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Aus: Ausgabe vom 08.07.2024, Seite 8 / Ansichten

Unsichtbare Hand des Tages: Milei-Regierung

Von Carmela Negrete
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So ist das nun mal mit der Freiheit. Absolut alles soll man kaufen und verkaufen können. Alles soll erlaubt sein. Die eine will Marihuana legalisieren, der andere den Kinderhandel. Schon richtig gelesen. Der andere, das ist der argentinische Senator Juan Carlos Pagotto von Präsident Javier Mileis Partei mit dem vielversprechenden Namen »La Libertad Avanza« (Die Freiheit schreitet voran). Es tagte der Justiz- und Strafrechtsausschuss über einen Gesetzentwurf zur Erhöhung der Strafen für das Verbrechen der Entführung und des Handels mit Kindern. Senator Pagotto, Vorsitzender des Ausschusses und von einer ähnlichen Freiheitsidee infiziert wie der kürzlich in Deutschland dekorierte Präsident, hatte aber etwas ganz anderes im Sinn: Der Senator, der die Freiheit voranbringt, nahm sich die Freiheit und fügte dem Entwurf bei seiner Lesung kurzerhand Änderungen hinzu, die nicht diskutiert worden waren. Nämlich wörtlich: »Von dieser Strafe ist der Elternteil ausgenommen, der sein Kind in einem Zustand der Not übergibt.«

Milei selbst, den Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt hymnisch besang und ihn »Schillers Ode an die Freiheit plus Kapitalismus« nannte, hatte bereits 2022 in einem Radiointerview die Meinung vertreten, dass über die Legalisierung des Kinderhandels diskutiert werden müsse. Seine Begründung: »Man muss den Bräuchen und Gepflogenheiten jeder Gesellschaft Raum geben.« Wo käme man denn hin, wenn der Staat einen solch ehrwürdigen Brauch wie Kinderhandel untersagen würde? Damals befand Milei allerdings, dass die Gesellschaft für solche Diskussionen »noch nicht reif« sei. Jetzt aber, in der Zeit der Schocktherapie, scheint der Moment gekommen zu sein. Und damit nicht genug. Argentiniens Präsident hat sich auch für die Legalisierung des Verkaufs menschlicher Organe ausgesprochen: Weniger staatliche Reglementierung und, was gibt es Besseres, »einen Markt mehr«.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (7. Juli 2024 um 20:00 Uhr)
    Die Dystopie bekommt (nicht nur in Argentinien) konkrete Konturen. Verdinglichung und Inwertsetzung ohne Grenzen? Kapitalistische Kreislaufwirtschaft?

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