Gegründet 1947 Dienstag, 16. Dezember 2025, Nr. 292
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 06.10.2025, Seite 8 / Ansichten

Heilsbringer des Tages: Boris Johnson

Von Daniel Bratanovic
2025-05-08T103453Z_587936143_RC2MDEAHGH6O_RTRMADP_3_WW2-ANNIVERS

Das Mehrheitswahlrecht ist eine für die Herrschaft ziemlich komfortable Angelegenheit. Es gibt nicht viel auf einen repräsentativen Abdruck des Volkswillens, sortiert mithin verlässlich störendes Politpersonal kleinerer Parteien aus und sichert so ungefährdete Mehrheiten in den Parlamentskammern. Mehrheitswahlrecht schafft in der Regel ein Zweiparteiensystem. Das gilt auch für Großbritannien, regionale Besonderheiten einmal ausgeklammert. Seit mehr als 100 Jahren wechseln sich Tories und Labour darin ab, die Mehrheit im House of Commons zu stellen.

Doch inzwischen erodiert diese über Jahrzehnte gewachsene Stabilität. Labour, mit der Ausschaltung der Parteilinken wieder regierungstauglich getrimmt, legte nach dem deutlichen Wahlsieg vom Sommer 2024 eine so miserable Performance hin, dass die Zustimmungswerte in den Keller rauschten. Keir Starmer ist demoskopisches Senkblei. Von dieser beachtlichen Leistung allerdings kann der ewige Konkurrent nicht profitieren: Die Tories stehen noch schlechter da. Die Rede geht von einer historischen Krise, von der Gefahr, in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten.

In dieser Lage halten die britischen Konservativen ihren Parteitag ab. Dass sich deren Chefin Kemi Badenoch mit der Ankündigung, Britannien aus der Europäischen Menschenrechtskonvention führen zu wollen, an der abscheulichen Posse mit dem Titel »Wer ist der härteste Abschieber im Land?« beteiligt, hilft da nicht. Nigel Farage und dessen Rechtspartei Reform UK bleiben in Führung, Badenochs Tage an der Spitze der Tories wiederum sind gezählt. Über dem Parteitag schwebt ein anderer Geist. Eine Mehrheit der konservativen Wählerschaft wünscht sich Boris Johnson zurück. Der »Brexit«-Mann, das Coronafeierbiest, als erneuter Premier, das wäre konsequent. Johnson dürfte dem Land, dessen Abstieg die Tory-Chefin Margaret Thatcher vor gut 40 Jahren systematisch eingeleitet hatte, endgültig den Garaus machen.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Mehr aus: Ansichten