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Aus: Ausgabe vom 12.01.2026, Seite 6 / Ausland

Gaza vor neuer Militäroffensive Israels

Tel Aviv. Israels Armee bereitet sich ungeachtet der vereinbarten Waffenruhe im Gazastreifen Medienberichten zufolge auf eine mögliche neue Offensive gegen den Gazastreifen vor. Die Armee habe Pläne für einen möglichen Einsatz im März in der Stadt Gaza im Norden des Küstenstreifens ausgearbeitet, meldete die Times of Israel (ToI) am Samstag abend unter Berufung auf einen israelischen Offiziellen und einen arabischen Diplomaten. Auch das Wall Street Journal hatte zuvor über entsprechende Pläne berichtet. Derweil sind seit der »Waffenruhe« vom 10. Oktober 2025 mehr als 440 Palästinenser getötet worden, laut der Gesundheitsbehörde in Gaza überwiegend Zivilisten, sowie drei israelische Soldaten. Ein Hamas-Vertreter erklärte am Sonntag gegenüber Reuters, die Gruppe habe die Vermittler aufgefordert einzugreifen, um »die täglichen Tötungen durch Israel, die darauf abzielen, das Waffenstillstandsabkommen zu unterlaufen«, zu beenden. Am selben Tag meldeten die Behörden in der palästinensischen Enklave, dass bei zwei separaten Vorfällen mindestens drei Palästinenser durch israelisches Feuer getötet worden seien.

Der neue Plan sieht laut ToI vor, die sogenannte gelbe Linie, die die Rückzugsposition der israelischen Armee im Rahmen der Waffenruhe markiert, weiter westlich Richtung Küste zu verschieben und so die Kontrolle der Armee über das Gebiet auszuweiten. Eine erneute Militäroffensive Israels gegen die Hamas könne jedoch nicht ohne Unterstützung der USA durchgeführt werden, wurde ein arabischer Diplomat zitiert. Schon jetzt kontrolliert die Armee mehr als 50 Prozent der Enklave. Dem Wall Street Journal zufolge bereitet sich auch die Hamas auf erneute Kämpfe vor. Sie sei zwar bereit, ihre verbleibenden Bestände an schweren Waffen abzugeben, wolle jedoch ihre Handfeuerwaffen nicht niederlegen, zitierte die US-Zeitung arabische Offizielle.

Derweil erlag am Sonntag ein weiteres Baby der anhaltenden kalten Witterung im Gazastreifen, in der die knapp zwei Millionen Menschen zu großen Teilen in provisorischen Zelten versuchen zu überleben. Der zwei Monate alte Mohammed Abu Harbid ist laut Al-Dschasira damit das vierte erfrorene Kleinkind seit November. Am Freitag hatte auch UNICEF-Sprecher James Elder vor Ort die dramatische Lage angeprangert: »Wir stehen in bitterer Kälte umgeben von windgepeitschten Zelten und noch immer Geräusche von Explosionen und Schüssen«, erklärte der UN-Offizielle in einem Video. (dpa/jW)

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