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Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Private Raumfahrt

Imperialismus im Orbit

China wehrt sich vor Sicherheitsrat gegen Positionierung von Starlink-Satelliten über seinem Territorium. Konzern expandiert aggressiv
Von Kurt Terstegen
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Als wäre ein Raketenstart nicht kompliziert genug: Starlink-Satelliten behindern zunehmend Raumfahrtprogramme

Der US-Konzern Space X will weitere Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn positionieren – unter anderem über dem Territorium Chinas. Beijing wertet dies als Bedrohung, hat in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates vergangene Woche die aggressive Expansion des Unternehmens scharf kritisiert und vor gravierenden sicherheitspolitischen Folgen gewarnt, wie die South China Morning Post zu Jahresbeginn berichtete. Das satellitengestützte Kommunikationsnetz Starlink, die Telekommunikationstocher des Elon Musk gehörenden Konzerns Space X, stelle eine neue Form militärisch-strategischer Dominanz im All dar, so die chinesische Delegation.

Die Volksrepublik wirft Space X vor, mit seinen Satelliten wiederholt den chinesischen Luftraum sowie angrenzende Orbitzonen verletzt und damit Risiken für zivile und militärische Infrastruktur in Kauf genommen zu haben. Sicherlich auch angesichts der immer aggressiveren »Regime-Change«-Töne Washingtons in alle Richtungen warnt die chinesische Regierung vor einer gezielten Destabilisierung souveräner Staaten durch privatwirtschaftlich organisierte Weltraumtechnologie. Starlink betreibt bereits mehrere tausend Satelliten im Erdorbit; langfristig plant der Konzern den Aufbau eines Netzes von Zehntausenden Einheiten. Die angekündigte Stationierung weiterer Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen über chinesischem Territorium wertet Beijing als Verletzung seiner territorialen Souveränität.

Der chinesische Vertreter im Sicherheitsrat erinnerte an einen Zwischenfall im Dezember, bei dem ein Starlink-Satellit im Orbit in mehr als hundert Trümmerteile zerbrach. Diese stellten insbesondere für Raumfahrzeuge von Staaten des globalen Südens eine erhebliche Gefahr dar, da diese häufig über eingeschränkte Möglichkeiten zur Steuerung ihrer Umlaufbahnen verfügten und langsamer auf Bedrohungen reagieren könnten. Ebenfalls im Dezember war es beinahe zu einer Kollision zwischen einem Starlink-Satelliten und einer chinesischen Raumfahrtrakete gekommen.

China beruft sich auf den seit 1967 geltenden Weltraumvertrag, der die friedliche Nutzung des Alls vorschreibt und Staaten für Schäden durch ihre Weltraumaktivitäten haftbar macht. Gefährde Starlink den Frieden oder verschmutze den Weltraum, müsse Space X zur Verantwortung gezogen werden, sagte die chinesische Delegation.

Zunehmend kommt Kritik an Starlink auch von westlichen Wissenschaftlern. Die Atmosphärenphysikerin Claudia Stolle von der Universität Rostock prangerte gegenüber dem Spiegel neben dem hohen Kollisionsrisiko vor allem die Umweltbelastungen an, die insbesondere beim Transport der Satelliten ins All entstehen. Zwar wirbt Space X damit, dass die Satelliten nach einer Betriebsdauer von rund fünf Jahren gezielt verglühen sollen, um Weltraumschrott zu vermeiden. Forschende gehen jedoch von erheblichen Aluminiumrückständen in der Atmosphäre aus, deren Auswirkungen – etwa auf das irdische Magnetfeld – bislang kaum abschätzbar sind.

Auch China treibt den Aufbau einer eigenen Megakonstellation von Satelliten voran, setzt dabei jedoch – anders als die USA – auf staatliche Kontrolle. So unterstützt die Regierung in Shanghai unter anderem das Qianfan-Breitbandnetz sowie das Guowang-Projekt, die bis 2030 gemeinsam rund 28.000 Satelliten in den Orbit bringen sollen.

Das Netz von Starlink ist keineswegs nur zivil nutzbar. Tatsächlich bietet es durch seine Verfügbarkeit in abgeschiedenen Regionen auch politischen Kräften in Konflikten auf der ganzen Welt neue Chancen – solange die dem Konzern genehm sind.

So ist Starlink seit Februar 2022 besonders in der Ukraine aktiv und profitiert dort von der zuvor zerstörten regionalen Internetinfrastruktur. Auch nach Internetausfällen infolge des jüngsten US-Angriffs auf Caracas kündigte Musk auf X an, die Region über Starlink mit Netzanschlüssen versorgen zu wollen. Mit solchen Aktionen gelingt es dem Unternehmen, eine Marktlücke zu besetzen und auf eine neue Weise an Kriegen zu verdienen. Für dieses Jahr plant der Konzern zudem den Gang an die Börse und hofft auf Mehreinnahmen von 30 Milliarden US-Dollar.

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