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Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Trump-Astrologie

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Donald Trump ist seit dem »brillanten« Militärangriff gegen Venezuela mehr als sonst von sich selbst begeistert. Das reizt viele, sich den Kopf über den US-Präsidenten zu zerbrechen. Der Journalist Gabor Steingart sprach am Dienstag in der ARD-Sendung »Maischberger« von Trump-Astrologie, die an die Stelle der Kreml-Deuterei getreten sei.

Mit Trump beginnt eine neue Ästhetik. Im FAZ-Feuilleton vergleicht Niklas Maak etwa die Bilder, die Trump am Sonnabend im »Situation Room« seines Goldpalastes Mar-a-Lago während des Überfalls auf Caracas zeigen, mit denen, die von Barack Obama gemacht wurden, als er die Ermordung Osama bin Ladens 2011 am Bildschirm verfolgte. Maak schreibt: Trump sehe man »mit fast unnatürlich leuchtendem Haar auf einem goldenen Stuhl sitzend«. Anders der Vorgänger: »Das Foto von Obama, der nachdenklich am Rand sitzt, prägte sein Bild als Teamplayer«, der »mit dem Machismo präsidialer Selbstinszenierung brach, an die Trump mit seiner Selbstvergoldungspsychose wieder anknüpft.« Seine »Präsidialikonographie« verrate, dass da ein »neuer Renaissanceherrscher, ein Religionsführer« komme.

FAZ-Außenpolitikchef Nikolas Busse analysiert nüchtern: Trump sei »mit der Operation in Venezuela in eine neue Phase seiner Präsidentschaft eingetreten. Der Isolationismus, der mal eine Kernbotschaft von ›America First‹ war, weicht, zumindest in der westlichen Hemisphäre, einem rohen Expansionismus, der im Zweifel mit militärischen Mitteln durchgesetzt wird.« Das mache die Sache mit Grönland »weitaus ernster, als es noch vor ein paar Monaten schien«.

Vergleichsweise ranzig wirken ein Beitrag von Alan Posener in der Welt und einer von Katrin Büchenbacher in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Posener wittert Verrat. Was Trump mache, sei »im Interesse Russlands und Chinas«. Trumps Interpretation der Monroe-Doktrin »als Recht, sich wie ein Pausenhofrabauke das zu holen, was er will, zersetzt genau jenes Bündnis, das die letzte, beste Hoffnung zur Rettung jener Welt ist – oder war: die NATO«. Ganz so geil findet die NZZ-Redakteurin den Kriegspakt zwar nicht, argumentiert aber ähnlich: »China, Russland oder Iran machen das schon lange so, wenn auch weniger elegant – ihre Nachrichtendienste und Armeen haben nicht dasselbe Niveau an Erfahrung, Technologie und Personal.« Solcher Schlichtheit kann nur Albernes folgen: »Mit dem amerikanischen Angriff auf Venezuela ist die regelbasierte Weltordnung als eine Illusion entlarvt. Denn selbst ihr wichtigster Garant hat sich mit Wumms von ihr verabschiedet.« (as)

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (8. Januar 2026 um 11:03 Uhr)
    Hier wird Trump wie ein barocker Sonnenkönig im Goldsessel vorgeführt, während die Feuilletons mit dem Opernglas um ihn herumtanzen: Die einen lesen seine Frisur wie ein Orakel und erklären jedes Foto zur Offenbarung einer neuen Weltordnung, die anderen messen mit dem Lineal der Geopolitik nach und rufen alarmiert »Expansionismus!«, sobald Trump irgendwo hinzeigt. Dazwischen knurren Kommentatoren, die in jeder Bewegung zugleich Moskaus Handschrift, Beijings Lächeln und den Untergang der NATO erkennen, während nüchterne Beobachter feierlich verkünden, die »regelbasierte Ordnung« sei nun endgültig tot – diesmal aber wirklich, ganz ehrlich. Am Ende wirkt weniger Trump größenwahnsinnig als seine Deuter: eine Priesterschaft der Trump-Astrologie, die aus Goldstühlen, Haarfarben und martialischen Posen ein Weltende zusammenliest, das vor allem eines ist – feuilletonistisch prachtvoll inszeniert.

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