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Aus: Ausgabe vom 05.01.2026, Seite 5 / Inland
Strom- und Gaspreise

Tarife bei Energiekosten variieren deutlich

Die Preise für Strom und Erdgas schwanken. Für private Haushalte kann sich ein Anbieterwechsel auszahlen
Von Wolfgang Pomrehn
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Laut Verivox zahlen Neukunden bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Jahr derzeit bei den günstigsten Anbietern nur noch 23,25 Cent pro Kilowattstunde

Die Strom- und Gaspreise sind im vergangenen Jahr auf dem Markt für Großabnehmer weiter gesunken, und einiges davon kommt sogar bei den privaten Haushalten an. »Strom wurde im Durchschnitt rund acht Prozent günstiger, die Gaspreise sanken um etwa sieben Prozent«, heißt es beim Vergleichsportal Verivox. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rechnet hingegen etwas anders und sprach noch im Oktober in seiner Strompreisanalyse von einem lediglich sehr leichten Rückgang der durchschnittlichen Preise für private Haushalte. Zugrunde gelegt wird beim BDEW ein Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr, Verivox geht hingegen von 4.000 Kilowattstunden aus. In den Preisen inbegriffen ist auch die auf die Kilowattstunde umgerechnete Grundgebühr.

Allerdings ist ein Durchschnittspreis beim Strom nur sehr bedingt aussagekräftig, da die Preise stark variieren. Einerseits sind sie bei den sogenannten Grundversorgern sogar leicht gestiegen, andererseits bekommen Neukunden erheblich günstigere Konditionen. Laut Verivox zahlen Neukunden bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Jahr derzeit bei den günstigsten Anbietern nur noch 23,25 Cent pro Kilowattstunde. Den Durchschnittspreis sieht die Plattform hingegen bei 32,92 Cent pro Kilowattstunde. Es lohnt sich also, einen Blick in die Briefe seines Versorgers zu werfen und sich gegebenenfalls nach einem neuen Anbieter umzuschauen, oder auch beim alten einen anderen Tarif auszuwählen. Der Wechsel ist per Internet heutzutage denkbar einfach. Wer hingegen nichts unternimmt, sich nie aktiv um einen Anbieter gekümmert hat, landet automatisch beim Grundversorger. Das ist das Unternehmen mit den meisten Kunden in einer Region, also oft die örtlichen Stadtwerke oder Unternehmen wie Vattenfall in Hamburg und Berlin, die die alten städtischen Betriebe aufgekauft haben.

Für Erdgas gilt übrigens ähnliches. Auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen, welcher Tarif gilt, und eventuell einen anderen zu wählen oder den Anbieter zu wechseln. Anders als beim Strom machen sich beim Gas zudem – wenn auch regional sehr unterschiedlich – steigende Netzkosten bemerkbar. Zum 1. Januar wurden die Netzentgelte für das Gasnetz erhöht. Die Verbraucherinnen und Verbraucher bekommen schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf, dass zum einen all die neuen Flüssigerdgasterminals bezahlt werden müssen und dass zum anderen die Zahl der Gaskunden abnimmt. Je mehr Haushalte von der Gasheizung auf andere, klimafreundlichere Optionen umsteigen, desto geringer wird die Zahl der Schultern, auf die die Kosten für die Gasinfrastruktur verteilt werden.

Das kann schon in einigen Jahren schmerzliche Folgen haben. Der Gesetzgeber ist gerade dabei, die Voraussetzung für die Stilllegung von örtlichen Gasnetzen zu schaffen, und die ersten Stadtwerke denken inzwischen darüber nach. Der Haken daran: Geschieht der Rückzug eher planlos und allein an den Interessen der Netzbetreiber orientiert, kann das für die letzten Gaskunden ziemlich teuer werden. Eine unlängst vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung im Auftrag des Umweltinstituts München durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass die Netzkosten für die Haushalte im nächsten und übernächsten Jahrzehnt in astronomische Höhen klettern könnten. Wer heute noch eine neue Gasheizung einbauen lässt, muss damit rechnen, dass er in 20 Jahren aufgrund steigender Netzkosten zusätzliche 3.000 bis 4.000 Euro zu zahlen haben wird. Den letzten beißen die Hunde.

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