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Aus: Ausgabe vom 17.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Roter Teppich für Mörder

Staatsbesuch von Al-Scharaa in Berlin
Von Nick Brauns
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Bleibt seiner blutigen Vergangenheit mit Anzug und gestutztem Bart treu: Syriens Gewaltherrscher Al-Scharaa (Doha, 6.12.2025)

An den Flughäfen Hannover und Stuttgart haben Spezialkräfte der Polizei zwei Männer festgenommen, die schwere Gewalttaten vorbereitet haben sollen. Die beiden Islamisten wollten nach Syrien reisen, um sich dort für Kämpfe im Ausland ausbilden zu lassen, wie Ermittlungsbehörden am Freitag mitteilten.

Während bei den so möglicherweise verhinderten Attentätern die Handschellen schnappten, wird dem Herrscher über die syrischen Terrorcamps am Montag in Berlin der rote Teppich ausgerollt. Kanzler Friedrich Merz, der Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa empfängt, hofft auf einen »Neustart«, schon, um Hunderttausende Flüchtlinge in das verwüstete Land abschieben zu können.

Die Blutspur des früheren Anführers von Al-Qaida und »Islamischem Staat«, der sich von seinen Warlords zum »Übergangspräsidenten« ausrufen ließ, ist lang. Sie reicht vom Genozid an den Jesiden im Irak über die Vertreibung der Kurden aus Afrin bis zur Massakrierung von Alawiten und Drusen sowie der Bombardierung kurdischer Wohngebiete in Aleppo in der vergangenen Woche durch seine nunmehr als Regierungstruppen firmierenden Kopfabschneider.

All das ficht die Bundesregierung, die den Regime-Change-Krieg gegen Syriens säkularen, aber mit ihren geopolitischen Rivalen Russland und Iran verbündeten Machthaber Baschar Al-Assad aktiv unterstützt hat, nicht an. Schließlich erweist sich ­Al-Scharaa als Verbündeter des NATO-Partners Türkei und ist unter Verzicht auf die territoriale Integrität seines Landes zugleich bereit zum Frieden mit Israel.

Für die Doppelmoral der Regierenden, die eben noch zur Diffamierung von Protesten gegen den Genozid in Gaza eine »links-islamistische Querfront« herbeiphantasiert haben, ist diese Umarmung eines dschihadistischen Gewaltherrschers zwar entlarvend. Erstaunen sollte sie nicht. Schließlich dienen die Gotteskrieger seit Jahrzehnten als westliche Hilfstruppen – von Afghanistan in den 1980er Jahren über den Balkan in den 1990er Jahren bis Libyen und eben Syrien. Und wenn sie – siehe »9/11« – doch einmal die Hand beißen, die sie füttert, dann liefern sie zumindest einen Vorwand für Kolonialkriege »gegen den Terror« und die Einsetzung neuer Repressionsinstrumente im Inland.

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