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Aus: Ausgabe vom 15.07.2025, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Chinas Exportzahlen

Chinas Exportboom hält vorerst an

Trotz Handelskrieg mit USA Erwartungen übertroffen. Wachstum in naher Zukunft ungewiss
Von Jörg Kronauer
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Im Containerterminal in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong brummt der Bär

Chinas Exporte sind im vergangenen Monat sämtlichen Handelskriegen zum Trotz erneut gestiegen. Laut Angaben der chinesischen Zollbehörde nahmen die Ausfuhren des Landes im Vergleich zum Juni 2024 um 5,8 Prozent zu und übertrafen damit das Plus von 5,0 Prozent, mit dem Ökonomen gerechnet hatten. Die Exporte für das gesamte erste Halbjahr 2025 lagen sogar um 5,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Damit scheint es der Volksrepublik zu gelingen, ihre Ausfuhr zu stabilisieren, obwohl ihr Export in die Vereinigten Staaten wegen der Trumpschen Zölle zurückgeht. Chinas Ausfuhren in die USA brachen im ersten Halbjahr 2025 um 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Dabei sind allerdings noch die höheren Exporte aus den Monaten vor der Verhängung der US-Zölle eingerechnet. Ein langfristig realistischeres Bild dürften die Zahlen für Juni bieten, als Chinas Lieferungen in die USA um 16,1 gegenüber dem Vorjahresmonat sanken. Aussichten auf erneutes Wachstum der chinesischen Exporte in die USA bestehen kaum: Aktuell belaufen sich die US-Zölle auf Lieferungen aus China im Durchschnitt auf über 50 Prozent – mehr als 20 Prozent aus der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump plus 30 Prozent aus der zweiten.

Ausgleichen konnte China seine Einbußen im Export in die Vereinigten Staaten zum guten Teil durch eine deutliche Steigerung seiner Exporte auf dem afrikanischen Kontinent und nach Südostasien. Die chinesischen Lieferungen nach Indonesien etwa stiegen um 15,3 Prozent, nach Thailand sogar um 22 Prozent, nach Vietnam um 19,6 Prozent. Unklar ist jedoch, wie viele dieser Lieferungen für den Konsum in Südostasien bestimmt waren und wie viele in die USA weiterverkauft wurden, um die US-Zölle auf Einfuhren aus China zu umgehen. Diese lagen bekanntlich eine Zeitlang bei abstrusen 145 Prozent oder sogar mehr. Die Frage könnte sich als wichtig erweisen. Der Grund: US-Präsident Donald Trump gibt an, Washington habe mit Hanoi eine Vereinbarung geschlossen, der zufolge vietnamesische Exporte in die USA künftig mit 20 Prozent verzollt würden; dies gelte allerdings nicht für Exporte, die aus einem anderen Land – sprich: China – nach Vietnam gelangt seien und auf die künftig 40 Prozent gezahlt werden müssten. Freilich bestehen Zweifel an der Vereinbarung. Nach Informationen von Politico hatten sich die Delegationen Vietnams und der USA auf gut elf Prozent geeinigt. Trump habe dies eigenmächtig ohne jede Absprache per Social-Media-Post auf 20 Prozent erhöht. Hanoi ist konsterniert, die Zukunft der Vereinbarung ungewiss.

Ein deutlich geringerer Teil des chinesischen Exportzuwachses resultiert laut den Angaben der Statistikbehörde in Beijing aus der Ausfuhr nach Europa; die stieg im Juni um 7,6 Prozent gegenüber Juni 2024 an. Die Ausfuhr der Volksrepublik nach Deutschland nahm weniger zu – um lediglich 3,5 Prozent. Zum Leidwesen der deutschen Exporteure gingen allerdings die deutschen Ausfuhren nach China im Juni um gut 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück – eine Folge der Tatsache, dass Beijing, vom Westen nach Lust und Laune mit Sanktionen malträtiert, erfolgreich begonnen hat, sich von Einfuhren unabhängig zu machen. Im Frühjahr hatte es für kurze Zeit die Hoffnung gegeben, die EU könne – von Trump mit Zöllen übel unter Druck gesetzt – einen gewissen Ausgleich für ihre Exportunternehmen per Ausweitung des Chinageschäfts aushandeln. Die Hoffnung ist allerdings geschwunden, seit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Bestreben, sich Trump als Partner im Wirtschaftskampf gegen China anzudienen und dafür Zollerleichterungen zu erhalten, mit wüsten Verbalattacken auf Beijing die Beziehungen zu China sabotiert hat – mit Erfolg. Letzteres kann man derzeit von nur wenigen Initiativen der EU behaupten.

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