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Aus: Ausgabe vom 10.07.2024, Seite 10 / Feuilleton

Börner, Klemke, Hein, David, Dessau

Von Jegor Jublimov
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Geschichtsaufarbeitung als Thema: Christian Klemke (r.)

Beim Film ist Vielseitigkeit ein Lebenselixier, jedenfalls für Michael Börner, der am 13. Juli vor 80 Jahren in der Börde geboren wurde. In Babelsberg wurde er zum Diplomkameramann ausgebildet, hat aber auch Regie geführt, war an Schnitt und Beleuchtung beteiligt, etwa für das Defa-Trickfilmstudio (»Chile lebt«, 1976). Seit Beginn der 80er Jahre hat er als Teil der Produktionsgruppe »Sorbischer Film« mehrfach Themen zum Land der Sorben und Wenden aufgegriffen (»Pobraschka – der Hochzeitsbitter«, 1987). Auch nach 1991 kam er als freier Produzent darauf zurück.

Ein Pionier auf dem Gebiet des Videoclips in der DDR war Christian Klemke. Der Sohn des Grafikers Werner Klemke lernte Theatermaler und studierte Film in Moskau und Babelsberg. Für die Defa-»Kinobox« setzte er Musiktitel u. a. von Neumis Rockzirkus, Silly und Locomotiv GT optisch geschickt um. Später wurde Geschichtsaufarbeitung sein Thema. Der seit heute 75jährige schuf z. B. Filme für die RBB-Reihe »Geheimnisvolle Orte«.

Als der kleine Christian zur Welt kam, feierte Christiane Jux (wie sie damals hieß) gerade mit ihrer alleinstehenden Mutter ihren fünften Geburtstag in den bescheidenen Verhältnissen der Nachkriegszeit. Sie wurde Buchhändlerin und Kranfahrerin, heiratete den späteren Schriftsteller Christoph Hein, ehe sie in Leipzig Philosophie studieren konnte – letzteres ein kleiner Umweg, um ihren Traumberuf Filmregisseurin zu ergreifen. Als Dramaturgin und Autorin im Defa-Dokumentarfilmstudio führte ihr Weg zur Regie. Einen ihrer schönsten Filme drehte sie 1986 mit und über Herman van Veen, der zum Festival des politischen Liedes in die DDR gekommen war. Ab 1991 war es immer schwerer, Dokumentarfilme zu finanzieren, und ihr blieb bis zu ihrem Tode nur noch ein Jahrzehnt. Christiane Hein besann sich auf ihre väterlichen jüdischen Wurzeln, machte Dokumentarhörspiele und porträtierte 1997 in ihrem letzten Film die Malerin Käthe Löwenthal, die 1942 während des Holocausts ermordet wurde.

Mit seiner Vergangenheit als Wehrmachtssoldat setzte sich in seinen Büchern Kurt David auseinander, der am 13. Juli vor 100 Jahren in Reichenau (heute Bogatynia) geboren wurde. Er blieb seiner Heimat verbunden und starb 1994 in Görlitz. David hat auch viele Jugendbücher veröffentlicht, darunter »Freitags wird gebadet«, 1965 unter dem Titel »Aus dem Tagebuch eines Minderjährigen« als DFF-Serie erschienen. Er bereiste auch die Mongolei und schrieb historische Romane über die Geschichte dieses Landes.

Eine Situation aus dem Zweiten Weltkrieg erzählte der Defa-Film »Erster Verlust« mit Julia Jäger, Cottbusser Festivalsieger 1991, den Regisseur Maxim Dessau im vergangenen Jahr in einigen Sondervorführungen vorstellte. Nach erfolgreichen Studentenfilmen in Babelsberg drehte er den Gegenwartsfilm »Schnauzer« (1984), dessen Sicht auf die sozialistische Produktion die Kritik von Funktionären hervorrief, so dass er nicht fertiggestellt werden durfte. Dessau hat an Theatern im In- und Ausland inszeniert und widmet sich jetzt der Aufarbeitung des Nachlasses seiner Eltern Ruth Berghaus und Paul Dessau als profunder Kenner. Am morgigen Donnerstag kann er seinen 70. Geburtstag feiern.

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