You’re fired!
Von Felix Bartels
Man kann nicht sagen, dass der Quereinsteiger Trump so gar keine Qualifikation für das Amt des Präsidenten mitgebracht hatte. Immerhin hat er die Kunst des Entlassens in seiner TV-Show »The Apprentice« weidlich geübt. Der geht er in seiner zweiten Amtszeit noch leidenschaftlicher nach, die Zahl der desavouierten Funktionsträger ist mittlerweile so hoch, dass sie nur noch geschätzt werden kann. Beinahe täglich verliert irgendwer im Komplex Washington seine Stellung.
Die Story ist immer dieselbe. Trump überkommt eine Idee, irgendwer hat Einwände und darf sich instantan nach einer neuen Aufgabe umsehen. Jüngste Episode: Die Entlassung der Direktorin des Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Susan Monarez. Das CDC befasst sich, seinem Namen gemäß, mit Monitoring und Vorbeugung von Seuchengefahren. Monarez sei nicht auf einer Linie mit der Agenda des Präsidenten, »Amerika wieder gesund zu machen«, teilte das Präsidialamt am Mittwoch mit.
Make America Healthy Again. Der Slogan ist das MAHA zum MAGA. Das unscheinbare Wort »again« wird dabei zum Schlüssel. Es drückt die reaktionäre Stoßrichtung der Politik Trumps aus. Vorgestellt ist eine heile Vergangenheit, die von Wissenschaft, Gleichberechtigung, gesundheitlicher Vorsorge, Sozialstaat und anderem Teufelszeug der neuen Zeit kaputtgemacht wurde. Zu dieser Vergangenheit will man zurück. Entsprechend stellt der alles umfassende Kulturkampf des Weißen Hauses sich auf dem Feld der Gesundheitspolitik als Kampf gegen die Wissenschaft dar. Ideologen ohne medizinische Ausbildung bestimmen die Agenda, Wissenschaftler, die sich ihnen widersetzen, mit Forschungswissen zum Beispiel, werden aussortiert. Das Narrativ einer umfassenden Verschwörung von Ärzten und Wissenschaftlern, die keine anderen Sorgen haben als der pharmazeutischen Industrie zuzuarbeiten, wird zum Platzhalter einer umgangenen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den vorhandenen Studien.
Der Entlassung voraus ging ein Konflikt zwischen Monarez und dem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy. Die Forscherin auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten war vor einem Monat von Kennedy vereidigt worden, doch mit ihm über die Impfstoffpolitik aneinandergeraten, wie die New York Times berichtet. Der Impfskeptiker ohne wissenschaftliche Grundausbildung hatte daraufhin versucht, Monarez von ihrem Posten zu entfernen, wofür ihm wahrscheinlich, da sie vom Senat bestätigt worden war, die Befugnis fehlte. Trump scheint als eine Art Deus ex machina eingegriffen zu haben.
Monarez kündigte an, gegen die Entlassung juristisch vorzugehen. Am Mittwoch veröffentlichten ihre Anwälte Mark S. Zaid und Abbe Lowell eine Stellungnahme, in der es hieß, Monarez’ Situation sei exemplarisch für umfassendere Probleme. »Es geht um die systematische Demontage von Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens, das Schweigen von Experten und die gefährliche Politisierung der Wissenschaft«, schrieben die Anwälte. »Der Angriff auf Dr. Monarez ist eine Warnung für jeden Amerikaner: Unsere evidenzbasierten Systeme werden von innen heraus unterminiert.«
In ihrer kurzen Amtszeit war Monarez mit der Bewältigung der Anordnungen Kennedys beschäftigt, der einige Mitglieder eines einflussreichen Beratungsausschusses für Impfstoffe abgesetzt und durch prononcierte Impfgegner ersetzt hatte. Zuletzt bestätigte die Gesundheitsbehörde, dass ein Gegner der Covid-Impfung zum Leiter eines Unterausschusses ernannt worden war – um die Sicherheit der Impfungen zu prüfen. Zudem hatte Kennedy angekündigt, neue Finanzmittel für die Erforschung eines Zusammenhangs zwischen Vakzinen und Autismus bereitzustellen, obwohl die Evidenzsynthese der zahlreichen bisherigen Studien keine Beweise für diese Überzeugung erbracht hatte.
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