaft und den vollständigen Übergang der warenproduzierenden Gesellschaft in die Herrschaft der Totalität der Geldform steht, kommt ihm in diesem Fall wieder dessen ursprünglicher Sinn zu. Niemand kann kaufen oder verkaufen, der die Ideologie und Narrative der Herrschenden in Frage stellt. Was sich hier fast noch als »Einzelfall« darstellt, könnte bald zum Schreckensszenario einer mundtot gemachten Öffentlichkeit werden. Einschüchternde Wirkung hat diese Maßnahme bis zur Aufhebung durch ein Gericht, das diese Bezeichnung verdient hätte, allemal. Aber was ist von der EU zu erwarten, die gerade vehement darum kämpft, weiterhin der Juniorpartner eines massenmörderischen, faschistoiden, weltumspannenden Monstrums zu bleiben? Das Schicksal Hüseyin Doğrus und seiner Kinder geht den verantwortlichen Politikern genauso nah wie das Schicksal jener, die im Namen von Menschenrechten und Demokratie überall auf der Welt geflissentlich befreit werden.
Oliver Sümnick, Hundsbach
»Verfängt nicht«
Zu jW vom 15.1.: »Kein ruhiges Hinterland«
Als ich vor vielen Jahren – ich war damals noch im Schuldienst tätig – während einer Bahnreise mich in das Gespräch eines jungen Bundeswehr-Offiziers einmischte, der die »Vorzüge« des Dienstes mit der Waffe mit Lobsprüchen bedachte, war von »Kriegstüchtigkeit« in der BRD noch keine Rede, aber ich wollte schon damals ein Lob des Wehrdienstes nicht unwidersprochen hinnehmen. Einer der wichtigsten Beiträge der diesjährigen RLK war für mich die Podiumsdiskussion gegen Aufrüstung »Nein zur Wehrpflicht« der jugendlichen Teilnehmer von Verdi-Jugend, SDAJ, Schulstreikkomitee und Linksjugend Solid. Einmütigkeit besteht gegen Kriegspropaganda im eigenen Land, gegen jede Art von Kriegsromantik, auch »Russophobie« verfängt bei den Jugendlichen nicht. Da versuchen die Kriegspropagandisten mit finanziellen Anreizen, gerade Jugendliche, denen das Geld für den Führerschein, für den gewünschten Ausbildungsplatz und/oder eine günstige Wohnung fehlt, zu gewinnen. Doch erpressen lässt sich eine gut informierte Jugend heute nicht. Sie weiß, dass im imperialistischen Staat auch »Zivildienst« zum kriegerischen, dazu noch schlecht bezahlten »Kriegshilfsdienst« wird. Und wer garantiert eine ruhige Ausbildungszeit mit der Waffe im Inland? Schon jetzt werden Rekruten ins Ausland geschickt, vorläufig angeblich zum »Schutz«, z. B. nach Grönland oder in die baltischen Staaten. Nein, ein »ruhiges Hinterland« gibt es nicht, das ist der heutigen selbstbewussten Jugend klar. Ich komme auf mein anfängliches Gespräch mit dem jungen, begeisterten Offizier zurück: Nachdem er seine Lobeshymnen auf den »Dienst an der Waffe« beendet hatte, stellte ich ihm die rhetorische Frage: »Und wenn Sie dann im Zinksarg zurückkommen?« Darauf gab er keine Antwort. Das Gespräch war beendet. Heute bleibt nur eins: Sagt nein zum Sterben und ja zum Leben!
Eva Ruppert, Bad Homburg
Deus vult
Zu jW vom 15.1.: »Der KI-Monarch«
Soll man es als Witz der Weltgeschichte auffassen oder als Irrsinn? Der größte, mächtigste und gewalttätigste Gottesstaat der Gegenwart, die Vereinigten Staaten von Amerika, deren Staatsräson »In God we trust« lautet, will die schiitische Theokratie des Iran, also auch so ein grausamer Gottesstaat, vernichten und einen Schahsohn zum neuen Monarchen machen. Dieser lebt angeblich nahe der CIA-Zentrale in Langley. Das passt doch, wenn man die CIA quasi als die göttliche Societas Jesu jenes Staates begreift, der »Gott auf seiner Seite hat«, wie der zweiundzwanzigjährige Bob Dylan 1963 erkannte (im Song »With God on Our Side«).
Emmo Frey, Dachau
Der mächtigste und gewalttätigste Gottesstaat der Gegenwart, die USA, deren Staatsräson »In God we trust« lautet, will die schiitische Theokratie des Iran, also auch so ein grausamer Gottesstaat, vernichten und einen Schahsohn zum neuen Monarchen machen.
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