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Aus: Ausgabe vom 08.07.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Besser ohne

Zu jW vom 24.6.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Wieso sollte der Niedergang einer Rennstrecke für Verbrenner oder eines Regionalflughafens kritikwürdig sein, Herr Balluff? Beides ist in ökologischer – also Überlebensaussicht – dringend geboten. Der Landesampel wäre allenfalls vorzuwerfen, dass weder der Nürburgring noch der irreführend nach dem viel weiter östlichen, hessischen Frankfurt am Main benannte Flughafen Hahn längst komplett geschlossen und renaturiert wurde. (…)

Just der Ort Hahn liegt an einem regionalen Bahnnetz, das längst stillgelegt ist: Verknüpft war es in Langenlonsheim mit der Strecke Bingen–Bad Kreuznach, in Emmelshausen mit einem erhaltenen Reststück nach Boppard/Rhein, in Türkismühle mit der Strecke Mainz–Saarbrücken und in Trier mit der Moselbahn, Frankreich und Luxemburg.

Es waren CDU-Landesregierungen, die Hahn von der großen Welt abhängten bzw. Linienbusse für einen Zugersatz hielten! Einer der CDU-Ministerpräsidenten in Mainz amtierte später in Erfurt in derselben Funktion: Bernhard Vogel (CDU) ließ auch in Thüringen eine Strecke nach der anderen einstellen! Derselbe Vogel bezeichnete Rheinland-Pfalz als »größten Flugzeugträger der NATO«, was an Verächtlichkeit kaum zu unterbieten ist. Auch der restlos überflüssige Flughafen »Frankfurt«-Hahn ist natürlich ein ehemaliger Militärflugplatz. Bei Büchel und bei Ramstein gibt es weitere, wobei sich zu den Atomsprengköpfen bei Büchel sogar schon der Bundestag kritisch äußerte, während in Ramstein irgendwelche »Kunstflieger« des italienischen Militärs ins Publikum einer »Flugschau« krachten – und all diese militaristische Lebensgefahr hat in Rheinland-Pfalz maßgeblich die CDU verbockt! Übrigens wurden in den Kabinetten Scharping, Beck und Dreyer (alle SPD) Bahnstrecken reaktiviert, dies sogar von Landesverkehrsministern der FDP. Der Ausbau der Mainzer Straßenbahn scheint hingegen vor allem das Werk eines grünen Stadtrats zu sein. (…)

Bernhard May, Solingen

Selbst zerlegt

Zu jW vom 4.7.: »Gysi zieht Notbremse«

Im Artikel von Nico Popp wird unter anderem die Frage aufgeworfen, ob es für eine Kurskorrektur der Partei Die Linke nicht schon zu spät sei. Meines Erachtens hätten Gysi und Bartsch den Niedergang der Partei schon längst erkennen können. Aus der Basis wurde schon lange der Unmut signalisiert. Seit dem Göttinger Parteitag (2012, jW) wurde dem Abwärtstrend nur beschwichtigend zugeschaut. Ich bezweifle, dass es noch Kräfte gibt, die die Partei über fünf Prozent führen können. Auch Katina Schubert hat ihren Anteil an Streit und Desillusionierung der Basis. Eines konnten Menschen, die sich im Parteienspektrum links verorten, schon immer gut: nämlich sich streiten und zerlegen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

Kora Brandner, Elsteraue

Altersarmut

Zu jW vom 4.7.: »Inflationsprämie für fast 26 Mio. Beschäftigte«

Den Beschäftigten wurden Inflationsprämien gezahlt. Prima. Und wo bleibt die Inflationsprämie für uns Rentnerinnen und Rentner? Wir haben beim Einkauf im Supermarkt die gleichen Beträge für Grundnahrungsmittel, für die Miete etc. zu zahlen. Aber wenn bei uns Rentnerinnen und Rentnern das Geld hinten und vorne nicht reicht, bleibt ja noch das Pfandflaschensuchen in Abfallbehältern. Es ist beschämend, dass es in dieser reichen BRD auch so viel Altersarmut gibt.

Joachim Becker, Eilenburg

»Anthropogene Ursachen«

Zu jW vom 29./30.6.: »Das ertrinkende Land«

In Indonesien und dem asiatischen Umfeld sind natürliche und anthropogene Ursachen am Absinken des Festlandes weit stärker beteiligt als der Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels – die Bilder über vermüllte Straßen und Plätze sprechen eine deutliche Sprache. Übrigens ist der indo-australische Archipel eine direkte Folge des Anstiegs des Meeresspiegels um mindestens 100 Meter nach der letzten Kaltzeit als Folge des Abschmelzens der Inlandeisgletscher. Generell spricht man bei den letzten Jahrmillionen von Schwankungen des Meeresspiegels um mehrere hundert Meter. Nichts Aktuelles soll heruntergespielt werden, aber ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Umgang mit den scheinbar ganz klaren Folgen des Klimawandels wäre schon angebracht, sonst wird es nur noch ein Schlagwort, auf das niemand mehr hört, weil Partikularinteressen vermutet werden.

Michael Wallaschek, Halle (Saale)

»Bewusst herbeigeführt«

Zu jW vom 29./30.6.: »Verkürzte Querfront«

Das ist ein unendlich wichtiges Material. Zeigt es doch präzise, dass der Faschismus weder ein Ausrutscher der Geschichte noch das Werk durchgeknallter Psychopathen ist. Faschismus ist das bewusst herbeigeführte politische Resultat der Interessen einer bestimmten Kapitalfraktion, der die sich gesetzmäßig erschöpfenden Quellen des Profits zu trocken geworden sind. Militarisierung und Krieg lassen deren Profite wieder sprudeln – bis alles in Scherben fällt. Brecht hatte gewarnt »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch«. Das sollte uns lehren: Das den Faschismus gebärende Finanzkapital war nie weg oder gezähmt. Es lauerte weiter im Hintergrund. Deutlich erstarkt zeigt es heute der Welt wieder seine Giftzähne. Bis alles in Scherben fällt? Die AfD einzuhegen, ist gewiss nicht unwichtig. Die Entwicklung zum Faschismus aber muss dort gestoppt werden, wo er seine Wurzeln hat. Und die stecken ganz tief im Kern unserer so hehren Gesellschaft. (…)

Joachim Seider, Berlin

Meines Erachtens hätten Gysi und Bartsch den Niedergang der Partei schon längst erkennen können. Aus der Basis wurde schon lange der Unmut signalisiert.

Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren. Denn nicht allen lernen die junge Welt kennen, da durch die Beobachtung die Werbung eingeschränkt wird.

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