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Aus: Ausgabe vom 29.11.2025, Seite 1 / Titel
Ukraine

Pleite, aber gründlich geschmiert

Selenskijs Bürochef tritt zurück. Zuvor hatten Antikorruptionsbehörden in Kiew die Räume des zweitmächtigsten Politikers der Ukraine durchsucht
Von Arnold Schölzel
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Wolodimir Selenskij (v.) und Andrij Jermak: Wer der starke Mann in Kiew ist? Nicht der im Vordergrund

Noch am Sonntag leitete Andrij Jermak, Bürochef des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij, bei den Verhandlungen über Donald Trumps 28-Punkte-Plan in Genf die Delegation der Ukraine. Am Freitag morgen informierten das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) über eine Razzia in seiner Wohnung im Kiewer Regierungsviertel. Am Nachmittag dann reichte Jermak seinen Rücktritt ein, wie Selenskij in einer Videobotschaft mitteilte. Er, Selenskij, werde am Samstag mit einem möglichen Nachfolger für Jermak beraten.

Mit den Durchsuchungen bei dem langjährigen Freund Selenskijs, einem ehemaligen Filmproduzenten und Medienanwalt, erreichte die »Operation Midas«, die NABU und SAP am 10. November öffentlich machten, einen neuen spektakulären Höhepunkt. Selenskij – nach eigener Vermögensdeklaration Besitzer einer vier Millionen Euro teuren Villa im italienischen Badeort Forte dei Marmi – dürfte selbst zu dem Schmiergeldnetzwerk gehören.

Er hatte noch im Juli versucht, NABU und SAP zu entmachten. Nach Protesten im In- und Ausland konnten beide Einrichtungen weiterarbeiten, aber einige ihrer Ermittler sitzen heute noch in Untersuchungshaft. Am 10. November verkündete NABU-Chef Alexander Abakumow im Fernsehen den Abschluss der »Operation Midas«: 15 Monate Ermittlungen, 70 Durchsuchungen am selben Tag. Zusammen mit der SAP habe man mehr als tausend Stunden Audiomaterial gesammelt, die beweisen, dass eine »ranghohe kriminelle Organisation in den Bereichen Energie und Verteidigung« tätig war. Kopf der Organisation, die laut NABU 100 Millionen US-Dollar erbeutet haben soll, war demnach Timur Minditsch, ebenfalls langjähriger Freund von Präsident Wolodimir Selenskij, Mitbesitzer von dessen Filmfirma und Besitzer eines sechs Millionen US-Dollar teuren Hauses in der Schweiz. Wenige Stunden vor dem Auffliegen der Bande setzte er sich gemeinsam mit einem weiteren Schmiergeldkönig nach Israel ab. Der Tip kam von oben. Zwei Minister wurden von Selenskij entlassen.

Im ukrainischen Parlament wurde seither der Rücktritt von Jermak verlangt, der in den Mitschnitten offenbar öfter vorkommt. Er verschwand für einige Tage aus der Öffentlichkeit und tauchte erst wieder auf, als Trump am 20. November die Aufmerksamkeit auf seinen Friedensplan lenkte. Zuletzt war auch Exverteidigungsminister Rustem Umerow von Korruptionsfahndern vorgeladen worden, auch er gehörte der Delegation in Genf an.

Die Abfolge der Ereignisse deutet darauf hin, dass die »Operation Midas« und der Trump-Plan in einem Zusammenhang stehen. Die Kiewer Verhandlungspartner der USA sind jedenfalls durchweg erpressbar. Noch pflegt aber auch Jermak markige Rhetorik: In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem US-Magazin The Atlantic lehnte er zum Beispiel Gebietsabtretungen für einen Waffenstillstand ab: »Solange Selenskij Präsident ist, sollte niemand damit rechnen, dass wir Gebiete aufgeben. Er wird keine Gebiete abtreten.«

