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Aus: Ausgabe vom 13.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Auftrag erfüllt

Neue deutsche Panzer für Ukraine
Von Arnold Schölzel
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»Lynx«-Schützenpanzer auf einer Messe im tschechischen Brno (6.10.2021)

Am Montag berichtete Rheinmetall in einer Pressemitteilung, »bereits Anfang 2026« solle die Ukraine »erste Lynx-KF41-Schützenpanzer erhalten«. Der Vertrag sei im Dezember 2025 unterzeichnet worden, der Auftragswert für die ersten fünf Gefechtsfahrzeuge belaufe sich »auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, wobei die Systeme durch die Bundesrepublik Deutschland finanziert werden«. Keine deutschsprachige Nachrichtenagentur griff bis jW-Redaktionsschluss die Meldung auf, einige Dutzend Millionen Euro für aus dem Bundeshaushalt finanzierte Waffenlieferungen erscheinen möglicherweise heute lächerlich wenig – lediglich die russische TASS und einige Fachportale zitierten die Konzerninformation.

Das Motiv fürs Schweigen dürfte woanders liegen: Seit Beginn des Krieges im Jahr 2014 durch die Angriffe der Putschisten in Kiew mit Bomben, Artillerie und Panzern auf die russischsprachige Bevölkerung des Donbass gilt hierzulande als erste Sprachregel: »Wir« führen keinen Krieg gegen Russland. Nur die übereifrige Annalena Baerbock verplapperte sich mal. Der amtierende Oberbefehlshaber Friedrich Merz formulierte im September 2025 vage: »Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.« Das bietet ungefähr so viel Spielraum von nichts bis zu allem wie jede Aussage von Donald Trump. Und hat ungefähr so viel Wahrheitsgehalt wie die zweite Sprachregel seit 2014: In Kiew sitzen keine Nationalisten und Faschisten in entscheidenden Regierungsämtern.

Fest steht: Die wurden von den USA nicht nur dorthin gehievt, sondern auch mit Waffen im Milliardenwert ausgestattet. Deutschland machte mit, muss aber nun die Summen zusammen mit den Westeuropäern selbst aufbringen – als »Führungsnation«. Da fällt eine zweistellige Millionensumme kaum ins Gewicht.

Der Vorgang besagt: Die aus der deutschen Staatskasse finanzierte Aufrüstung Kiews läuft fast geräuschlos, die halbamtlichen Medien – das sind westliche, staatlich subventionierte Nachrichtenagenturen durchweg – beweisen ihre Kriegstüchtigkeit. Auftrag erfüllt.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (13. Januar 2026 um 10:20 Uhr)
    Offenbar ist Eile geboten – schließlich bietet der Krieg das »beste Testfeld«, um neue Schützenpanzer unter realen Gefechtsbedingungen zu erproben. Wo ließe sich die Leistungsfähigkeit eines Waffensystems besser demonstrieren als im laufenden Krieg? Bezeichnend ist zudem die Informationspolitik: Friedrich Merz ließ nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler verlauten, Deutschland werde künftig nicht mehr offenlegen, welche Waffenlieferungen an die Ukraine erfolgen. Transparenz wird damit bewusst aufgegeben – ein weiterer Schritt hin zu einer nahezu geräuschlosen, staatlich finanzierten Kriegsbeteiligung.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (13. Januar 2026 um 07:23 Uhr)
    Millionen, Milliarden für die Rüstung, für die Aktionäre der Waffenschmieden. Und im Gegensatz dazu leiden Zehntausende Menschen als Obdachlose unter der derzeitigen grimmigen Kälte, gehen Rentner Flaschen sammeln oder containern. Für diese Menschen ist kaum Geld da oder noch schlimmer: An diesen Menschen wird auch noch weiter gespart. Eine »Armee«, der das Notwendigste fehlt – kein Dach über dem Kopf, Hilfe bei Bahnhofsmissionen oder bei anderen auf Spenden angewiesenen Hilfsorganisationen suchen und hoffentlich finden. Künstler wie Frank Zander organisieren Weihnachtsessen für Bedürftige. Und alles unter Regierungsparteien, die entweder »christlich« oder »sozial« im Namen führen. Diese Begriffe werden durch dieses Politikversagen zur Worthülse. Dafür wird ein großer Teil des Staatshaushaltes für zukünftigen Schrott ausgegeben. In den Chefetagen und bei den Aktionären von Rheinmetall, KMW und anderen knallen die Champagnerkorken. Wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen? Wir brauchen keinen Winter, um diese Regierung und ihre Hintermänner an diesem Raubbau am Sozialsystem zu hindern. Wir brauchen den Mut der Verzweifelten und deren Wut auf dieses System. Georg Büchner im Hessischen Landboten von 1834: »Friede den Hütten – Krieg den Palästen«. Nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand, es ist endgültig Zeit.

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