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Aus: Ausgabe vom 06.07.2024, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Gehörnte Antilopen

Zu jW vom 2.7.: »Koalitionsregierung in Südafrika gebildet«

Das Gnu heißt in Südafrika »Wildebeest«. Diese Antilopenart ähnelt im Aussehen einem Büffel und springt gern wie verrückt herum – eben wie ein wildes Biest. Das Tier ist allerdings eher harmlos, nicht so gefährlich wie der afrikanische Büffel, dem man lieber nicht in die Quere kommen sollte. Wird die neue Regierung der Nationalen Einheit – abgekürzt GNU (Government of National Unity) – sein wie ein »Wildebeest«, oder wird sie wie ein afrikanischer Büffel die sozialen und wirtschaftlichen Mammutprobleme Südafrikas angehen? Man hofft freilich auf das letztere. Mir schwant jedoch, der Büffel wird es bald mit bösen Blähungen zu tun bekommen. Denn der Präsident hat leider den klugen Rat des W. I. Lenin – »Lieber weniger, aber besser« – völlig in den Wind geschlagen. Sein neues Kabinett hat sage und schreibe 32 Minister mit insgesamt 43 Stellvertretern. Einige bisherige Arbeitsbereiche wurden sogar gesplittet in zwei verschiedene Ministerien. Neben dem ANC sind weitere sechs Parteien bedacht. Der ANC stellt 20 Minister, die liberale DA sechs, und die restlichen sechs Ministerien gingen an fünf kleinere Parteien aus dem rechten und liberalen Spektrum. Der Leitbüffel (Präsident Ramaphosa) wird es schwer haben, diese zappelnde Herde auf Spur zu halten.

Detlev Reichel, Tshwane (Südafrika)

Habitable Zonen des Kapitals

Zu jW vom 2.7.: »Ungedeckte Wechsel«

Der außerordentlich wichtige Artikel zeigt einige Schwachstellen der »Sozialismus oder Barbarei«-Parole auf. Viele Linke, die sich dieser bedienen, sind hoffnungslose Fortschrittsgläubige (und setzen sich von daher nicht von der bürgerlichen Grundauffassung ab). Von der Neutralität der Technik wird vielfach ausgegangen bzw. davon, dass »alle Probleme« technisch/technologisch lösbar sind. Es reicht aber nicht aus, die Produktivkräfte im Verhältnis zu den Produktionsverhältnissen zu betrachten, man muss beides ins Verhältnis zu den Gratisdiensten der Natur setzen. Ein Gratisdienst der Natur sind habitable Zonen. Sie ermöglichen die Bildung von Materieansammlungen, die man Leben nennt. Selbige müssen zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz Entropie exportieren können (nichtabgeschlossene Systeme!). Die derzeitige Entwicklung der Produktivkräfte ist durchaus geeignet, die Entropieexportfähigkeit von Organismen in der (noch) habitablen Zone »Erde« zu erschweren bis unmöglich zu machen. Beispiele hierfür findet man auch in dieser Zeitung, z. B. Berichte über Korallenbleiche und Hitzetote. Ein Problem bei der Sache ist, dass ihr Kern ziemlich unanschaulich ist. Mit Marx: »Die Forschung hat den Stoff sich im Detail anzueignen, seine verschiedenen Entwicklungsformen zu analysieren und deren inneres Band aufzuspüren. Erst nachdem diese Arbeit vollbracht, kann die wirkliche Bewegung entsprechend dargestellt werden. Gelingt dies und spiegelt sich nun das Leben des Stoffs ideell wider, so mag es aussehen, als habe man es mit einer Konstruktion a priori zu tun.« In diesem Sinne hat »die Linke« noch allerhand zu tun, um das Wesen des ungedeckten Wechsels zu erkennen.

Heinrich Hopfmüller, Stadum

Der Zusammenbruch

Zu jW vom 28.6.: »Vorwärts nimmer«

Wer kann vom Kolonialherren Wohltaten erwarten? Die Bewohner der ehemaligen DDR werden nach 30 Jahren mit der Fratze des real existierenden Kapitalismus konfrontiert. Die Großbetriebe zerschlagen, der ÖPNV heruntergefahren, Kindergärten und Schulen ins »Mittelalter« zurückgeschrumpft. So hatte sich wohl keiner das Ende seiner Heimat vorgestellt. Dabei haben wir heute alles, was im Westen damals schon normal war: Obdachlose, Arbeitslose, Bettler und Rentner sammeln Pfandflaschen, und keiner muss zehn Jahre auf ein Auto warten. Man kann reisen, wohin man will. Nur leider können sich das alles die meisten kaum leisten. Die Rente reicht für die Miete, oder man ist gezwungen, Sozialhilfe zu beantragen. Trotz all dieser Demütigungen sollte man nicht auf all die »Rattenfänger« hereinfallen, die uns einreden wollen, dass »die Ausländer« an allem schuld sind. Traurig, dass auch die »Wagenknechte« dieses Lied singen. Die Einkommen der oberen zwei Prozent sind in den vergangenen Jahren explosionsartig gewachsen, und der AfD-Wähler kämpft gegen Steuererhöhung. Die Umverteilung des Reichtums von unten nach oben ist das Wesensmerkmal einer kapitalistischen Wirtschaft, man hätte in der Schule besser zuhören sollen. Ist es tatsächlich nötig, noch einmal Faschismus zu erleben, um den Zusammenbruch des Kapitalismus zu erreichen? Krieg haben wir ja schon in Europa, und dem kleinen Mann, der kleinen Frau steht das Wasser bereits bis zum Hals. Nationalismus ist das letzte, was wir brauchen.

Ronald Prang, Berlin

»Mehr Entgegenkommen«

Zu jW vom 2.7.: »›Ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten‹«

Ich habe von 2006 bis zu meiner Entlassung, kurz vor Rentenbeginn 2020, in der Gebäudereinigung gearbeitet. Diese Arbeit hat mir sehr viel Spaß bereitet. Von meinen Arbeitgebern, die alle paar Jahre vom Namen her (unsere Vorgesetzten waren aber immer die gleichen, sie wurden ja auch von der neuen Firma übernommen) wechselten, haben wir Angestellten nie einen Dank erhalten. Im Gegenteil. Es wurden die Löhne erhöht, aber die Zeiten gekürzt, oder man bekam noch etwas mehr Arbeit dazu, weil Mitarbeiter entlassen wurden. Aber auch der Kunde wollte billig und noch billiger. Ich habe immer das Gefühl gehabt, wir Mitarbeiter sind Dreck und bleiben Dreck. Vielleicht sollten die Gebäudereiniger mal für eine Woche die Arbeit in ganz Deutschland niederlegen. Sollen doch mal alle Gebäude im Dreck und Müll ersticken. Bei manchen Gebäuden würde auch schon ein Tag ausreichen. Ich drücke allen, die in der Gebäudereinigung tätig sind, die Daumen um mehr Entgegenkommen der Arbeitgeber.

Sylvia Hille, Ottersberg

Vielleicht sollten die Gebäudereiniger mal für eine Woche die Arbeit in ganz Deutschland niederlegen. Sollen doch mal alle Gebäude im Dreck und Müll ersticken.

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