Roter Teppich für Mörder
Von Nick Brauns
An den Flughäfen Hannover und Stuttgart haben Spezialkräfte der Polizei zwei Männer festgenommen, die schwere Gewalttaten vorbereitet haben sollen. Die beiden Islamisten wollten nach Syrien reisen, um sich dort für Kämpfe im Ausland ausbilden zu lassen, wie Ermittlungsbehörden am Freitag mitteilten.
Während bei den so möglicherweise verhinderten Attentätern die Handschellen schnappten, wird dem Herrscher über die syrischen Terrorcamps am Montag in Berlin der rote Teppich ausgerollt. Kanzler Friedrich Merz, der Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa empfängt, hofft auf einen »Neustart«, schon, um Hunderttausende Flüchtlinge in das verwüstete Land abschieben zu können.
Die Blutspur des früheren Anführers von Al-Qaida und »Islamischem Staat«, der sich von seinen Warlords zum »Übergangspräsidenten« ausrufen ließ, ist lang. Sie reicht vom Genozid an den Jesiden im Irak über die Vertreibung der Kurden aus Afrin bis zur Massakrierung von Alawiten und Drusen sowie der Bombardierung kurdischer Wohngebiete in Aleppo in der vergangenen Woche durch seine nunmehr als Regierungstruppen firmierenden Kopfabschneider.
All das ficht die Bundesregierung, die den Regime-Change-Krieg gegen Syriens säkularen, aber mit ihren geopolitischen Rivalen Russland und Iran verbündeten Machthaber Baschar Al-Assad aktiv unterstützt hat, nicht an. Schließlich erweist sich Al-Scharaa als Verbündeter des NATO-Partners Türkei und ist unter Verzicht auf die territoriale Integrität seines Landes zugleich bereit zum Frieden mit Israel.
Für die Doppelmoral der Regierenden, die eben noch zur Diffamierung von Protesten gegen den Genozid in Gaza eine »links-islamistische Querfront« herbeiphantasiert haben, ist diese Umarmung eines dschihadistischen Gewaltherrschers zwar entlarvend. Erstaunen sollte sie nicht. Schließlich dienen die Gotteskrieger seit Jahrzehnten als westliche Hilfstruppen – von Afghanistan in den 1980er Jahren über den Balkan in den 1990er Jahren bis Libyen und eben Syrien. Und wenn sie – siehe »9/11« – doch einmal die Hand beißen, die sie füttert, dann liefern sie zumindest einen Vorwand für Kolonialkriege »gegen den Terror« und die Einsetzung neuer Repressionsinstrumente im Inland.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (18. Januar 2026 um 08:38 Uhr)Einem, der für einen die Drecksarbeit macht, darf man schon den roten Teppich ausrollen.
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Leserbrief von CMF aus Ehemalige Friedensstadt OS (17. Januar 2026 um 17:13 Uhr)Vorweg, ich denke es ist mehr als fair, Al-Julani, den »Golaner« mit dem Namen anzusprechen, dem er seine Position als Diktator des Gebiets der syrischen arabischen Republik verdankt. Es ist in meinen Augen ebenfalls fair, den Mann Diktator zu nennen, folgt er doch derselben Praxis des unsterblichen Julius, welcher sich ebenso erbat, das Amt des Heerführers einige Jahre länger wahrzunehmen. Viele Fragen könnten hiesige Behörden an den Golaner stellen: Was wusste er von dem Bombenanschlag auf den türkischen Grenzübergang Reyhanli 2013? War er involviert in die Attentate in Aleppo, Homs, Damaskus bis Tartus bis 2016? Wie tief involviert war er in die Schießbefehle der Kapitäne seiner unzähligen Landsknechthaufen, welche den Häuserkampf in Großstädte trugen und mit Raketen, Mörsern und Untertunnelung zur Zerstörung dieser beitrugen? Wie viele »Lenkwaffen des armen Mannes« – nein, arme Männer als Lenkwaffen sprich: Selbstmordattentäter befahl er in den sicheren Tod? Theo Padnos, der sich zwischen 2012 und 2014 in Geiselhaft von dessen Schergen befand, legte auch beredtes Zeugnis darüber ab, welche Art Ganoven und Schläger sich zu den Fahnen der Nusra-Front, Front des Sieges dieses Mannes bekannten. Was ist das letztliche Schicksal dessen Mitgefangener, sowohl abwegiger ausländischer Kämpfer, syrischer Armeeangehöriger wie auch Zivilisten, deren Todsünde der »falsche« Glaube war? Wollte die zweite Wahl Merz eine richtige Lektion vom nackten imperialen Gehabe der USA dieser Tage mitnehmen, er würde Herrn Julani einbehalten. Immerhin kommt der Kriegsverbrecher in diesem Fall direkt zu ihm, und auf einen Nachfolger dürften sich die Sponsoren des Landsknechtregimes in Damaskus einigen können.
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