Wie kann diese Solidarität aussehen?
Interview: Mahir Sahin
Wie steht es um die Arbeitsbedingungen am Digel-Produktionsstandort in der Türkei?
Bei Digel Tekstil sind die Arbeitsbedingungen sehr schlecht. Das Arbeitstempo ist sehr hoch. Gewerkschaftsrechte werden eingeschränkt. Diejenigen, die sich in der Gewerkschaft organisieren, werden bedroht, unter Druck gesetzt oder sogar gekündigt. Es gab Mobbingvorfälle im Betrieb, die von uns auch protokolliert worden sind. Die Digel-Beschäftigten organisieren sich, weil sie nicht mehr für einen Niedriglohn arbeiten wollen. Es existiert ein enormer Arbeitsdruck. Das sind die Gründe, warum die Kolleginnen und Kollegen sich bei uns organisieren und wir gemeinsam diese Zustände verändern wollen. Die Beschäftigten wollen Respekt, bessere und sichere Arbeitsbedingungen.
Was für eine Gewerkschaft ist die Teksif?
Die Teksif gibt es seit 1947. Sie ist Mitglied der internationalen Gewerkschaftsföderation Industriall Global Union. In der Türkei gehört Teksif der Gewerkschaftskonföderation Türk-İş an. Insbesondere in der Textil- und Bekleidungsbranche ist unsere Gewerkschaft gut organisiert. Grundprinzip der Teksif ist die Verteidigung der ökonomischen, sozialen und gewerkschaftlichen Rechte.
Wo befindet sich die Fabrik, und was wird dort produziert?
Digel produziert in der Fabrik in İzmir unter anderem Herrenanzüge und Konfektionsware. Man produziert für das deutsche Unternehmen Digel mit Sitz in Nagold. Die Ware wird auf dem internationalen Markt verkauft. Von den knapp 400 Beschäftigten sind 70 Prozent Arbeiterinnen.
Seit wann läuft der gewerkschaftliche Kampf bei Digel?
Die Beschäftigten sind seit Januar 2025 bei uns organisiert. Wir haben die Bestätigung der gewerkschaftlichen Vertretung von den Behörden bekommen, nachdem sich mehr als 50 Prozent der Beschäftigten im Betrieb organisiert haben. Jedoch hat das Unternehmen das nicht anerkannt und blockiert jegliche gewerkschaftliche Betätigung. Man hat den führenden 15 gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen und Arbeitern gekündigt, damit die Gewerkschaft unter die fünfzigprozentige Organisationsgrenze rutscht und nicht mehr offiziell im Betrieb agieren kann. So darf eine Gewerkschaft keinen Tarifvertrag verhandeln und im Betrieb tätig werden. Es wurde eine Klage in Ankara statt in İzmir eingereicht, um bewusst alles in die Länge zu ziehen. Wir konnten allerdings schon juristisch gegen den Arbeitgeber eine Geldstrafe durchsetzen. Die Beschäftigten sind jetzt seit einem Jahr im Kampf und sind fest entschlossen, weiter für gewerkschaftliche Rechte einzustehen.
Was fordern die Arbeiterinnen und Arbeiter?
Die Anerkennung der Gewerkschaft im Betrieb und die sofortige Aufhebung der Repressionen gegenüber Gewerkschaftsmitgliedern. Die Aufhebung aller Hürden gegenüber Gewerkschaftsrechten. Sie fordern bessere und sicherere Arbeitsbedingungen.
Gibt es Unterstützung in dieser Auseinandersetzung?
In der Türkei gibt es von Frauenorganisationen, Gewerkschaften und anderen Verbänden Unterstützung. Wir haben als Teksif auch schon etliche Aktionen und Kundgebungen durchgeführt. Vor der Fabrik gibt es seit einem Jahr ein Aktionszelt von Gewerkschaftsaktivisten. Internationale Solidarität gibt es auch, zum Beispiel durch die Clean-Clothes-Kampagne, Verdi Stuttgart und die Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF) aus Deutschland. Wir brauchen aber dringend mehr internationale Solidarität. Mit unserer direkten deutschen Schwestergewerkschaft, der IG Metall, stehen wir in Kontakt, aber haben leider noch keinerlei Unterstützungszusage, obwohl die IG Metall in Nagold als Gewerkschaft im Betrieb organisiert ist und es dort auch einen Betriebsrat gibt. Die Kolleginnen und Kollegen bei Digel in İzmir brauchen dringend Unterstützung aus Deutschland.
Wie kann diese Solidarität aussehen?
Wir hoffen auf eine intensivere Unterstützung aus der deutschen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Der Kampf bei Digel in İzmir muss mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die IG Metall, aber auch andere Organisationen und Gewerkschaften sollten den Druck auf Digel in Nagold erhöhen. Die miesen Arbeitsbedingungen in der Fabrik in İzmir sollten entlarvt und öffentlich gemacht werden. Die deutsche Unternehmensführung in Nagold muss Druck spüren und endlich Verantwortung übernehmen. Die internationale Solidarität – gerade durch Gewerkschaften – ist von immenser Bedeutung.
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