Blaues Wunder
Von Maxi WunderUnser Ausflug ins Koffeinistenparadies Frankreich (eine Tasse Kaffee kostet in der Boulangerie nur zwei Euro, selbst in Tourismushochburgen) war wie immer kalorienreich, zu unwiderstehlich ist die Pâtisserie des Landes. Ein Eclair Caramel aus der Picardie etwa verhält sich zu seinem deutschen Pendant im Backshop wie der Auftritt einer Sambaschule in Rio zum Seniorentanztee in Plön. Auch die »fruits de mer« schmecken an der Küste der Bretagne aromatischer, wenngleich sich deren Genuss mit Blick auf den Zustand der Meere und der rabiaten Fangmethoden nicht mehr empfiehlt.
Ungeachtet dessen wächst der weltweite Kaviarmarkt jährlich um fast acht Prozent, die Nachfrage nach Sevruga, Beluga und Osetra ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Beim Kaviar dominiert der asiatisch-pazifische Raum den Weltmarkt, wobei China den größten Anteil hat.
Von diesem Boom profitiert auch die Kaviarproduktion des im Zuge des EU-Moldau-Gerangels in die Schlagzeilen geratenen Transnistrien. Die »Pridnestrowskaja Moldawskaja Respublika« erstreckt sich östlich des Flusses Dnjestr. Sie hat sich 1990 von Moldau unabhängig erklärt, verfügt über eine eigene Regierung, Verwaltung, Währung, über ein eigenes Militär. Sie gilt als prorussisch und wird vom Westen nicht als souveräner Staat anerkannt. Omnipräsent in Transnistrien ist der Sheriff-Konzern, dessen Logo einen Sheriffstern abbildet, was etwas comichaft wirkt. Sheriff produziert und exportiert Alkohol, betreibt Tankstellen, Supermärkte, Zementwerke, Bäckereien, eine Bank, TV-Sender, das Mobilfunknetz Interdnestrkom und eben Kaviar. Sheriff gehört faktisch das Land, auf dem Fünf-Rubel-Schein ist die Konzernzentrale abgebildet. Für glorreiche Außenwirkung und nationalen Zusammenhalt sorgt der Konzern mit seinem Fußballklub Sheriff Tiraspol, der vor ein paar Jahren ein Spiel gegen Real Madrid gewann. Eigentümer der Firma Transnistrien, wenn man so sagen darf, ist wohl der ehemalige KGB-Agent Victor Gușan, vielleicht auch der frühere Präsident Smirnoff, jedenfalls ein durchsetzungsfähiger Oligarch wie Trump. Westliche Touristen schätzen das Land als Sowjetmuseum.
Aber was ist jetzt mit dem Kaviar? Kaviar wird vom Stör »geerntet«, durch Schlachtung, d. h. Aufschlitzen des Bauchs, und neuerdings auch durch Rausmassieren des Fischrogens aus dem Fischweibchen, wobei mit einer Pinzette der Eileiter geöffnet wird. Bis zu 1.200 Gramm können auf diese Weise abgestreift werden. Danach wird das traumatisierte Tier zurück ins Becken geworfen und darf sich bis zur nächsten unfreiwilligen Massage erholen.
Alternativ zum tierquälerischen Rausquetschkapitalismus empfehlen wir den Kaviar des Waldes. Bei einem Spaziergang mit Körbchen und Gartenhandschuhen mit extra langen Stulpen ernten wir Brombeeren für ein
Blaues Wunder
150 g Pflaumen in Schnitze schneiden, mit 125 g Heidelbeeren, 125 g Brombeeren, zwei EL Zucker und einer Zimtstange aufkochen. Hitze reduzieren, zugedeckt circa vier Minuten weich köcheln. Die Zimtstange entfernen, das Kompott in Gläser verteilen und abkühlen lassen. Naturjoghurt darüber verteilen und mit Brombeeren dekorieren.
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