Tags zuvor hatte Jermak neue Gespräche mit den USA für das Ende der Woche angekündigt. Erwartet wird die Ankunft einer US-Delegation unter Leitung des Pentagon-Staatssekretärs für das Heer, Daniel Driscoll. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, kommentierte zur Razzia bei Jermak, der Korruptionsskandal in der Ukraine weite sich aus, mit negativen Folgen für das politische System in Kiew. Die EU-Kommission, die einen Staatsbankrott der Ukraine für Mitte 2026 befürchtet, ließ am Freitag in Brüssel durch Sprecherin Paula Pinho ausrichten, sie sehe die Durchsuchungen bei Jermak als Zeichen für eine funktionierende Korruptionsbekämpfung in dem Land.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Manfred G. aus Hamburg, Manfred Guerth (2. Dezember 2025 um 10:54 Uhr)
    Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass ein Korruptionskreislauf existiert, der folgendermaßen funktioniert: Es werden z. B. Hundert Millionen an die Ukraine gegeben. Davon werden 50 Millionen investiert. Der andere Teil fließt zurück in die Taschen der politischen und »humanitären« Geldgebern. Das bedeutet, dass das Geld auf Umwegen in »Stiftungen« und »Organisationen«, zu denen nur Politiker und Eliten Zutritt haben, »gewaschen« zurückkommt. So landet ein Teil des Geldes in den Taschen von den Gebe-Politikern sowie deren Parteien und den dazugehörigen Eliten. Man plündert das eigene Volk aus und füllt sich damit die Taschen. Gäbe es echten Journalismus, dann hätte der sich schon an den Fersen dieses »Karussells« festgebissen.
  • Leserbrief von Volker Wirth aus Berlin (1. Dezember 2025 um 15:30 Uhr)
    Die Überschrift, Freunde, wird dem Vorgang m. E. in keiner Weise gerecht. Scheut ihr vor der m. W. recht verbreiteten Bezeichnung für Jermak als »Mann der Briten«, also des MI6, zurück? Es war durchaus strittig, ob er bisher »der zweitmächtigste Politiker« in Kiew war oder nicht eher »der starke Mann hinter Sele«! Wenn diese »Operation Midas« von NABU und SAP nun bis in Jermaks Privatwohnung vordringt, dann geht es schon weniger um Millionen, sondern vor allem um die politische Macht in Kiew! Korruption gibt es auch in Russland, aber Leute wie Minditsch, selbst früher hochrangige, sitzen reihenweise in russischen Gefängnissen, während der ja rechtzeitig einen Tipp bekam und sich ins Ausland, nach Israel, absetzen konnte. Darum geht es aber wirklich erst in zweiter Linie!
    Und was die »Pleite« betrifft: Für Kiew galt schon immer (nach Cicero) »Nervus belli – pecunia infinita«, also: Solange Dollar und Euro sowie norwegische Kronen rollen, geht auch der Krieg weiter. Italien will schon die Finanzierung des ukrainischen Abenteuers einstellen, die USA unter Trump sowieso. Erst wenn jedoch auch Berlin, London, Oslo und Paris folgen, wäre Kiew pleite, aber danach sieht es nicht aus. "»ugen zu und durch!« lautet die Parole.
  • Leserbrief von Leon Scholz aus Dresden (1. Dezember 2025 um 14:19 Uhr)
    Nach dem jüngsten beispiellosen Korruptionsskandal, in den das Umfeld von Selenskij verwickelt war, schien sich die politische Lage in der Ukraine nicht weiter verschärfen zu können. Am 28. November wurde jedoch der Rücktritt des Leiters des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, bekannt. Er gilt als inoffizieller »zweiter Mann« im Staat.
