Wertvernichter des Tages: Donald Trump
Von Jörg Tiedjen
Umbaukosten von 2,5 Milliarden US-Dollar für die Zentrale der US-Notenbank Federal Reserve, das ist schon eine Stange Geld. Wenn aber Donald Trump vorgibt, »Verschwendung« und »Korruption« zu wittern, und, wie es scheint, Fed-Chef Jerome Powell vor Gericht zerren will, dann sollte er sich zunächst einmal an die eigene Nase fassen: Was ist zum Beispiel mit dem Ballsaal des Weißen Hauses? Der soll mit immerhin 400 Millionen Dollar zu Buche schlagen. Oder mit dem goldenen »Trump-Tower« in der grönländischen Hauptstadt Nuuk, ein Vorhaben, mit dem der US-Präsident schon am Ende seiner ersten Amtszeit liebäugelte? Jetzt droht er sogar mit einem Militäreinsatz, der das Kriegsbündnis NATO vor die Zerreißprobe stellen würde – ein recht hoher Preis.
Aber natürlich geht es gar nicht um die Frage, ob die Fed-Renovierung überteuert ist. Es geht um einen Richtungsstreit: hier die schnöde Expertise Powells, dort die kühnen Träume Trumps. Angeblich steht der nach wie vor nicht weisungsgebundene Powell kurz davor, zur Sanierung des US-Dollars den Leitzins anzuheben. Trump dagegen drängt seit Beginn seiner neuen Amtszeit darauf, den Zins herabzusetzen, um die Wirtschaft mit »billigem Geld« anzukurbeln. Zugleich will er die Pseudowährung Bitcoin international als Dollar-Ersatz etablieren.
Eine geniale Idee, denn so könnten am Ende die gigantischen US-Staatsschulden abgebaut bzw. entwertet werden. Internationaler Zahlungsverkehr nur noch mit virtuellem Geld, die US-Währung in die zweite Reihe delegiert – und schon würden insbesondere Russland und China, die riesige Dollar-Reserven gehortet haben, auf wertlosem Plunder in ihren Tresoren sitzenbleiben. Ob der Plan aufgeht? Vielleicht geht er auch nach hinten los, und alle »US-Werte« zerbröseln. So wie es schon bei Freedom und Democracy der Fall ist.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (12. Januar 2026 um 20:23 Uhr)Der gute Donald ist nun wirklich nicht für alles verantwortlich, den wertlosen Dollar hat er geerbt. Das Rumpelstilzchen im Weisen Haus findet nur keine Magd, die Gold spinnen kann, und dass jeder seinen Namen kennt, dafür sorgt er höchstpersönlich. Vielleicht findet sich wer, der ihm erklärt, dass mit entwerteten russischen US-Dollar-Reserven keine Waffen für die Ukraine gekauft werden können. Darüber hinaus müsste er einige Leute davon überzeugen, dass sie ihm für wertlose Bitcoins (oder was immer) Gebrauchswerte aushändigen. Nach meiner Einschätzung wird in Zukunft das US-Zahlungsmittel im Außenhandel das eiserne Scheckbuch und blaue Bohnen sein. Rückzahlungen könnten allerdings in gleicher Münze erfolgen.
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