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Aus: Ausgabe vom 03.01.2026, Seite 1 / Ansichten

Freude am Krieg

Angriff auf Putin-Residenz
Von Reinhard Lauterbach
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Angriff abgewehrt: Russischer Soldat begutachtet Trümmer einer Drohne bei Nowgorod (31.12.2025)

Militärisch scheint der Krieg zwischen Russland und der Ukraine über Neujahr einen Gang zurückgeschaltet zu haben. Statt dessen kamen Meldungen über spektakuläre Angriffe – der eine auf eine Putin-Residenz im Gebiet Nowgorod, der andere auf ein Strandcafé im russisch kontrollierten Teil des Bezirks Cherson. Ob es verwerflicher ist, Residenzen des gegnerischen Präsidenten anzugreifen als andere Ziele – doch wohl eher nicht. Da scheint der Faktor der »Majestätsbeleidigung« eine nicht ganz zweitrangige Rolle zu spielen. Entsprechend legte Russland den USA angebliche Beweise dafür vor, dass der Angriff auf die Putin-Villa nicht nur stattgefunden habe, sondern auch gezielt ihr gegolten habe. Die Ukraine bestritt die Tatsache des Angriffs auf ein Ziel im Bezirk Nowgorod nicht, behauptete aber, er habe einem militärischen Objekt gegolten. Wäre eine Residenz Putins zu Kriegszeiten kein solches Ziel gewesen?

Am Neujahrstag kam dann aus Russland die Meldung, dass bei einem mutmaßlich ukrainischen Angriff auf eine Strandkneipe am Ufer des Asowschen Meeres 27 Besucher einer Silvesterfeier getötet worden seien, darunter mehrere Kinder und Jugendliche. Kiew konnte sich nicht recht entscheiden, ob es den Angriff rundheraus dementieren – »Wir halten uns an das humanitäre Kriegsrecht und greifen keine zivilen Ziele an« – oder ihn doch halb rechtfertigen sollte: »Dort haben Kollaborateure gefeiert.«

Unabhängig bestätigen lässt sich das alles jedenfalls kurzfristig wohl nicht. Aber deutlich wird, dass die Vorwürfe vor allem auf US-Präsident Donald Trump Eindruck machen sollten. Der sei über die Nachricht vom Angriff auf die Putin-Villa »erbost« gewesen, hieß es; dann aber auch, dass die CIA trotz der aus Russland vorgelegten Belege einschätze, dass es keinen Angriff auf die Residenz gegeben habe. Also alles erlogen? Das suggerieren Gestalten wie die Rheinmetall-Lobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Offenbar soll der Boden dafür bereitet werden, entweder die Ukraine oder Russland für nicht verhandlungswürdig zu erklären. Der Krieg hat seine Fans, je weiter vom Geschehen entfernt, desto mehr.

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