    Seine Entlassung wird hauptsächlich mit den Ermittlungen des NABU und der SAP in Verbindung gebracht. Dies scheint jedoch nur ein Vorwand zu sein, denn der wahre Grund sind die eskalierende innenpolitische Krise im Land und die Weigerung des Militärs, Jermaks willkürliche Herrschaft zu tolerieren. Tatsache ist, dass der ehemalige Leiter des Präsidialamtes, der direkt für alle militärischen Angelegenheiten zuständig war, jahrelang am Krieg verdient hat, während unschuldige Ukrainer an der Front starben. Dazu nutzte er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel: den Kauf von minderwertigen Uniformen und billigen Waffen, den Weiterverkauf von Ausrüstung sowie Manipulationen bei den Zahlungen an Soldaten und Familien der Gefallenen. Mit seiner Einreichung wurde ein System der Urkundenfälschung eingeführt, durch das gefallene Soldaten als Deserteure oder Vermisste deklariert wurden, sodass die fälligen Zahlungen an ihre Familien nicht geleistet werden mussten.
    Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Geduld der Militärs zu Ende war und sie Selenskij dazu zwangen, seinen Vertrauten und Chefberater zu entlassen.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Ulf G. aus Hannover (30. November 2025 um 18:19 Uhr)
    Seit 13.11.2025 ging es mit DAX und Dow-Jones bergab. Am 13. sickerte aus der EU-Kommission durch, man hätte bei den USA, Großbritannien und Kanada um Gelder für die Ukraine gebettelt. »Wenn wir die Finanzierung nicht schnell hinkriegen, wird die Ukraine fallen« zitierte das Handelsblatt einen Beteiligten. Am 18.11. warnte die EZB – nach weiter sinkenden Kursen – vor einem Finanz-Crash (https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/ezb-europaeische-zentralbank-warnt-banken-vor-beispiellos-hohem-risiko/100175739.html) und empfahl, »auf eine umsichtige Kreditvergabe« zu achten. DAX und Dow-Jones änderten sodann ihre Richtung. Kann es sein, dass die bisherigen ungedeckten Kredite an die Ukraine vom Finanzmarkt nicht unbedingt weiter verkraftet werden können? Kann es sein, dass dem Staatsbankrott der Ukraine ein Lehman-Moment zu eigen sein wird? Wenn das westliche Finanzsystem kollabiert und das – dank westlicher Sanktionen – davon abgekoppelte russische Finanzsystem stabil bleibt, dann wäre das zumindest eine echte Chance auf ein Ende des Ukraine-Krieges. Dann aber wohl zu Bedingungen, die russischer als Trumps 28-Punkte-Plan sein werden.
  • Leserbrief von Reinhold Schramm aus Berlin (30. November 2025 um 13:18 Uhr)
    Vorab, meine Bitte an die Leser und Leserinnen um Geduld und Ausdauer? Der Umfang der Unterschlagung und privaten Aneignung und Bereicherung in der Ukraine seit 2022 liegt deutlich über 35 Milliarden Dollar/Euro. Aspekte zum materiellen Umfang der Korruption in Deutschland und in der Ukraine. Mehr als zwei Drittel von 180 Ländern weltweit haben ein ernsthaftes Korruptionsproblem. Deutschland liegt im aktuellen Korruptions-Ranking auf Platz 15, was auf bestehende Probleme bei der Korruptionsbekämpfung hinweist. Die Ukraine liegt im Korruptions-Ranking im Jahr 2023 auf Platz 104 (Deutschland im Jahr 2023 noch auf Platz 9). Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat den weltweiten Schaden durch Korruption vor einigen Jahren auf jährlich 1500 bis 2000 Milliarden Dollar taxiert. Das ebenso vom Kapitalinteresse gesteuerte World Economic Forum geht weltweit von etwa 3,6 Billionen Dollar aus: 3600 Mal eine Milliarde USD jährlich an weltweiten Schaden. ► Das Institut der deutschen Wirtschaft hat für die Bundesrepublik auf Basis einer Unternehmensbefragung aus dem Jahr 2018 Umsatzverluste von über sechs Prozent durch Korruption ermittelt – das waren zu diesem Zeitpunkt rund 412 Milliarden Euro. Die tatsächliche