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Aus: Ausgabe vom 29.08.2025, Seite 8 / Ansichten

Kriegsertüchtiger des Tages: Bodo Ramelow

Von Hagen Bonn
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Bodo Ramelow (26.9.2024)

Es sind grandiose Zeiten! Herrlich. Alles gärt, alles kommt in Wallung. Endlich spüren wir sie: die Zeitenwende. Ole Scholz, Kanzler a. D. (sprich: ade), verkündete sie vor Jahren wie Caesar vom Hügel. Hurtig folgte seine Ministerin für Äußerlichkeiten, also die Annalena, die säuselte mit unterdrücktem Gähnen: »Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht.« Immerhin ist sie aufgewacht. Oder wurde sie geweckt? Auf ihrem Ponyhof kräht es morgens sicher heftig.

Auch schon ausgeschlafen hat der Vizepräsident des Bundestages: Bodo Ramelow. Der war einst Operettenfürst in Thüringen und hinterließ das Trümmerfeld, für das er weit genug war. Die Wahlquittung 2024: 87 Prozent der Thüringer sagten: »Bodo? Nein, danke.« Aber nun ist er wieder da. Und er ruft wie Caesar vom Hügel: »Ich persönlich bin für die Ausweitung der Schulpflicht um ein soziales Jahr …« Ich übersetze das mal: Leute, ran an die Bettpfannen! Und das als Pflicht, also Zwang, will sagen Frondienst, Sklaverei. In den Konzernetagen der Kliniken und Altenheime knallen die Sektkorken: Das Gehalt von 300.000 ausländischen Pflegekräften in Deutschland kann endlich in den Profit einfließen.

Dabei wissen wir doch alle, dass der »Sozialdienst« der Oheim des Kriegsdienstes ist. Bei den Zwillingen geht es allein um den staatlichen Zugriff auf die Jugend. Jeder muss erfasst und eingebunden werden in den Logarithmus des Krieges. Es geht um die Erstellung der »Heimatfront«. Ohne die, keine Kriegsfront.

Mit seiner Forderung nach einem sozialen Pflichtjahr ordnet sich Ramelow stramm ins Glied der Scharfmacher und Einpeitscher der Kriegstüchtigkeit ein. Ramelow brabbelte außerdem noch etwas von »Gemeinschaftsgefühl«. Und als nächstes fordert er dann die »Volksgemeinschaft«?

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  • Leserbrief von Patrick Büttner aus Leipzig (29. August 2025 um 10:47 Uhr)
    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass »die Schulzeit« für die unteren Klassen nur eingeführt wurde, um die Zeit bis zum Kriegsdienst zu überbrücken. Unter »Rot-Grün« war 2024 jeder zehnte (10,9 %) neu eingestellte Soldat minderjährig. 2010 hieß es nach einer Statistik, dass Ostdeutsche überproportional an Kriegen der Bundeswehr im Ausland beteiligt sind. Überproportional bedeutete etwa die Hälfte. Der Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung beträgt weniger als 20 Prozent. Desgleichen wurde festgestellt, dass überproportional viele untere Dienstgrade aus Ostdeutschland kommen. Die »Bildungsreformen« der letzten Jahrzehnte und die inzwischen bundesweit »blühenden Landschaften« runden das Bild ab. Bemerkungen zu diesem Ramelow erübrigen sich. An Drostes »Sind Soldaten Faxgeräte?« sei jedoch erinnert.
  • Leserbrief von astrid Loehnert (29. August 2025 um 08:43 Uhr)
    Ich finde der Artikel von Hagen Bonn ist absolut misslungen, denn er sieht eine Zusammenhang zwischen Wehrdienst und sozialer Tätigkeit. Den gibt es, meiner Meinung nach, aber nicht, solange nicht wie diese nicht unter dem Einfluss von Faschisten erfolgen. Es macht für Heranwachsende Sinn in der Praxis soziales Handeln freiwillig zu lernen und vor allem, das zu lernen, was mit der Solidarität füreinander in Verbindung steht. Denn, die gibt es sichtbar nicht in Deutschland. Und wo sonst als in der pädagogischen Bildung, kann die soziale Gemeinschaft auf die Jugendlichen einwirken und ihnen neue Perspektiven in dieser Lebensphase ermöglichen?
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim S. aus Jena (29. August 2025 um 08:36 Uhr)
    Seltsam nur, dass dem Herrn Ramelow nie eingefallen ist, seine Karriere in der CDU fortzusetzen. Aber wahrscheinlich haben sie dort von diesem Typ Wendehals ohnehin schon mehr als genug.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Burkhard I. (29. August 2025 um 01:10 Uhr)
    Sehr treffend zum Thema auch Linken-Politikerin Desiree Becker am Mittwoch Abend (27. 8. 25) in den ARD-Tagesthemen: »Zum Beispiel ist die Abbrecherquote bei der Bundeswehr über 25 Prozent, wir haben Fälle von Sexismus, wir haben Fälle von Rassismus, man müsste erstmal diese Dinge angehen, damit dann Menschen, die freiwilligen Wehrdienst leisten, auch bei der Bundeswehr bleiben wollen.« -- Mit anderen Worten: Eine Truppe frei von Sexismus und Rassismus ist prima, ein Hoch auf diskriminierungsfreien Kriegsdienst! Oder wie oder was?

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