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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 15 / Antifaschismus
Neofaschisten in Italien

Feier mit Vergangenheit

Anhänger der Regierungspartei bei faschistischem Gedenken in Rom. Meloni plant Justizreform
Von Gerhard Feldbauer
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Anhänger der Bewegung »Casa Pound« und weitere Faschisten versammelten sich am 7. Januar im römischen Stadtteil Tuscolano

Am 7. Januar versammelten sich in der Via Acca Larentia in Rom Hunderte Faschisten zu einer Gedenkfeier. Mit dem »römischen Gruß«, dem erhobenen rechten Arm, mit dem sich einst Mussolini und Hitler feiern ließen, gedachten sie zweier Aktivisten der Jugendorganisation des Movimento Sociale Italiano (MSI). Diese waren an diesem Tag im Jahr 1978 bei Auseinandersetzungen mit Antifaschisten ums Leben gekommen. Die Feier fand vor dem früheren Sitz des MSI statt.

Die Atmosphäre jener Jahre kenne ich aus eigener Erfahrung. Seit 1973 war ich als Korrespondent der Nachrichtenagentur ADN in Rom tätig. 1974 wurden die Kommunisten mit 34 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft hinter der Democrazia Cristiana (DC). Ihr Generalsekretär Enrico Berlinguer begann daraufhin mit DC-Chef Aldo Moro eine Regierungszusammenarbeit – den sogenannten »historischen Kompromiss«.

Die extreme Rechte reagierte mit einer offenen Kampfansage. Auf dem MSI-Parteitag 1977 rief Parteichef Giorgio Almirante, einst Staatssekretär Mussolinis, zum Sturz der DC-Regierung auf. Er forderte eine »chilenische Lösung« für Italien nach dem Vorbild des Militärputsches von Augusto Pinochet im Jahre 1973. In Süditalien schürte der MSI bürgerkriegsähnliche Zustände. Der Parteistratege Pino Rauti prahlte später offen damit, man habe »morgens, mittags und abends in aller Ruhe jeden umbringen können«, der sich ihnen widersetzte.

Der MSI war die direkte Nachfolgepartei von Mussolinis Faschisten. Aus ihm ging die heutige Regierungspartei Fratelli d’Italia (FdI) hervor, deren Vorsitzende und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist. Meloni war damals selbst Leiterin der MSI-Jugendorganisation.

Vor diesem Hintergrund waren die diesjährigen Gedenkfeiern besonders stark von Anhängern der FdI geprägt. Das war kein Einzelfall. Schon im Dezember 2025 hatte Meloni auf dem Jugendfestival der Partei in Rom für ihre Wiederwahl geworben. Dort wurde auch die Gründung der FdI im Jahr 2012 gefeiert – ausdrücklich als Nachfolgeorganisation des MSI, mit dessen Symbol: der Flamme, die angeblich die Seele des »Duce« aus seinem Grab aufsteigen lässt.

Doch Meloni steht unter Druck. Der Widerstand gegen ihre Politik wächst: gegen die Wiederbewaffnung, den enormen Sozialabbau, ihre Unterstützung für Israels Krieg in Gaza, den Ukraine-Krieg und zuletzt gegen ihre Billigung der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch US-Truppen. Bei mehreren Regionalwahlen im Jahr 2025 konnte sie das Mitte-links-Lager nicht überall schlagen. Der Sender RAI News sprach von »Erdrutschsiegen« der Opposition in Apulien und Kampanien. Zwar gewann Meloni in den Marken und in Kalabrien, doch die traditionell linke Toskana blieb bei Mitte-Links. Der Ausgang der Parlamentswahlen 2027 ist offen.

Um ihre Macht zu sichern, treibt Meloni eine Justizreform voran sowie das sogenannte Premierato: die Direktwahl der Regierungschefin und eine automatische Parlamentsmehrheit für die stärkste Partei. Begleitet wird dies von der Mobilisierung faschistischer Straßengruppen. Die Jugendorganisation ihrer Partei greift Schülerproteste an. Nicht zufällig kam es am 7. Januar auch zu einem Anschlag auf die Zentrale der Gewerkschaft CGIL im römischen Stadtteil Primavalle – Einschusslöcher wurden in sämtlichen Fenstern entdeckt.

Sollte Meloni das geplante Referendum über die Verfassungsänderung verlieren, hat sie bereits angekündigt, nicht zurückzutreten. Welche Mittel sie dann einsetzen würde, um an der Macht zu bleiben, ist offen.

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