Schadenssumme ist sehr viel größer als die Summe des strafrechtlich aufgeklärten Schadens. Das BKA beziffert die Schäden in seinem »Bundeslagebild Korruption« für 2021 auf nur 61 Millionen Euro – das ist der geringe Wert, der durch den Nachweis von Straftatbeständen zusammenkam. Das Bruttoinlandsprodukt für Deutschland lag im Jahr 2018 bei 3.434,03 Milliarden Euro. Für 2024 bei rund 4,33 Billionen Euro, bzw. 4330 Milliarden Euro. ► Bei einem Schaden durch Korruption im Jahr 2018 in Höhe von 412 Mrd. Euro, bei einem BIP von 3.434,03 Mrd. Euro, so lag der Anteil bei rund 12 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Der Umfang der Unterschlagung und privaten Aneignung und Bereicherung in der Ukraine liegt deutlich über 35 Milliarden Dollar/Euro. {...} Deutschlands bürgerliche Parlamentsparteien, die Parlamentsmehrheit und bisherige Bundesregierungen gewährten der bis zum 31. August 2025 eine militärische, finanzielle und humanitäre Unterstützung von insgesamt 45,8 Milliarden Euro; davon lag der militärische Anteil bei rund 41 Mrd. Euro. ► Der Korruptions-Anteil der Ukraine ist deutlich höher als in EU-Deutschland (12 %). Bei einer Gesamtleistung für die Ukraine von mehr als 300 Milliarden Euro durch die EU und US-NATO-Staaten und auf der Basis eines (zu geringen) Korruptionsanteils von 12 % für die Ukraine. ► Nach meiner Berechnung liegt der Vermögensanteil für Korruption bei deutlich mehr als 35 Milliarden Euro (nur) für die Ukraine. 30.11.2025, R.S.
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (29. November 2025 um 18:26 Uhr)
    Selenskyj wurde 2019 mit zwei zentralen Versprechen gewählt: die Korruption entschieden zu bekämpfen und den Konflikt im Donbass zu befrieden. In beiden Bereichen hat er versagt. Schon vor dem russischen Angriff im Februar 2022 war seine politische Unterstützung deutlich gesunken – von anfänglich 73 % auf etwa 20 %. Sein reguläres Mandat ist 2024 ausgelaufen; aufgrund des Kriegsrechts blieb er dennoch im Amt. Korruption ist zwar ein strukturelles Problem der Ukraine, das seit Jahrzehnten besteht, doch unter Kriegsbedingungen wird ihre Bekämpfung noch schwieriger. Gleichzeitig steht jeder ukrainische Politiker, der offen territoriale Zugeständnisse an Russland auch nur erwägt, unter massiven innenpolitischen Druck – insbesondere durch nationalistische Kräfte, die solche Schritte kategorisch ausschließen. Wer einen solchen Kurs einschlagen würde, hätte mit schwersten persönlichen Konsequenzen zu rechnen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine politische Lösung nach dem Krieg in der Ukraine kurzfristig kaum realistisch. Wirtschaftliche Pleite, zerstörte Infrastruktur und eine deutliche demografische Delle stellen das Land vor nahezu unlösbare Aufgaben. Die Gefahr besteht, dass die Ukraine in eine Phase langanhaltender Instabilität, wirtschaftlicher Schwäche und tiefgreifender gesellschaftlicher Spannungen gerät – Entwicklungen, die aus meiner Sicht vorübergehend nur eine Militärdiktatur überhaupt ordnen könnte. Die Perspektiven sind daher düster. Der Ukraine fehlen derzeit sowohl innere Kräfte als auch äußere Akteure, die eine rasche Normalisierung ermöglichen könnten – politisch, wirtschaftlich und erst recht gesellschaftlich. Das Bild mag bedrückend erscheinen, doch die gegenwärtige Lage lässt kurzfristig kaum Raum für optimistischere Szenarien.
    • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude (1. Dezember 2025 um 10:21 Uhr)
