Neuer China-Schock
Von Arnold Schölzel
Chinas Außenhandel hat 2025 mit einem Überschuss von 1,2 Billionen US-Dollar abgeschlossen. Das entspricht ungefähr der Wirtschaftsleistung Saudi-Arabiens und ist ein neuer Rekord; 2024 lag der Überschuss bei 990 Milliarden US-Dollar, 2023 bei 822 Milliarden. Nach Daten des chinesischen Zolls vom Mittwoch stiegen die Exporte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent auf einen Gesamtwert von rund 3,8 Billionen US-Dollar an. Die Importe beliefen sich unverändert auf rund 2,6 Billionen US-Dollar.
Die Volksrepublik, die 2009 von Deutschland die »Exportweltmeisterschaft« übernahm, lag mit ihren Ergebnissen weit über den Schätzungen sogenannter Analysten und löste hierzulande säuerliche bis giftige Reaktionen aus. So versah dpa die Meldung aus Beijing mit dem Kommentar: »Die Bilanz macht auch die Schieflage in der chinesischen Wirtschaft deutlich, die viel produziert und in den Weltmarkt exportiert, jedoch wegen der schwachen Nachfrage im Inland wenig aus dem Ausland einführt.« Solange die deutsche Exportwalze zahlungsfähige Länder zu Schuldnern machte, wurden ähnliche Hinweise aus der EU oder von internationalen Institutionen abgebügelt. Das deutsche Geschäftsmodell basierte im Verhältnis zur hohen Arbeitsproduktivität auf Dumpinglöhnen und jahrelangem Reallohnrückgang. Insbesondere die deutsche Autoindustrie erzielte international und in China enorme Gewinne, machte aber wenig daraus. Am Dienstag wurde bekannt: Sie verkaufte dort 2025 weniger als 3,9 Millionen Fahrzeuge – ungefähr der Stand von 2012. Tendenz fallend.
Angesichts der internationalen Lage äußerte sich aber auch Wang Jun, Vizeminister der Zollbehörde Chinas, am Mittwoch in Beijing vorsichtig zu den Aussichten 2026: »In bezug auf die Lage des Außenhandels in diesem Jahr fehlt dem globalen Handelswachstum allgemein gesagt Dynamik, und das äußere Umfeld für die Entwicklung des chinesischen Außenhandels bleibt schwierig und komplex.« Im vergangenen Jahr brachen die chinesischen Exporte in die USA auf Grund der Trumpschen Strafzölle um etwa 20 Prozent ein. Besonders stark legten sie nach Afrika (25,8 Prozent) und nach Südostasien (13,4 Prozent) zu. Nach Deutschland exportierte China 10,5 Prozent mehr (118,3 Milliarden US-Dollar); die Importe von hier sanken um 2,1 Prozent auf 92,8 Milliarden US-Dollar. Seit Oktober ist China damit wieder Deutschlands Handelspartner Nummer eins und löste die USA ab.
Besonders allergisch reagierte das industrienahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf die Nachrichten aus Beijing: »China stabilisiert seine Wirtschaft auf Kosten des Auslands. In Verbindung mit einem staatskapitalistischen System, das den Wettbewerb massiv verzerrt, ist absehbar, dass sich Chinas Handelspartner das nicht mehr lange gefallen lassen.« Dem stand entgegen, dass die EU am Tag zuvor auf Zollaufschläge für in China produzierte E-Autos verzichtet hatte. Es sollen nun Mindestpreise festgesetzt werden.
Offenbar schlägt bei einigen im deutschen Kapital der zweite China-Schock (nach dem, der auf Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2002 folgte) in Panik um. Das Handelsblatt kommentierte am Mittwoch dagegen sachlich: »China ist nicht mehr die Werkbank der Welt, sondern eine Wirtschaftsmacht auf Augenhöhe, die technologisch längst mit den ›Hidden Champions‹ des deutschen Mittelstands mithalten kann.« Am Vortag hatte die Zeitung berichtet, China erfinde »das Stromnetz der Zukunft« und mache seinen technischen Vorsprung bei der Installation von Stromübertragungsleitungen über Tausende Kilometer zum Exportschlager.
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