Patient des Tages: Karl Marx
Von Matthias Rude
Seit 1971 steht der »Nischel« im Stadtzentrum von Karl-Marx-Stadt, respektive Chemnitz. 40 Tonnen Bronze, zweitgrößte Porträtbüste der Welt – nur ein Lenin-Kopf in Sibirien ist größer. Die Stirn nach vorn gerichtet, dahinter der Satz »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« Einst Monument, Programm, gesellschaftliche Verheißung.
Nach 1990 wurde daraus ein Prüfstein. Abriss? Verkauf? Entsorgung? Der Marx-Kopf wurde wie eine Altlast verhandelt. Am Ende blieb er – Wahrzeichen der »Stadt mit Köpfchen«, kulturindustriell ausgeschlachtet. Heute kommt die Chemnitz-Edition von »Monopoly« mit »Nischel«-Spielfigur.
Viel musste Marx mit ansehen – Stadtmarketingevents, rechte Aufmärsche. Künstlerinnen persiflierten das Denkmal mit der skulpturalen Installation eines »Darms« von Marx. Doch ganz sicher, ob die marxsche Theorie am Ende gesellschaftlich verdaut und ausgeschieden ist, war man sich in der BRD nie.
Jetzt soll ihm in den Kopf geschaut werden. Die Schädeldecke wird abgehoben, das Stahlgerüst im Inneren kontrolliert. Ein »Gesundheitscheck« stehe an, so der MDR; falls Marx »verkalkt oder inkontinent« sei, solle er »operiert« werden.
Den Deutschen wollte Marx keinen Augenblick der Selbsttäuschung und Resignation gönnen: Jeder gesellschaftliche Schandfleck sei zu schildern – »man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!« Heute plagt sich der Chemnitzer Geschichtsverein mit Zweifeln: »War Karl-Marx-Stadt ein Irrtum der Geschichte oder gar ein Schandfleck?«
Doch verkalkt ist nicht der Marxismus. Der Kapitalismus pfeift aus dem letzten Loch, ganz so, wie Marx es prognostizierte. Was sich einst in diesem Kopf formierte, ist widerstandsfähig. So blickt der versteinerte Marx weiter auf die Verhältnisse und übt sich in revolutionärer Geduld – bald grundsaniert.
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