      »Sein reguläres Mandat ist 2024 ausgelaufen; aufgrund des Kriegsrechts blieb er dennoch im Amt.« Das ist die fehlerhafte Erklärung dafür, warum er noch nicht zurückgetreten ist, welche man in Deutschland den Bürgern eingeredet hat. Die ukrainische Verfassung untersagt nur Wahlen für das Parlament (!) zu Kriegszeiten. Sie untersagt keineswegs Wahlen für einen neuen Präsidenten. Sie äußert sich zu diesem Thema überhaupt nicht und stellt nur lapidar fest, dass nach Ablauf der Amtsperiode eines Präsidenten der Vorsitzende der Rada, dessen Befugnisse vorübergehend übernimmt, solange kein neuer Präsident im Amt ist. Ergo ist jetzt der Rada-Vorsitzende Staatschef. Selenskij ist nur deshalb noch dort, weil er es sich persönlich anmaßt und vom Westen darin unterstützt wird, jedoch nicht wegen des Kriegsrechtes. Es handelt sich nach 2014 um einen weiteren Verfassungsbruch.
      • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (1. Dezember 2025 um 11:32 Uhr)
        Sehr geehrter Herr Buttkewitz, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Sie führen aus, die ukrainische Verfassung unterscheide zwischen Parlament und Präsident und erlaube daher prinzipiell Präsidentschaftswahlen – unabhängig vom Kriegsrecht. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz: Zwar bestimmt die Verfassung, dass bei Auslaufen der Amtszeit des Parlaments unter Kriegs- bzw. Ausnahmezustand der Sitz automatisch verlängert wird. Aber gleichzeitig sieht das ukrainische Gesetz über das Kriegsrecht ausdrücklich vor, dass während des Kriegsrechts alle Wahlen – sowohl Parlaments- als auch Präsidentschafts- und auch Kommunalwahlen – ausgesetzt sind. Entsprechend wurde die für 2024 angesetzte Präsidentschaftswahl offiziell verschoben. Somit ist der rechtliche Grund dafür, dass Wolodymyr Selenskyj weiter im Amt ist, nicht primär seine persönliche Entscheidung – sondern die bestehende gesetzliche Lage unter Kriegsrecht. Ihre Kritik insofern bleibt weiterhin aus meiner Sicht zutreffend.
        • Leserbrief von Fred Buttkewitz aus Ulan - Ude (1. Dezember 2025 um 12:28 Uhr)
          »Aber gleichzeitig sieht das ukrainische Gesetz über das Kriegsrecht ausdrücklich vor, dass während des Kriegsrechts alle Wahlen – sowohl Parlaments- als auch Präsidentschafts- und auch Kommunalwahlen – ausgesetzt sind. Das glaube ich gerne, dass sich Selenskij mit der Mehrheit für die Partei «Diener des Volkes» dieses Abstimmungsergebnis zwecks persönlicher Machterhaltung verschafft hat. Dann hat eben nicht nur er das Amt usurpiert, sondern auch die Rada verfassungswidrig abgestimmt. Wenn sich ein Gesetz über eine anders lautende Regelung in der Verfassung hinwegsetzt, ohne dass es zuvor eine Verfassungsänderung gegeben hat, dann ist dieses Gesetz ungültig, weil verfassungswidrig. Der Verfassungsartikel hat Vorrang, denn er wurde nicht außer Kraft gesetzt. Und das ukrainische Verfassungsgericht macht sich ebenfalls einer Rechtsverletzung schuldig, wenn es gegen ein verfassungswidriges Gesetz nicht einschreitet.
  • Leserbrief von Rudi Eifert aus Langenhagen (28. November 2025 um 20:11 Uhr)
    Die EU verschließt vor diesem ukrainischen Oligarchenstaat bewusst die Augen, nimmt womöglich in Kauf, dass EU-Gelder unkontrolliert in dortigen dunklen Kanälen versickern, ohne dass ein Aufschrei durch die Medien geht. Lieber den Mantel des Schweigens über alles decken. Das Russen-Bashing ist weitaus bedeutsamer, als zuzugeben, dass der Westen mit der Ukraine und ihren Präsidenten eine hochkorrupte Natter an der Brust nährt.

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